Dioxin an Inde: Hälfte aller Proben „auffällig“

Dioxinfund an Indeufer : Die Hälfte aller Proben an der Inde ist „auffällig“

Die neuerlichen Dioxinfunde an der Inde zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Die Ämter halten sich mit konkreten Informationen jedoch zurück. Man müsse jetzt „genauer hinschauen“, heißt es. Umweltverbände wollen nicht vorschnell urteilen.

Erneut ist Dioxin an der Inde gefunden worden. Nach den erhöhten Werten im Kreis Düren sind nun auch Stellen auf Stolberger und Eschweiler Gebiet positiv getestet worden. Welche das genau sind, geben weder die Städteregion noch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) preis. Weitere Proben sollen nun folgen.

Insgesamt die Hälfte aller Proben hat die vom Land festgelegten Werte überschritten, wie Barbara van Rey, Pressesprecherin der Städteregion Aachen, mitteilt: „Bei 20 der insgesamt 40 Proben ist der sogenannte Prüfwert für Dioxine auffällig.“ Das bedeutet laut van Rey, dass dort genauer hingeschaut werden müsse. Sie bestätigt, dass weitere Proben in alten und neuen Überschwemmungsregionen genommen werden. „Wir wollen ein besseres Bild bekommen und müssen dafür auf Spurensuche gehen“, erklärt van Rey. Dafür werde momentan ein Konzept erarbeitet, durch das genauere Daten ermittelt werden sollen.

Wo genau die Proben genommen wurden und noch genommen werden, bleibt für den Bürger aber unsicher – konkrete Flächen werden nicht genannt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir hier die weiteren Ergebnisse und Bewertungen abwarten wollen.“ Nur so viel ist klar: „Es wurden Proben an der Inde, der Vicht und am Omerbach entnommen und zwar an 14 Stellen innerhalb und sechs außerhalb des Überschwemmungsbereiches.“ Dabei liege jeweils die Hälfte auf Stolberger und auf Eschweiler Gebiet.

„Ergebnisse nicht eindeutig“

Im Kreis Düren habe man damals überall ähnliche Ergebnisse erzielt, „hier in der Städteregion ist das anders“, erklärt van Rey. Deshalb könne sie auch noch nicht genau sagen, woher das Dioxin stamme, denn es könne verschiedene Quellen haben. „Die Ergebnisse waren nicht konsistent und nicht eindeutig“, gibt sie zu bedenken. Deshalb könne nicht wie im Kreis Düren davon ausgegangen werden, dass die Belastung durch eine Überschwemmung hervorgerufen wurde. Van Rey dazu: „Nicht alle Gebiete, die in der Städteregion überschwemmt wurden, sind nach aktuellem Stand auch von Dioxin betroffen.“ Auch auf den Verursacher könnten momentan noch keine Rückschlüsse gezogen werden.

Landwirtschaftliche Betriebe seien nach aktuellem Ermittlungsstand der Städteregion nicht betroffen, demnach auch keine Weideflächen. In einem Industrieland wie NRW könne man im Übrigen davon ausgehen, dass man an vielen Stellen Dioxin im Boden finde. „Das ist erst einmal nicht ungewöhnlich“, meint van Rey.

Am Dienstag hat es zur Beratung des weiteren Vorgehens ein Abstimmungsgespräch beim Lanuv in Düsseldorf gegeben, an dem alle beteiligten Ämter der Städteregion Aachen, des Kreises Düren und der Stadt Aachen teilnahmen. Dort sollte „die genaue Beurteilung der bisherigen Befunde, die weitere Vorgehensweise und konkret die nächste Untersuchungsphase besprochen werden“, wie van Rey mitteilt. Auch ob bebaute Flächen oder Kinderspielplätze untersucht werden, wird dann entschieden.

Das Lanuv selbst verweist lediglich darauf, dass es nur Auftragnehmer der Städteregion ist und demnach keine genauen Angaben zu Untersuchungen oder Ergebnissen machen kann. Aber: „Es macht Sinn, das komplett aufzuklären“, sagt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des Lanuv.

Die Kosten, die sich bisher auf 28.000 Euro belaufen, trägt zurzeit die Städteregion Aachen über das Altlastenuntersuchungsprogramm. Für die geplante groß angelegte Untersuchung mit weiteren 60 Probeentnahmestellen werde man Landesmittel beantragen. Im Falle der Bewilligung würde das Land 80 Prozent und die Städteregion 20 Prozent der Kosten übernehmen.

Nabu und BUND wollen genaue Werte abwarten

Die Umweltverbände wollen nicht vorschnell urteilen. Reiner Leusch, aktiv im Nabu und BUND in Eschweiler ist trotzdem nicht wirklich überrascht über die Funde: „Dass unsere Region belastet ist, war eigentlich klar.“ Doch was genau man dagegen machen kann, dafür hat Leusch auch noch kein Geheimrezept gefunden. Klar ist für ihn aber: „Es ist eine Frage der Konzentration, die wirklich gefunden wurde, da möchten wir die genauen Werte abwarten.“ Die wichtigste Frage ist für den BUND, ob die Dioxinbelastung auch im Siedlungsbereich auftritt, denn da sei auch die Nähe zu Kinderspielplätzen schnell gegeben. Aber Leusch weist erneut darauf hin, dass „ich nicht spekulieren, sondern erst einmal die genaue Datenlage abwarten möchte“, dann könne man das weitere Vorgehen im BUND besprechen.

Eike Lange, Vorsitzender des Nabu Aachen-Land, fordert ebenfalls weitere Aufklärung: „Es sollten auf alle Fälle in regelmäßigen Abständen Messungen durchgeführt werden.“ So solle auch geklärt werden, wie alt die Belastung ist, denn das könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Auch Gebiete, die vor Jahren oder Jahrzehnten das letzte Mal überschwemmt wurden, sollten Teil der Untersuchungen sein. Es sei sehr traurig, dass das Dioxin in die Inde gelangen konnte.

Konkrete Gefahr besteht zurzeit laut Lange allerdings nicht: „Wir sollten nicht zur Panikmache aufrufen, auch Spekulationen stellen wir vom Nabu nicht an.“ Man habe vorläufig keine Pläne, etwas zu unternehmen, da die weiteren Untersuchungen schon in die Wege geleitet sind. Lange schlägt jedoch noch vor, diese auch auf umliegende Gewässer wie die Wurm auszuweiten.

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