Stolberg: Ein Konzept für mehr Radwege und eine bessere Beleuchtung

Stolberg: Ein Konzept für mehr Radwege und eine bessere Beleuchtung

Unter dem Titel „klimafreundliches Mobilitätskonzept“ hatte die Verwaltung am Mittwochabend zu einer Bürgerinformation in das Museum Zinkhütter Hof eingeladen. Die Anzahl der Besucher ließ zwar zu wünschen übrig. Dafür brachten sich die Anwesenden allerdings sehr engagiert ein und lieferten viele gute Vorschläge, die nun auch im Mobilitätskonzept berücksichtigt werden sollen.

Die Fortsetzung des Radweges am Nachtigällchen in die Innenstadt, eine Ladestation am Markusplatz in Mausbach, mehr Bus- und Bahnverkehr nach 20 Uhr sowie Kreisverkehre zwischen Werth und Scherpenseel und Hastenrath und Gressenich: Die Liste der Wünsche war lang — sehr lang.

Die Teilnehmer des Workshops trugen eine ganze Reihe von Ideen und Anregungen zusammen.

Seit Anfang dieses Jahres arbeitet die Stolberger Stadtverwaltung mit dem Aachener Büro für Stadt- und Verkehrsplanung von Dr. Reinhold Baier (BSV) zusammen. Dieses soll ein klimafreundliches Mobilitätskonzept für die Kupferstadt erstellen. Ein wesentliches Ziel: Die bestehenden Verkehrsangebote auf ihre Wirksamkeit zu prüfen und zu verbessern. So soll sich die Verkehrssituation im Stadtgebiet langfristig verbessern, und die Lebensqualität soll gesteigert werden.

Der Technische Beigeordnete, Tobias Röhm, erläuterte die Ansätze des Konzeptes.

In den vergangenen Monaten haben die Aachener Verkehrsplaner die Stolberger Infrastruktur genau unter die Lupe genommen — und das für jede Verkehrsart. Dafür wurde aus dem rund 300 Kilometer großen Straßennetz ein 110 Kilometer großes Untersuchungsnetz mit 600 Streckenabschnitten festgelegt. Mit dem Fahrrad und dem Auto waren die Verkehrsplaner drei Wochen unterwegs, zudem fanden in der Innenstadt Begehungen statt. So entstand zunächst eine Bestandsanalyse. In einem weiteren Schritt wurden strategische Ziele festgelegt und Maßnahmen entwickelt, die nun gemeinsam mit den Bürgern besprochen werden sollten.

An verschiedenen Stellwänden erklärten die Experten Dr. Katja Engelen, Projektleiterin vom BSV, Stolbergs Klimaschutzmanager Georg Trocha, Andreas Pickhardt, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Umwelt sowie Bernd Kistermann, Leiter des Amtes für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur, den Besuchern, welche Vorschläge für die jeweilige Verkehrsart erarbeitet wurden und sammelten gemeinsam mit ihnen weitere Ideen, die im Konzept Beachtung finden sollen.

Besonders viele Ideen gab es für den Bereich Radfahren. Eine Fahrradkarte, Radabstellanlagen, Radschnellwegverbindungen, ein Stadtradsystem und öffentliche Ladestationen für Pedelecs waren nur einige von zahlreichen Vorschlägen der Verkehrsplaner.

Und welche Ideen hatten die Bürger? Die Fortsetzung des Radwegs am Nachtigällchen in die Innenstadt spielte eine wichtige Rolle. Gewünscht wurde auch ein Radweg auf der Finkensiefstraße. Auch beim Thema öffentliche Verkehrsmittel hatten die Besucher viele Ideen. Besonders wichtig sei eine Fahrradmitnahme auch zu den Stoßzeiten und ein Ausbau des Bus- und Bahnverkehrs nach 20 Uhr. Auch die Verkehrsplaner hatten zahlreiche Vorschläge. Darunter ein Stadtbussystem, die Reaktivierung der historischen Schienenverbindung oder auch eine Bezuschussung des ÖPNV-Tickets bei Veranstaltungen.

Und auch die Fußgänger kamen nicht zu kurz. Die Überprüfung von Gehwegbreiten, Wartezeiten an den Ampeln sowie die Themen Barrierefreiheit, Pflege, Erhalt und Beleuchtung von Gehwegen hatten die Verkehrsplaner unter anderem in ihre Vorschläge aufgenommen.

Die Besucher nannten konkrete Stellen, an denen es Probleme gibt. Darunter beispielsweise die Innenstadt. Der Weg von Woolworth bis zum Rathaus sei mit zu vielen Ampeln und zu kurzen Grünzeiten versehen. Auch der Fußgänger- und Radweg von der Eisenbahnstraße in Richtung Nikolausstraße sei schlecht. Zwischen dem Parkplatz am Mühlener Bahnhof und der Blaustraße fehle eine ausreichende Beleuchtung.

Beim Kfz-Verkehr wiesen die Verkehrsplaner auf die Umgestaltung der Ortseingangssituationen hin. Weitere Vorschläge waren die Überprüfung des Parkraumangebotes, die Beruhigung des Straßenverkehrs, das Aufstellen von Verkehrsspiegeln und öffentlichen Ladestationen. Diese wünschten sich die Besucher unter anderem am Markusplatz in Mausbach. Auch der Vorschlag, Ladestationen vor Miethäusern zu platzieren, wurde von der Verwaltung interessiert angenommen.

Zu guter Letzt gab es noch die Kategorie „Sonstiges“. In dieser spielten Themen wie Carsharing, Mitfahrerbänke, Begehungen mit Senioren und die Vorreiterrolle der Verwaltung eine Rolle. Die Besucher schlugen vor, das Dienstfahrrad fördern zu lassen.

In dieser Kategorie gab es allerdings die wenigsten Vorschläge. Was auch daran liege, dass sie kaum konkret zu fassen sei, wie Dr. Katja Engelen berichtete. Ansonsten schienen beide Seiten zufrieden zu sein. „Es gab viele gute Anregungen“, sagte Georg Trocha Das konnten auch Bernd Kistermann und Andreas Pickhardt bestätigen.

Auch im weiteren Verlauf sollen die Stolberger beteiligt werden. Ab spätestens Montag, 25. September, sind alle Unterlagen der Veranstaltung auf der Internetseite der Stadt unter www.stolberg.de zu finden. Dann haben die Bürger noch rund zweieinhalb Wochen Zeit, um ihre eigenen Anliegen mitzuteilen. Diese können sie per Mail an Klimaschutzmanager Georg Trocha unter georg.trocha@stolberg.de schicken.

Diese Vorschläge sollen in das Konzept aufgenommen und am Mittwoch, 8. November, dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt (ASVU) präsentiert werden. Bis Frühjahr 2018 soll dann ein Konzept erstellt sein.

Ist dieses von der Politik genehmigt, kann mit den ersten Umsetzungen begonnen werden. „Klimaschutz und Mobilität können nur gemeinsam gedacht werden und dort gibt es noch Handlungsbedarf. Ich hoffe, dass wir Sie ermuntern konnten, weiterhin bei der klimafreundlichen Mobilität dabei zu sein“, sagte Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm.

Mehr von Aachener Zeitung