Porträt Dr. Ing. Franz Willems: Durch sein Wirken sehr viel in der Stadt erreicht

Porträt Dr. Ing. Franz Willems : Durch sein Wirken sehr viel in der Stadt erreicht

Wohl kaum ein anderer hat so viel für die Erforschung und Darstellung der Stolberger Geschichte geleistet wie Dr. Ing. Franz Willems (1902 bis 1967).

Er gab als Heimatforscher wie als Anreger und Organisator historischer Arbeit den bisher mehr sporadischen und oberflächlichen Ansätzen einer Stolberger Geschichtsschreibung eine solide fachwissenschaftliche Grundlage. Womöglich soll nun eine Straße in Stolberg nach ihm benannt werden.

Neben der großen Leidenschaft für die Stadt war der am 4. Juni 1902 in Aachen geborene Gymnasiallehrer und Oberstudienrat auch der Kulturszene in Stolberg bis 1965 verhaftet. 1934 leitete Franz Willems bereits die Mädchen-Mittelschule in Stolberg, die zwei Jahre später zur Oberschule erweitert wurde. Von 76 Schülerinnen stieg die Zahl in kürzester Zeit auf 176. 1939 wurde er eingezogen und leistete Kriegsdienst als Pionieroffizier, zuletzt als Major im Generalstab und wurde mit den Eisernen Kreuzen I und II ausgezeichnet.

Nach dem Krieg nahm er seine Tätigkeit im Schuldienst im Goethe-Gymnasium auf und gehörte zu den wenigen der sogleich von der Militärregierung zugelassenen Studienräten. Eine Entnazifizierung gab es bei ihm nicht, da er kein Nazi war. Vier Jahre später wurde er Leiter der im Aufbau befindlichen Volkshochschule. Der beliebteste Kurs war „Heimatkunde als Gegenwartskunde“ mit organisierten Reisen in die Region und in das benachbarte Ausland.

Als Initiator von Kulturveranstaltungen lud er namhafte Autoren und Dichter zu Dichterlesungen ein, organisierte Aufführungen von Kammer- und Sinfoniekonzerten und gestaltete und betreute über viele Jahre das Kulturprogramm der Stadt. Bald wurde er auch Leiter der Stadtbücherei und des Stadtarchivs. 1950 gründete er den Burgverein zum Wiederaufbau der identitätsstiftenden Stolberger Burg und ließ durch seine Schüler Bausteine zu 10, 20 und 50 Pfennig mit Ansichten der Burg aus verschiedenen Jahrhunderten verkaufen, deren Erlös für die Restaurierung der Burg diente.

Weitere Gelder kamen aus dem Verkauf von Siegelmarken zu 10 Pfennig als Briefverschlüsse. Keiner störte sich damals daran, dass seine Schüler für diese gute Sache unterwegs waren. 1956 feierte Stolberg seinen 800. Geburtstag. Wieder war Franz Willems die Triebfeder für das einwöchige Programm mit historischem Festzug. Er gründete die Buchreihe „Stolberger Burgherren“, schrieb Beiträge zur Stolberger Geschichte und Heimatkunde (insgesamt 12 Bände und 13 Veröffentlichungen) und machte sich als Erforscher und Übersetzer der alten Urkunden verdient. Für den Stolberger Heimat- und Geschichtsverein hat Willems Vorbildfunktion. Denn er nahm die mühevolle Arbeit des Dechiffrierens alter Schriften auf sich, an die sich keiner wagte. Aus der Zeit 1118 bis 1364 entschlüsselte er 125 Urkunden und von 1445 bis 1471 übertrug er 165 Urkunden in einen verständlichen Text.

Das 75-jährige Jubiläum des Stolberger Wasserwerks war der Anlass für die umfangreiche Arbeit „Wasser im Stolberger Tal“. Die weitverzweigte Genealogie der Familie Prym zu erforschen und im Zusammenhang darzustellen, sollte seine letzte Arbeit werden, jedoch erlebte er das Erscheinen des Buches nicht mehr. Bei allen, die ihn kannten, blieb er als Mensch unvergessen. In seiner stets fröhlichen und aufgeschlossenen, umgänglichen und toleranten Wesensart gewann er viele Freunde. Er war ein geborener, verständnisvoller Lehrer, der vielen Schülern als väterlicher Freund auch über die Schulzeit hinaus verbunden blieb - bei großen und kleinen Schülern als der „Beätes“ geachtet und geliebt.

Verheiratet war er mit Barbara Dewies, die ihn dreißig Jahre überlebte. Aus der Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn, der noch als einziger der Familie lebt, hervor. Seine Vita zeige, so der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein, dass auch dieser Mann eine öffentliche Ehrung in Stolberg verdient habe. Ob eine Straße nach ihm benannt wird oder eine Ehrentafel einen Platz in Stolberg ziert, das hätten jetzt Bürgermeister Patrick Haas und der Rat zu entscheiden.

(mlo)
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