Stolberg: Ein Event ist der Weltspartag schon lange nicht mehr

Stolberg: Ein Event ist der Weltspartag schon lange nicht mehr

Monatelang wurde es gefüttert - jetzt wird es geschlachtet. Dem ein oder anderen Sparschwein geht es am Weltspartag am Freitag ans Leder. Die meisten Dukatenschweine werden den Weltspartag jedoch überleben.

Denn während der Weltspartag für Banken und Sparkassen noch vor 20 Jahren Großkampftag war, an dem Hunderte Kinder mit ihrem Ersparten die Kassenräume stürmten und das Geld mit stolz geschwellter Brust auf dem Sparbuch einzahlten, bleibt es heutzutage eher ruhig. „Früher war der Weltspartag ja ein richtiges Event. Inzwischen ist er für uns ein ganz normaler Arbeitstag”, sagt Andreas Clemens, Filialleiter der Deutschen Bank in Stolberg.

Ist das Thema Sparen im Jahr 2011 etwa nicht mehr „in”? „Natürlich ist das Sparen noch immer zeitgemäß”, sagt Clemens. Und auch Sascha Schaffrath denkt so. Nicht nur, weil er der Direktor der Hauptfiliale der Stolberger Sparkasse ist. Sondern, „weil wir uns alle irgendwann einmal etwas leisten möchten. Dann ist es hilfreich, wenn man etwas Geld zurückgelegt hat.”

Die Idee zum Weltspartag, erklärt der Sparkassendirektor, wurde nach dem Ersten Weltkrieg geboren, als das Geld nichts mehr Wert war. Den Bürgern sollte klargemacht werden, dass gespartes Geld zu einem höheren Lebensstandard beitragen kann. Inflation, das ist etwas, wovor sich die Menschen auch heutzutage noch fürchten.

„In Anbetracht der Krisen der Banken und des Euro könnte man sich ja überlegen, das Geld lieber zu verprassen als es zu sparen”, sagt Sparkassenkunde Gerhard Menke (Name von der Redaktion geändert) mit einem Grinsen, während er am Automaten des Geldinstitutes eine Tüte voller Silbermünzen zählen und auf seinem Konto gutschreiben lässt. „Aber man fühlt sich doch sicherer, wenn man etwas auf der hohen Kante hat”, lenkt der 54-Jährige ein.

Und auch Martina M. und ihr Sohn Luca sind echte Sparfüchse. „Auch wenn Luca erst fünf ist, ist es wichtig, dass er lernt, mit Geld umzugehen. Deshalb werden wir am Weltspartag auch bei unserer Bank sein Erspartes zählen lassen und einzahlen”, sagt die Mutter. So wie Martina M. denken die meisten Eltern, auch wenn sie zu den wenigen gehört, die noch den Weltspartag nutzen.

„Eltern legen auch heute noch Wert darauf, dass der Nachwuchs lernt, mit Geld umzugehen. Allerdings fixiert sich nicht mehr alles auf den Weltspartag im Oktober”, heißt es aus der Commerzbank-Filiale in Stolberg. Das kann Sparkassen-Direktor Schaffrath nur unterstreichen: „Die Kinder zahlen inzwischen das Taschengeld über das Jahr verteilt ein.”

Und es gibt inzwischen ja auch Geldeinzahlungsautomaten, in die die Kinder den Inhalt ihrer Sparbüchse schütten können und die dann ganz automatisch zählen. Das fasziniert die Kids, die dann regelmäßig die Spardose leeren. Besonders wichtig sei es, jungen Menschen den richtigen Umgang mit Geld zu vermitteln, betont Hans-Josef Keulen von der VR-Bank. „Deshalb begleiten wir im Rahmen unseres Jugendmarktkonzeptes Kinder von der Geburt an.”

Dass das Thema Sparen nicht für alle zu den angesagten gehört, beweist Mark C. (21): „Ich finde sparen total spießig. Warum soll ich monate- oder vielleicht sogar jahrelang sparen, wenn ich viele Dinge doch auch finanzieren kann?”, sagt er und zeigt sein neues Auto, das er über mehrere Jahre in Raten bezahlt. Ob das I-Phone, der schicke Flachbildfernseher oder die Traumreise, die im Schaufenster des Reisebüros in leuchtenden Farben angepriesen wird - fast alles kann man heutzutage „auf Pump” kaufen.

Dass Ratenkäufe bei vielen Menschen derzeit „en vogue” sind, hat auch der Sparkassendirektor festgestellt. „Letztlich ist das ja auch nicht soviel anders als das klassische Sparen. Aber eben andersherum - und mit dem Unterschied, dass man teure Zinsen zahlt und sie nicht von der Sparkasse gutgeschrieben bekommt”, sagt er. Ratenkäufe sollten deshalb überschaubar bleiben - man müsse stets Vernunft walten lassen.

Und auch wenn es manchmal nicht einfach ist, das Geld nicht direkt auszugeben, betont Schaffrath: „Auch das Sparen hat seinen hat Reiz. Die Wünsche werden mit den Alter größer. Mit 18 Jahren ist es das Auto, mit 25 die Hochzeit, mit 35 die Immobilie, wofür wir Geld brauchen. Und alles lässt sich dann eben doch nicht finanzieren oder in Raten bezahlen”, weiß Schaffrath aus Erfahrung. „Mit einem Überschuss und Sparguthaben lässt sich das Leben sorgenfreier und einfacher gestalten. Vor diesem Hintergrund hat Sparen nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert”, sagt Hans-Josef Keulen. Dem lässt sich wohl kaum widersprechen.

Schweine für die Mäuse gibts in der Sparkasse

In der Hauptfiliale der Sparkasse erhalten Kinder heute ein Sparschwein, das sie daheim bemalen dürfen. Die drei schönsten Werke werden mit einem 15 Euro Spargutschein prämiert.

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