Sanierung des Stadions Glashütter Weiher: Ein Drittel Dach über dem Eingang?

Sanierung des Stadions Glashütter Weiher : Ein Drittel Dach über dem Eingang?

Über die Veränderungen des Wetters hat im Bauausschuss keiner gesprochen. Experten versprechen weitere lokale Extreme: kräftige Regengüsse ebenso wie heiße Tage. Könnte es also Sinn machen, die Tribüne im Stadion Glashütter Weiher zu überdachen?

Auch zu dieser Frage fällt kein Wort im Ausschuss. Weiteren internen Beratungsbedarf melden die Fraktionen an. Denn das, was sie sich vermutlich vorstellen, ist mit dem Geld, das sie bislang bereit sind auszugeben, kaum zu haben. Selbst für 150 Quadratmeter Dach, das lediglich einem Drittel der Tribüne Schutz bieten würde, reichen die Mittel kaum.

150.000 Euro hat sich die große Koalition in ihren Haushalt für das Projekt Tribünendach geschrieben. Hinzu kommen 60.000 Euro für eine Sanierung der Betonsitzstufen und weitere 60.000 Euro für eine Erneuerung der Holzvertäfelung im oberen Tribünenbereich. Die Mittel sind wohl eher politische denn sachliche Ansetzungen, wie erste vorsichtige Skizzen und Kalkulationen des Hochbauamtes offenbaren.

Ein Vergleich: Gut 1,5 Millionen Euro investiert die Stadt derzeit in Leichtathletikanlagen und Rasenfeld. Wurfanlagen für Speer, Hammer, Diskus und Kugelstoßen, Hoch- und Weitspringen sowie Basket- und Volleyballfelder, sechs Laufbahnen zu 400 Meter, eine Hindernisbahn mit Wassergraben sowie acht Sprintstrecken, eine nagelneue Flutlichtanlage, Tartanbeläge, alles maßgerecht und regelkonform – kurz alles, was des Leichtathleten Herz begehrt auf hohem sportlichem Niveau.

Der neu eingesäte Rasen gedeiht, die nagelneuen Leichtathletikanlagen sind fast fertig. Nun überlegt der Rat, das mittige Drittel der Tribüne des Stadions Glashütter Weihers zu überdachen. Foto: Jürgen Lange

„Es wird ein kleines Schmuckstück“

1976 als Vorzeigeanlage eingeweiht, dann vernachlässigt und heruntergekommen, wird das Stadion Glashütter Weiher auf zeitgemäßen Standard katapultiert. Es soll Schul- und Breitensport beflügeln und wird als Wettkampfanlage einen Spitzenplatz in der gesamten Region einnehmen können.

„Es wird ein kleines Schmuckstück“, freuten sich neulich noch die beiden Beigeordneten Tobias Röhm und Robert Voigtsberger. Von „schmuck“ kann Bernd Rothardt allenfalls träumen. Möglichst kostensparend, sachlich, schlicht und funktional müssen die Entwürfe des Architekten im Hochbauamt für ein Drittel eines richtigen Tribünendachs aus.

Mit der Ästhetik und dem Flair eines Münchener Olympiadachs anno 1972 oder heutiger Arenen à la Allianz, Commerzbank oder Veltins haben die Skizzen nicht viel gemein.

Aus Budgetgründen hat Rothardt nur die Wahl dickere oder dünnere Stahlträger zu variieren, die aus Lärmschutzgründen eine stählerne Thermodachhaut tragen. Dabei muss der Architekt davon ausgehen, dass dort, wo die Stahlträger durch die Betonstufen hindurch im Boden ihr Fundament finden sollen, die Fertigteilelemente der Tribünenanlage erneuert werden, die Eingriffe in vorhandene Strukturen möglichst gering ausfallen müssen und die Entwässerung an vorhandene Systeme angeschlossen werden muss. Und vor allem muss das Dach erweiterbar sein.

Bernd Rothardt erweist sich als Meister der Ingenieurskunst, spielt unterschiedliche Variationen durch, probiert und berechnet frei tragende Dachkonstruktionen nach dem Typus eines umgekippten „L“ mit unterschiedlichen Varianten und Standorten von Stützpfeilern. Werden bei dem einen Entwurf bei freier Sicht auf das sportliche Geschehen extrem massive Fundemente benötigt, geht’s zwar einfacher mit unterschiedlich positionierten Stützpfeilern, aber einige Tribünengäste werden dann immer einen Balken vor Augen haben. Beispiele:

Untersuchte Varianten

  • Variante I: Das schwebende „L“ bräuchte für jeden der vier 54 Zentimeter messenden Pfeiler 16 Kubikmeter Fundament, einen massiven Eingriff in die Gebäudesubstanz und verursacht einen zu hohen Aufwand weit jenseits des angedachten Budgets. „Unter architektonischen Gesichtspunkten sieht das untersuchte und geprüfte Tragsystem nicht ansprechend aus“, folgert Rothardt.
  • Variante Ia: Setzt man vier tragende, schmalere Pfeiler ins vordere Tribünendrittel und stützt das Dach hinten ab, reichen schon zwei Kubikmeter für jedes Fundamant. „Architektonisch ansprechend, eine filigrane und statisch saubere Lösung“, sagt Rothardt, auch wenn die vorderen Stützen das Sichtfeld der Zuschauer beeinträchtigen. Vor allem aber würde dieses TribünenDrittel nur knapp über dem Budget liegen.
  • Variante Ib: Eine vergleichbare Konstruktion mit ins hintere Teil der Sitzreihen versetzten, etwas mächtigeren Stützen bietet weniger Beeinträchtigungen und wird als „wirtschaftliche und ansprechende Systemlösung“ bewertet, wird aber erst ab 225.000 Euro zu haben sein.
  • Variante IIa: Eine frei schwebende T-Konstruktion mit dickeren Säulen im hinteren Drittel erfordert bereits wieder jeweils sechs Kubikmeter Fundament, ist schwierig lösbar, gefällt Rothardt architektonisch weniger und wäre vor allem deutlich zu teuer.
  • Variante IIb: Sie kombiniert die T-Konstruktion mit hinteren Stützen ähnlich der Variante Ib. Wobei die Position der Fundamente und Stützen untereinander größer ist, damit sich in Summe eine größere Dachfläche von knapp 182 Quadratmeter ergibt. Die Stützen beeinträchtigen das Sichtfeld der Zuschauer geringer. Die Fundamente benötigen 4,3 Kubikmeter. Die Kosten werden mit 289.800 Euro angeben.
  • Ein Neues Tribünendach inklusive neuer Tribünenanlage gemäß Variante IIa über die komplette Länge wird mit 645.500 Euro kalkuliert.

Kein Wunder, dass sich angesichts der Varianten, ihrer Kosten und der Optik der Drittel-Lösungen ein Grund für weiteren Beratungsbedarf in den Ratsfraktionen erklären lässt, die die Ziffern 150.000 Euro als Budget zu Papier gebracht hatten. Denn für alle Varianten gilt: Die möglichen Kosten für eventuell noch zu planende Elektro- und Kommunikationstechnik sowie Bestuhlung und notwendige Sicherheitsmaßnahmen sind noch nicht berücksichtigt und geplant.