Stolberg: Ein freiwilliges soziales Jahr in Uganda

Stolberg: Ein freiwilliges soziales Jahr in Uganda

Zwölf Monate leistete Thomas Schulte Freiwilligen Sozialen Dienst (FSD) in „Mityana“, 77 Kilometer westlich von Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Und er erfüllte sich damit einen Herzenswunsch, einen Teil des aufregenden Kontinents Afrika kennenzulernen.

Für seine Tätigkeit als Kinderbetreuer, Deutsch- und Computerlehrer in der Grundschule hat er eigens Luganda gelernt, die am häufigsten gesprochene Bantusprache, die neben Englisch im Königreich Buganda (Zentral-Uganda) gesprochen wird.

Wie er auf seine Tätigkeiten vorbereitet wurde, was er in seiner Freizeit dort gemacht hat und wie der Aufenthalt fern der Heimat (Luftlinie ca. 6000 Kilometer entfernt) ihn verändert hat, darüber hat er mit unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein freiwilliges soziales Jahr zu machen?

Schulte: Während der Studien- und Berufsberatung am Ritzefeld-Gymnasium in der 1. Hälfte 2015 wurde uns Schülern vorgeschlagen, ein sogenanntes „Gap Year“ zu machen, da es dem Lebenslauf eine internationale Dimension gibt und auch für den späteren Beruf neue Perspektiven eröffnet.

Wie ging es dann weiter?

Schulte: Unter „weltwärts“, einem Suchdienst vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, stieß ich auf verschiedene Organisationen und bewarb mich dann Ende Oktober des gleichen Jahres beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ für einen Auslandsaufenthalt. Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt wenig später die Zusage für einen beliebigen Platz.

Im Januar 2016 gab es ein Startseminar in Aachen für mich und die anderen dreizehn Teilnehmer, die aus anderen Teilen Deutschlands angereist waren. Hier wurde mir dann klar, dass Uganda für mich das Ziel war. Nach meinem Abitur ging es gleich am 4. August 2016 von Frankfurt am Main mit dem Flieger nach Entebbe. Die Kontaktperson in Uganda holte mich ab und brachte mich zur Hauptstadt Kampala, wo ein vierwöchiger Sprachkurs in Luganda auf mich wartete.

Warum Uganda? Und was haben Sie dort gemacht?

Schulte: Die Beschreibung der Stelle hat mir gefallen, so dass Uganda das Ziel war. Ich habe pro Woche zweieinhalb Tage in der Grundschule gearbeitet und weitere zweieinhalb Tage im Krankenhaus. Die 750 Kinder in der Schule wurden bei einer Klassenstärke von bis zu 60 Kindern in sieben Jahrgängen unterrichtet. Ich habe in der Betreuung mitgeholfen, Deutschunterricht gegeben und Hilfestellung am Computer geleistet. Im Krankenhaus habe ich die Medikamente verwalten und verteilen dürfen.

Wo haben Sie gewohnt und wie war die Vergütung?

Schulte: Ich habe im Gästehaus der Grundschule gewohnt. Die ersten fünf Monate zusammen mit zwei anderen Deutschen aus Bayern und die letzten sechs Monate dann allein im Haus. Ich bekam im Monat 250 Euro für die Miete, 80 Euro Haushaltspauschale und 100 Euro Taschengeld, das 400 000 Schilling In Uganda entsprach. Zudem wurden der Flug bezahlt und die Seminargebühren, und ich war ein Jahr lang versichert. Mein Eigenanteil betrug circa 400 Euro für Führungszeugnis und Visum.

Welche Voraussetzungen sind überhaupt für einen Auslandsaufenthalt nötig?

Schulte: Man braucht einen Schulabschluss oder eine fertige Ausbildung, muss zwischen 18 und 26 Jahre alt und gesundheitlich geeignet sein, Interesse an Kulturen haben und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, weil dieses FSJ zu 75 Prozent vom Bund finanziert wird.

Was war das Faszinierende an diesem Auslandsaufenthalt?

Schulte: Ich habe eine neue Kultur kennengelernt und war gleichzeitig Botschafter der deutschen Kultur. Festpreise wie bei uns in den Geschäften gab es in Uganda nicht, dafür kann ich jetzt verhandeln. Der Dialog mit den Menschen hat mir viel Freude gemacht, weil es keine Berührungsängste gab.

Wurden die Erwartungen erfüllt?

Schulte: Ja, obwohl das Bild, was ich im Kopf hatte, anders war als die Wirklichkeit. Mich hat dennoch die Menschenfreundlichkeit gegenüber Fremden beeindruckt und wie sie untereinander umgingen. Ein wenig gestört hat mich allerdings, dass es unterschwellig (zu) häufig um Geldfragen ging.

Wie wurden Sie von den Menschen dort aufgenommen?

Schulte: Sehr herzlich und offen. Auch im Kollegium war ich gleich integriert.

Wie sah es mit Freizeit aus? Was haben Sie da gemacht?

Schulte: Während die Zeit in der Schule flexibel war, arbeitete ich im Krankenhaus acht Stunden am Tag. Die übrige Zeit verbrachte ich mit Kochen, Joggen, Lesen und Wäsche waschen, wofür es in Uganda keine Waschmaschine gab, sondern nur Schüsseln und die eigenen Hände. Ab und zu bin ich mit Freunden in die Bar des „Enro“ Hotels in Mityana gefahren, wo wir das dortige gute Bier probiert haben.

Ich hatte 24 Tage Urlaub, von denen ich zwei Wochen in Kenia war. Ich habe mir bei dieser Gelgenheit Mombasa, die wichtigste Hafenstadt Ostafrikas, und die Hauptstadt Nairobi angesehen. Mit meiner Familie aus Deutschland bin ich in den „Murchison Falls“ Nationalpark gefahren, der sich am Viktoria-Nil im Nordwesten von Uganda befindet. Und auch die anderen Nationalparks lohnten eine Reise.

Haben Sie noch Kontakt?

Schulte: Ja, über Whatsapp. Ich plane derzeit ein CARE-Paket ins Gästehaus zu schicken, denn es gibt wenig Abwechslung, was das deutsche Essen betrifft. Ich erinnere mich gern, wenn ein Paket mit Nutella, Süßigkeiten und anderen Dingen aus Deutschland kam.

Wie war es mit dem Heimweh während dieser Zeit?

Schulte: Am Anfang war es schon ein Schock für mich, wenn ich mir vorstellte, hier musst du jetzt noch elf Monate bleiben. Doch nach der Eingewöhnung wurde es besser. Und in Zeiten von Whatsapp und Computer war ich ja oft mit meiner Familie in Kontakt.

Wie sehen Sie sich persönlich nach dem Jahr? Hat es Sie verändert? Wenn ja, inwiefern?

Schulte: Ich bin viel selbständiger geworden. Mein Blick auf die Welt hat sich verändert und auch mein Blick von außen auf Deutschland und das sowohl positiv als auch negativ. Das Leben in Uganda ist viel dynamischer, weil es weniger Bürokratie gibt. Ich möchte das am Beispiel eines Hausbaus deutlich machen. Von der Planung bis zum Resultat, ein Ziegelhaus zu erstellen, bedarf es in Uganda höchstens drei Monate.

Was kommt jetzt?

Schulte: Jetzt freue ich mich auf mein Maschinenbaustudium. Sieben Semester sind es bis zum Bachelor. Vielleicht dann noch mal ein Auslandssemester. Mal sehen. Und dann brauche ich noch einige Zeit bis zum Master.

Was würden Sie jungen Leuten mit auf dem Weg geben, die solch einen Aufenthalt noch vor sich haben?

Schulte: Sie sollten von Anfang an, den anderen Kulturen offen begegnen, sich nicht an Deutschland klammern und die Zeit einfach genießen und vor allen Dingen auch vor Ort in den Nationalpark fahren.