Ein Pop-up-Store hat nun in der Sonnentalstraße eröffnet

Pop-up-Store : Wirtschaft und Arbeitsmarkt verknüpft

Arbeiten hinter Gittern? Könnte man vielleicht auf den ersten Blick annehmen. Doch wer sich den Laden in der Sonnentalstraße einmal genauer anschaut, erkennt schnell: Hier wurde ein ganz besonderes Konzept umgesetzt – und das in gleich zweierlei Hinsicht.

Dort, wo einst das „Speisehaus“ war, findet man seit Freitag einen sogenannten Pop-up-Store – ein kurzfristiges  Einzelhandelsgeschäft, das vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben wird.

Wer allerdings dachte, dass dort einfach nur irgendwelche Waren angeboten werden, der hat sich gewaltig geirrt. Und genau das macht die zweite Besonderheit des Ladens aus. Dort werden nämlich wirtschaftliche Aspekte und Arbeitsmarktförderung miteinander verknüpft. Denn: In dem kleinen Ladenlokal ist wirklich alles selbst gemacht und das von der Deko und den Verkaufsartikeln bishin zu der Abtrennung, die aus dem ehemaligen „Speisehaus“ quasi zwei Ladenlokale macht. Auf diese Weise wirkt der Laden auf der einen Seite individuell und modern, auf der anderen Seite bleibt dabei der Charme des Bestands erhalten. Um die Gestaltung und den Verkauf der Waren kümmern sich Menschen, die Arbeit suchen.

Bereits im Mai hatte man mit den Planungen begonnen, sagt Projektleiterin Britta Leipertz von der Lowtec. Getreu dem Motto „Wir schaffen Chancen“ werden in ihrem „Entwicklungs-Center“ in Eschweiler seit April letzten Jahres neue berufliche Chancen und Perspektiven durch Begleitung und Qualifizierung entwickelt. Das Entwicklungs-Center ist eines der sechs Förderzentren des Jobcenters als Förderinstrument für Arbeitssuchende.

Mit im Boot sitzt das „Viertel-Lab“, das selbst in der Grüntalstraße 5 residiert und gezielt Menschen aus dem Quartier in Arbeit bringen möchte. Über 540 Teilnehmer habe das Entwicklungs-Center seit dem vergangenen Jahr erreichen können. Über 150 Menschen konnten in den Arbeitsmarkt integriert werden, erklärte Marcus Alt, Leiter der Jobcenter-Geschäftsstelle in Stolberg.

Und was geschah nun in den vergangenen Monaten in Stolberg? Eine ganze Menge: Waren mussten organisiert, an den Standort geliefert und ausgezeichnet werden. Plakate und Flyer wurden gestaltet und natürlich musste auch ein Konzept entwickelt werden. Umgesetzt wurde dieses dann in nur drei Tagen. Drei Anleiter und acht bis zehn Teilnehmer sorgten dafür, dass am vergangenen Freitag die Eröffnung in der Sonnentalstraße stattfinden konnte.

Was die Besucher erwartet? Selbst gemachte Produkte. Darunter Honig, Kräuteröle und Pflaumenmarmelade, aber auch Einrichtungsgegenstände, Schürzen, Mützen oder Kosmetiktaschen. Geöffnet ist der Store an vier Tagen in der Woche. Pro Schicht sollen bis zu drei Teilnehmer tätig sein. Und auch Events – wie beispielsweise ein Late-Night-Shopping – seien in der Planung, verrät Leipertz. Bis voraussichtlich Mitte November soll der Laden die Stolberger Innenstadt beleben. Dann schließt der Pop-up-Store wieder seine Pforten – so, wie das Konzept es vorsieht.

Die Produkte, die im Pop-up-Store verkauft werden sind besonders. Warum? Ganz einfach: Sie sind alle handgemacht. Dazu gehören auch Kosmetiktaschen. Foto: ZVA/Sonja Essers

Pop-up-Stores werden übrigens genutzt als Methode und Instrument, die Teilnehmer einzubinden durch den Verkauf sozialer Produkte, eine Erprobung in einem Berufsfeld, das bisher unbekannt war, die Erprobung eines Gewerks unter realen Bedingungen und zeitgleich die Förderung von Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Selbstvertrauen und anderen Kompetenzen.

Einen ersten erfolgreichen Pop-up-Store hat das Entwicklungs-Center im November letzten Jahres an der Eschweiler Josefstraße eröffnet. In der Adventszeit wurden dort soziale Produkte aus den Bereichen Deko, Design und Möbel auf selbstdesignten Regalen durch die Teilnehmer verkauft.

Auch Bürgermeister Patrick Haas zeigte sich von dem Konzept begeistert. „Es ist uns ein Anliegen, dass die Innenstadt belebt wird. Kreative Pop-up-Stores haben wir uns immer gewünscht“, sagte er. Sie würden nicht nur die lokales Ökonomie stärken, sondern Menschen auch Perspektiven bieten. Er war sich sicher, dass der Laden mit seinem besonderen Konzept auch in Großstädten gut ankommen würde. „Deshalb sind wir sehr stolz, dass wir dieses Konzept in Stolberg präsentieren dürfen“, meinte er.

Weitere Interessenten – seien es Hauseigentümer, die ihr Ladenlokal zur Verfügung stellen wollen oder junge Unternehmer, die ihre Ideen umsetzen möchten – seien gerne gesehen. Dass dies allerdings gar nicht so einfach sei, weiß auch Daniel Günther von der Low-tec.

Zu hohe Mieten seien nur ein Problem, dass die Umsetzung von Projekten dieser Art erschweren würde, meinte er. Zum Prinzip des neuen Pop-up-Stores meinte er: „Es muss nicht jedem gefallen, aber auf diese Weise zeigen wir eine Option, wie man an die Sache rangehen kann.“

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