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Im „Piano“ endet eine Ära: Ein leiser Abschied mit ganz lautem Dank

Im „Piano“ endet eine Ära : Ein leiser Abschied mit ganz lautem Dank

Otto Matheis geht in den Ruhestand, nachdem er 40 Jahre lang die Kupferstädter Gastronomie- und Kulturszene geprägt hat. Er hat allerdings bereits einen Nachfolger für das beliebte „Piano“ gefunden.

Er ist aus der Kupferstädter Gastronomie- und Kulturszene kaum mehr wegzudenken, doch jetzt geht Otto Matheis in den Ruhestand und damit eine Ära zu Ende. Der 65-jährige Gastwirt verabschiedet sich planmäßig in Rente, wobei er sich seinen Ausstand anders vorgestellt hat. Eigentlich sollten an diesem Wochenende die Altstadtmusikanten im „Piano“ spielen – womit sich der Kreis geschlossen hätte, denn die Stolberger Kultgruppe gab auch das erste Konzert in der Musikkneipe. Aber wegen der Corona-Pandemie bleibt das „Piano“ geschlossen.

Zehn Konzerte, ein Kabarett-Abend und mehrere Privatveranstaltungen seien im „Piano“ in der Corona-Krise ausgefallen und die finanziellen Einbußen dementsprechend groß, berichtet Matheis. „Und mindestens genauso ärgerlich ist, dass ich mich nicht von meinen treuen Gästen verabschieden kann. Aber das Risiko ist mir einfach zu hoch, die Kneipe in der Corona-Pandemie noch einmal zu öffnen.“ So bleibt der Gastronomie-Legende nur ein leiser Abschied. Allerdings kein so ganz endgültiger, denn Otto Matheis hat auch gute Nachrichten für die Kulturszene in Stolberg und der Region.

„Ich habe einen Nachfolger gefunden, der nach der Corona-Krise das ,Piano' wieder öffnen wird. In bewährter Art als Musikkneipe mit vielen Livekonzerten.“ Nicht nur viele Gäste, sondern auch zahlreiche Musiker sehen das „Piano“ als ihr „Wohnzimmer“ an. Peter Sonntag und seine Band „Final Virus“, die „Somebody Wrong Blues Band“, „Saturday Night Fish Fry“, die Altstadtmusikanten, „Six, four and more“ oder Carlos Cachafeiro sind Beispiele von Musikern aus der Region, die regelmäßig im „Piano“ gastierten.

Zudem hat Matheis seine Konzerte immer wieder auch international „bestückt“. Feste Größen im Konzertkalender waren Adam Rafferty aus New York und Romy Conzen aus Belgien. Unvergessen sind Livekonzerte wie etwa mit der „Top Shelf Jazz Band“ aus Wales oder der Rockabilly-Band „The Spuny Boys“ aus Frankreich. Legendär ist auch der offene Musikertreff, an dem donnerstags gerne mancher Altstadtmusikant teilnahm. Um dieses qualitativ hochwertige Livemusik-Programm in der Altstadt aufrecht zu erhalten, werde Matheis seine über viele Jahre gewachsenen Kontakte zu Musikern auch weiterhin nutzen.

„Nach Corona ist ein fließender Übergang angedacht. Gemeinsam mit meinem Nachfolger werde ich dann Konzerte organisieren und meine Kontakte weitergeben“, verspricht Matheis. Es sei auch nicht ganz auszuschließen, dass er bei dem ein oder anderen Konzert im „Piano“ hinter dem Zapfhahn stehen könnte. „Das hat mir immer Spaß gemacht und so wird es auch im Ruhestand sein, wenn es denn zeitlich passt.“ Schließlich will der Rentner Matheis mit seiner Lebensgefährtin künftig mehr verreisen – etwa in seine „zweite Heimat“, die Bretagne.

„Und ich möchte selbst jetzt mehr Kultur genießen, was mit den Arbeitszeiten in der Gastronomie meist nicht vereinbar war.“ Theater, Konzerte, Kino, Kabarett und mehr sollen seinen Ruhestand versüßen. Wie sehr Otto Matheis die Kupferstädter Gastronomie geprägt hat, zeigt sein Werdegang. Nach seinem Abitur am Goethe-Gymnasium begann er ein Lehramt-Studium, entschied sich aber bald für eine gastronomische Laufbahn. 1977 kellnerte Matheis zunächst in Monschau, dann in seiner damaligen Stolberger Stammkneipe „Toulouse“, bis er 1980 seine erste eigene Kneipe aufmachte: die Augustinerstuben auf der Mühle.

Nach zweieinhalb Jahren wurde Matheis Geschäftsführer vom „Rockpalast“ in Würselen-Euchen, wo Interpreten wie Nena, Zeltinger oder „Extrabreit“ auftraten. Nachdem der „Rockpalast“ keine Konzession mehr bekam, arbeitete Matheis in verschiedenen Gaststätten in Stolberg, Aachen und im Kreis, war zwischenzeitlich ein Jahr Geschäftsführer in der Kupferstädter Kneipe „Galmei“ an der Blaustraße. 1987 erfolgte eine Gastronomie-Auszeit, in der Matheis als Lieferfahrer und kurzzeitig als Reiseleiter tätig war. Dann kellnerte er im „Saxophon“ und machte 1992 mit seinem Bruder Siegfried Matheis die „Burgwache“ an der Klatterstraße auf und organisierte erste Kneipenkonzerte.

Ebenfalls mit seinem Bruder betrieb Otto Matheis dann ab 1994 zehn Jahre lang die Stolberger Stadthalle. 2005 übernahm er die gutbürgerliche Gastwirtschaft „Heidelberger Fass“ an der Burgstraße. „Als Dauerleihgabe bekam ich einen Flügel. Damit war die Idee geboren, Livekonzerte zu veranstalten und die Kneipe in ,Piano' umzubenennen“, erinnert Matheis sich. Nach 15 Jahren „Piano“ stehe für ihn fest: „Diese Zeit war die Krönung meiner gastronomischen Laufbahn. Die Arbeit hat mir durchweg viel Freude bereitet. Die Eheleute Lamm als Verpächter haben mich immer unterstützt, der Kontakt zu den Musikern war hervorragend, und vor allem hatte ich die besten Gäste und das tollste Publikum.“

So sagt der Wirt nach 40 Jahren in der Gastronomie und nach 15 Jahren im „Piano“ bedingt durch die Corona-Krise zwar „zum Abschied leise Servus“, aber „vor allem ganz laut Danke! Es war eine unglaublich schöne Zeit, die ich meinen Gästen, Freunden, den Musikern und dem Publikum verdanke“, betont Otto Matheis und stellt in Aussicht, dass er nach der Corona-Pandemie hin und wieder „auf der anderen Seite Stolberger Theken“ anzutreffen sein wird.