1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg-Werth: Ein Hovawart ist die Ruhe selbst

Stolberg-Werth : Ein Hovawart ist die Ruhe selbst

„Hören Sie was? Sie hören nix, es ist absolute Ruhe!” Peter Thome, Vorsitzender der Landesgruppe Rheinland vom Hovawart-Rassezuchtverein nimmt die Antwort vorweg.

So sehr man auch hinhört: Nicht ein einziges Bellen ist zu vernehmen. Und das, obwohl sich an jenem Wochenende auf dem Hundeplatz in Werth genau 75 Vierbeiner eingefunden haben.

Sie alle sind Hovawarte, die bei der Landessieger-Schau um die Gunst der gestrengen Jury buhlen. Kläffen ist den maximal 70 Kilo schweren deutschen Rassehunden zuwider, ein echter Hovawart bellt nur im Ernstfall.

6000 Mitglieder

„Hovawart ist das mittelhochdeutsche Wort für Hofwächter”, erklärt Ines Mirbach, Pressewart der Landesgruppe. Der Hovawart-Verband besteht aus zwölf Landesgruppen mit insgesamt 6000 Mitgliedern, ist weltweit der größte Verein dieser Rasse.

„Alter Landadel auf vier Pfoten” werden die Hovawarte liebevoll genannt. Das kommt nicht von ungefähr: Schon im 13. Jahrhundert bewachten diese Tiere Rittergüter. Jahrhundertelang dienten sie Hirten und Bauern als Wach- und Hütehund. Wie es dazu kommen konnte, dass der Hovawart trotz seiner außerordentlichen Eigenschaften als Wachhund irgendwann nicht mehr „in” war, dafür hat Peter Thome auch keine Erklärung.

Fest steht, dass Hundefreunde nach dem Ersten Weltkrieg damit begannen, den Hovawart neu zu rekrutieren. Man begab sich auf DNA-Suche, wurde in kleinen, abgelegenen Dörfern im Schwarzwald und im Harz fündig.

Robustes Tier

Die Züchter kreuzten so genannte „Typhunde” wie den Deutschen Schäferhund, Neufundländer und Kuvasz so lange, bis es den guten, alten Hovawart endlich wieder gab. 1937 wurde das robuste Tier als eigenständige Hunderasse offiziell anerkannt.

„Der Hovawart ist ein toller Familienhund”, lobt der Gummersbacher die treu ausschauenden Vierbeiner, die eine innige Verbindung mit ihrer Menschenfamilie eingehen.

Einen Hovawart kann fast Nichts aus der Fassung bringen: In aller Seelenruhe trabt er mit seinem Besitzern an vierbeinigen Kollegen vorbei, schlängelt sich gelassen durch die Beine der wildfremden Zweibeiner, die ihm im Weg stehen. Jeder andere Hund hätte da mal einen Beller losgelassen, nicht so ein Hovawart.

Drei Farbschläge

Birgit Esser aus Stolberg ist stolze Besitzerin eines Hovawarts. „Bolena” heißt die Hundedame mit dem schwarzen Fell, ist zweieinviertel Jahre alt. Den Hovawart gibt es in drei Farbschlägen: schwarz, schwarzmarkent (schwarz-blond) und komplett blond. Die Schwarzmarkenen sind mit über 50 Prozent in der Überzahl. Hunde im „kleinen Schwarzen” wie Bolena sind hingegen seltener.

Das Fell ist lang und dicht. Das muss es auch sein, schließlich ist ein echter Hütehund bei jedem Wind und Wetter im Einsatz.

Wo man auch nachschlägt, immer wieder wird betont, dass der Hovawart eine außerordentlich gesunde Natur hat. Eine Natur, von der Überzüchtungen wie der Mops mit seinen verkümmerten Atemwegen oder der Schäferhund mit seinen Hüftgelenkfehlbildungen nur träumen können.