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Zehn Jahre Vichter Nachmittage: Ein besonderes Stück Dorfleben

Zehn Jahre Vichter Nachmittage : Ein besonderes Stück Dorfleben

Ein Stück Vichter Dorfleben feiert Jubiläum: Die ehrenamtlichen Organisatoren boten ihren Gästen auch beim 75. Vichter Nachmittag wieder ein abwechslungsreiches Programm.

Ein einziges Mal konnte Rudi Dreuw seiner Herzensaufgabe nicht nachkommen, verkündet er fast schon entschuldigend beim Jubiläum. An allen anderen 74 Vichter Nachmittagen, die in den vergangenen zehn Jahren stattfanden, war er selbstverständlich mit seinen Ehrenamtlern vor Ort im Vichter Pfarrheim und kümmerte sich darum, dass die Gäste stets abwechslungsreiche Stunden erlebten.

Auch am vergangenen Mittwoch war das zum Jubiläum nicht anders. Mit zahlreichen Bildern der vergangenen Nachmittage war das Pfarrheim dekoriert und einmal mehr wieder spannende Gäste eingeladen. Helga Nellessen trug Gedichte aus dem Dorf auf Veeter Platt und auf Hochdeutsch vor, und auch Dauergast Margot Holly war mit ihren Vorträgen wieder mit dabei.

Für den pensionierten Lehrer Dreuw, der zahlreiche Aufgaben im Vichter Dorfleben wahrnimmt, ist die Arbeit mit seinem Team auch ein Zeichen der Zuverlässigkeit für die Senioren. Oft sind es über 80 Gäste, die bei Kaffee und Kuchen ins Pfarrheim kommen. Zwar waren es am Mittwoch, auch bedingt durch die Angst vor dem Coronavirus, deutlich weniger, doch das sollte die Stimmung nie trüben, erklärt der 77-Jährige.

Stets denkt er sich mit seinen Helfern neue Ideen aus, und so wurden gemeinsame Fahrten zum Aachener Dom, in Museen oder über den Rursee unternommen. Das Zusammensein an Karneval und Weihnachten ist da ebenso selbstverständlich. „Wir kennen uns fast alle”, erklärt Dreuw, während um ihn herum erzählt und gelacht wird. Aus einem Bauchgefühl heraus rief er die Nachmittage ins Leben. „Mir selber ist das als dringend aufgefallen”, erinnert sich der Ehrenamtspreisträger.

Die Reaktionen waren überwältigend, immer mehr Helfer und Gäste schlossen sich an. Der Vorsitzende im Vichter Pfarreirat hatte natürlich auch die richtigen Kontakte, um bekannte Gäste wie den Heimatdichter Franz-Willi Hirtz ins Pfarrheim zu locken. Vertrauen und Geselligkeit sind die Säulen, auf denen er die Vichter Nachmittage aufbaute, die natürlich Jedermann offenstehen. Auch Zugezogene sollen so eine Möglichkeit bekommen, ohne Hindernisse am Leben in Vicht teilzuhaben.

Und während Dreuw moderiert und sein Team sich um Kuchen und Getränke kümmert, bleibt kurz Zeit mit den Gästen zu sprechen – ein Stimmungsbild wird dabei schnell deutlich.

„Wir kriegen immer schöne Nachmittage und Vorträge, feiern jedes Fest zusammen, und es ist einfach ein schöner Kreis. Man kann hier an jeden Tisch”, bringt es Marga Schnütz auf den Punkt. Dreuw moderiert Helga Nellessen gekonnt an, und in solchen Momenten blitzt seine Vergangenheit als Lehrer und seine Leidenschaft für Vicht unverkennbar durch. Mit einem kurzen, launigen Spruch sorgt er schnell für die nötige Ruhe und lauscht bedachtsam den Gedichten über die Heimat und den schnöden Alltag.

Die Dankbarkeit, die alle Gäste gegenüber dem ehrenamtlichem Team entgegenbringen, bringt Margot Holly auf den Punkt: „Das ist so wichtig für das Dorfleben. Der Rudi macht ja alles, und alle Helfer machen das gern. Was er für uns in Vicht macht, das ist einmalig.”

So bleibt nach dem kurzen Gespräch die Frage offen, welche Themen und Ausflüge denn als nächstes in Angriff genommen werden, denn auch in den Pausen hält es Dreuw nur kurz an seinem Platz. Die Gäste, darunter Pfarrer Norbert Bolz, können derweil den Nachmittag genießen, denn sie wissen, dass es gewiss nicht der letzte gewesen ist.