Interview der Woche: Ein Leben wie auf der Raupenbahn

Interview der Woche : Ein Leben wie auf der Raupenbahn

Eines ist das Leben von Gerd Bougé sicherlich nicht: langweilig. Ganz im Gegenteil: Vielmehr ist es ein wenig so, wie auf einer Raupenbahn: geprägt vom stetigen Auf und Ab. Der Stolberger Gastronom etablierte in der Vergangenheit nicht nur die Zeltveranstaltungen in der Kupferstadt.

Bougé führte auch ein Taxi-Unternehmen und sorgte mit seinem Disco-Bus – Discokugel, Licht und Musik inklusive – für Aufsehen. Am kommenden Donnerstag, 14. Februar, wird das Stolberger Original 70 Jahre alt. Mit unserer Redakteurin Sonja Essers blickte Bougé auf die verschiedenen Stationen in seinem Leben zurück, verriet, warum er an den Ruhestand noch keinen Gedanken verschwendet und welche Entscheidung er bis heute bereut.

Herr Bougé, in der kommenden Woche steht Ihr Geburtstag an. Dann werden Sie 70 Jahre alt. Wie würden Sie Ihr bisheriges Leben bisher beschreiben?

Bougé: Monoton (lacht).

Das glaubt man Ihnen bei Ihrer Geschichte nicht. Wenn es wahrscheinlich eins nicht war, dann monoton, oder?

Bougé: Das Monotone hat mir wirklich nie gelegen. Ich musste immer etwas machen. Schließlich lebt man ja auch nur ein Mal.

Blicken wir nun einmal auf einige Stationen in Ihrem Leben zurück. Als Gastronom sind Sie in Stolberg ja bestens bekannt. Sie hatten aber in der Vergangenheit auch ein Taxi-Unternehmen in Stolberg und in der Eifel.

Bougé: Ganz genau. Damit habe ich im Jahr 1980 angefangen. Später hatte ich dann auch noch einen Disco-Bus. Das einzige, das ich in meinem Leben bereue, ist, dass ich diesen Bus damals verkauft habe.

Warum?

Bougé: Der war wirklich wie eine richtige Disco. Also mit einer Kugel, Lichteffekten und natürlich auch einer Musikanlage, die man dann auch draußen hörte. Als ich damit damals beim TÜV ankam, haben die gedacht, ich wäre verrückt (lacht). Wenn ich dann auf der Autobahn unterwegs war, musste ich immer die Markise runter machen, damit man die Musik draußen nicht hören konnte und die anderen Autofahrer nicht abgelenkt wurden. Das war meine Auflage vom TÜV, an die ich mich halten musste.

Wer hat Ihren Bus damals vor allem gebucht?

Bougé: Damals habe ich unter anderem sehr viele Kegelclubs gefahren – beispielsweise nach Bad Hönningen. Aber ich habe auch Schulkinder gefahren und abgeholt – beispielsweise nach Vossenack. Der Bus war wirklich toll, denn er war einfach ein echtes Unikat.

Wie ging es dann beruflich für Sie weiter? Wann und wie kam schließlich die Gastronomie ins Spiel?

Bougé: Meine erste Frau habe ich damals in Lloret de Mar kennen gelernt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon angefangen zu kellnern. Das ist jetzt aber auch schon über 30 Jahre her und seitdem hat mich die Gastronomie dann auch nicht mehr losgelassen. Ich hatte mehrere Kneipen – darunter in Oberforstbach, Frankfurt, Berlin und war dann auch zwei Mal Geschäftsführer – am Eigelstein und in Düren. Aber das „Check Point“ wird wohl meine letzte Station sein.

Sie sind also in Ihrem bisherigen Leben schon richtig viel rumgekommen. Man sagt Ihnen auch nach, Sie hätten ein Händchen dafür, Geschäfte aufzubauen, und dann suchen Sie sich aber wieder eine neue Aufgabe und ziehen weiter. Warum war das so?

Bougé: Es hat mich einfach immer wieder gereizt, etwas Neues zu machen. Ich habe immer versucht, kreativ zu denken.

Und trotzdem war Stolberg auch immer wieder eine Anlaufstelle für Sie.

Bougé: Bis zum siebten Lebensjahr habe ich in der Stolberger Altstadt gelebt und danach in Münsterbusch.

Und in den 1990er Jahren hatten Sie dann auch eine Discothek in Stolberg.

Bougé: Das stimmt. Und ich kenne mindestens zehn Leute, die sich dort damals kennen gelernt haben und die auch heute noch immer verheiratet sind und mittlerweile natürlich selbst Kinder oder auch Enkel haben. Manche von ihnen kommen auch heute noch zu mir in die Kneipe und sagen dann, dass sie ohne mich ihre Frau oder ihren Mann niemals kennengelernt hätten.

Sie waren in Sachen Zeltveranstaltungen ein Pionier in Stolberg. Stimmt es, dass Sie der erste Zeltveranstalter auf dem Kaiserplatz waren?

Bougé: Ja genau und ich habe insgesamt acht Zeltveranstaltungen in Stolberg durchgeführt. Angefangen hat damals übrigens alles auf dem Heinrich-Böll-Platz. Da stand nämlich das erste Zelt. Damals habe ich von den Stolbergern auch viel Rückenwind bekommen. Sie waren von den Veranstaltungen im Zelt begeistert. Dort konnten sie nämlich bleiben, so lange sie wollten, sie konnten aber auch weiterziehen in die Altstadt. Das kam damals sehr gut an.

Apropos Karneval: Da haben Sie in diesen Wochen wahrscheinlich eine ganze Menge zu tun, oder?

Bougé: Wir haben viel Besuch von Karnevalisten. In der vergangenen Woche waren die Mausbacher hier. Am nächsten Freitag ist der Prinz zu Gast im Rahmen des Altstadtbummels.

Nun haben Sie schon über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Gastronomie. Wie nehmen Sie die Gastronomie heute wahr?

Bougé: In Stolberg haben wir mittlerweile noch 34 Bierschwemmen (Kneipen, Anm. d. Red.). Meiner Meinung nach wird in zehn Jahren wahrscheinlich aber nur noch die Hälfte davon übrig sein. Das ist aber nur meine persönliche Meinung. Wenn man als Wirt einfach nur hinter der Theke steht, dann reicht das heute nicht mehr.

Gibt es eigentlich auch eine Sache in der Gastronomie, die Sie stört?

Bougé: Ja und zwar das Nichtraucherschutz-Gesetz. Ich bin ja der Meinung, dass das von der Politik wieder gekippt werden soll. Denn das macht einfach viele Kneipen kaputt.

Mehr von Aachener Zeitung