Stolberg-Atsch: Drama am Münsterbach: Zirkuskinder retten zwei kleine Jungen

Stolberg-Atsch : Drama am Münsterbach: Zirkuskinder retten zwei kleine Jungen

Sie ist noch ganz außer Atem, wenn sie ihre Geschichte vom vergangenen Sonntag erzählt. So, als wäre sie gerade erst vom Münsterbach zurückgerannt, die durchnässten Körper zweier Kinder in dicke Decken packend, ihre eiskalten, bleichen Gesichter in den Händen.

„So ein Erlebnis sitzt einem in den Knochen”, sagt Beatrix Schongen. „Da brauche ich noch ein paar Tage, bis ich das verdaut habe.”

Rückblick: Die Stadtverordnete aus Alsdorf wuselt mit einem Haufen junger Leute unter der Zirkuskuppel im Stadtteil Atsch herum. Schongen, die sich im Verein Kind e.V. engagiert, kümmert sich auch seit Jahren um die Leute des Zirkus Amany und Zirkus Benito.

Es gibt viel zu tun an diesem Sonntag für Schongen und ihre Mitstreiter: Die Märchenmanege soll pünktlich zur Weihnachtszeit in vollem Glanz erstrahlen. Hier muss noch ein Scheinwerfer justiert, dort ein Kabel verlegt, nebenbei das Stück geprobt und Kostüme angepasst werden.

Schongen hat ihre Hände und Augen überall, „ich habe erst gar nicht richtig verstanden, was da plötzlich draußen für ein Tumult los war”. Auf der Wiese vor dem Zelt stehend, verstand sie plötzlich: „Da ertrinken Kinder”, riefen junge Zirkusleute aufgebracht.

Nicht untätig geblieben, hatten sie bereits nach Seilen Ausschau gehalten, hinab zum Münsterbach eine lange Kette gebildet, weitere Erwachsene verständigt. „Alles ging so schnell, in Sekunden musste gehandelt werden”, berichtet Schongen. Die Frau rennt hinunter zum Wasser, rund 300 Meter sind es vom Zelt aus, versucht im Laufschritt, noch den Rettungsdienst zu erreichen.

Dann sieht sie einen jungen Mann vom Zirkus, Pascal Haak, der bis zum Hals im Wasser steht, und der versucht, die beiden Jungen zu retten. Verzweifelt klammern sich die Kinder an einen Ast, kämpfen im eiskalten Wasser gegen die Strömung an.

„Ich bin einfach nur gelaufen und ohne darüber nachzudenken ins Wasser gesprungen”, erzählt Haak später. „Und unsere Kinder haben mir geholfen, indem sie lautstark Alarm geschlagen haben.” Die beiden Jungen sind am Ende ihrer Kräfte, als Haak sie aus dem Wasser zieht. „Das war Rettung in letzter Sekunde, bestätigte uns nachher der Notarzt”, sagt Schongen.

Die Ruhe nach dem Sturm: Eingemummelt in dicke Decken liegen die Kinder in einem der Zirkuswagen, ihre Eltern sind bereits vor Ort, der Rettungsdienst hat Entwarnung gegeben, will die beiden jedoch kurz zur Nachuntersuchung mit ins Krankenhaus nehmen. „Wir haben uns alle weinend in den Armen gelegen”, sagt Schongen und fügt am Ende der Erzählung schon etwas ruhiger hinzu: „Ohne den klaren Kopf und das schnelle Handeln der Zirkuskinder wären die beiden Jungs verloren gewesen.”

In genau einem Jahr wolle man sich wiedersehen - Eltern, Kinder und Retter - und anstoßen, dass alles so gut ausgegangen ist. Zunächst aber stehen erst mal die Vorstellungen zur Märchenmanege in der Atsch an, ab dem 25. Dezember immer um 15.30 Uhr.