Aachen/Stolberg: Eigene Nichte auf Parkplatz missbraucht? Ertappter wirkte teilnahmslos

Aachen/Stolberg : Eigene Nichte auf Parkplatz missbraucht? Ertappter wirkte teilnahmslos

Lorenz S. aus Stolberg, der derzeit wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs seiner beiden seinerzeit sieben und acht Jahre alten Nichten vor dem Aachener Landgericht angeklagt ist, sei nach seinem Aufgriff auf einem Parkplatz in der Innenstadt „merkwürdig unbeteiligt“ gewesen. Das berichtete der Einsatzleiter der Polizei am Mittwoch vor der 5. Großen Strafkammer.

Zwei Zeugen, die an jenem 25. November 2017 ihren Wagen auf dem Parkplatz abgestellt hatten, waren aufmerksam geworden, als sie in dem nahen Wäldchen aus der Ferne die Silhouetten des erwachsenen Mannes und des kleinen Mädchens in einer auffälligen Haltung sahen. Einer der beiden näherte sich unbemerkt dem ungleichen Paar und fand seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

„Ich wollte das erst gar nicht glauben“, sagte der 27-jährige Zeuge am Mittwoch vor Richter Florian Handke, dem Vorsitzenden der 5. Große Strafkammer. Er habe sich dann weiter genähert. Aus „zehn bis 15 Metern“ habe er gesehen, wie der Täter das kleine Mädchen unter der Kleidung anfasste. Er habe sofort begriffen, was da stattfand und seinen Freund vom Parkplatz hinzugeholt. Beide unterbanden abrupt die Handlungen.

Sie hätten Lorenz S. festgehalten und die Polizei gerufen. Der mutmaßliche Täter hätte noch versucht, die beiden zu beeinflussen - das könne man „doch ohne Polizei“ regeln. Sie aber seien nicht darauf eingegangen und hätten die Nummer des Notrufs gewählt.

Auch der zweite Zeuge berichtete am Mittwoch der Kammer, dass er genau beobachtet habe, dass es sich eindeutig um sexuelle Handlungen des Erwachsenen an dem Kind gehandelt habe. Auch dieser Zeuge berichtete, der Mann sei gewissermaßen lethargisch gewesen, nachdem er aufgeflogen sei.

Die beiden Freunde hatten den Mann und das Kind bereits vor der Tat über den Parkplatz gehen sehen. Da habe das Mädchen noch Inline-Skates an den Füßen gehabt. „Sie machten auf mich den Eindruck von Vater und Kind, die einfach nur spazieren gehen“, wunderte sich der Zeuge rückblickend noch über die Dreistigkeit des Mannes. Der sei ganz nahe an ihnen vorbei gegangen. „Das sah ganz normal aus, deswegen machten wir uns zunächst auch überhaupt keine Gedanken“, erinnerte sich der Zeuge.

Der Einsatzleiter der Polizei schilderte schließlich, wie er zuerst das kleine Mädchen befragt habe. Sie sei ganz ruhig gewesen und habe zuerst gar nichts sagen wollen. Dann aber sei sie „aufgetaut“.

Das in dem Wäldchen missbrauchte Kind ist das ältere der beiden Mädchen, an denen Lorenz S. sich vergangen haben soll. Sie hat bereits vor der Kammer ausgesagt, die jüngere schwieg bislang zu den Ereignissen.

Lorenz S. wohnte seit einige Monaten bei der Familie seiner Schwester und deren Ehemann in Stolberg. Der Angeklagte hat sich im Prozess nur zu seinen persönlichen Daten geäußert, zur Aufklärung der Tatvorwürfe trug er bisher nichts bei.

Der nächste Verhandlungstag ist der 13. Juli. Dann sollen vor allem Gutachten gehört werden.