Stolberg: Diese Premiere wird zur neuen Tradition

Stolberg: Diese Premiere wird zur neuen Tradition

Wenn in der Kupferstadt alles auf den Kopf gestellt wird, dann kann das nur von Erfolg gekrönt sein. Erst recht, wenn es um Traditionen geht. Eine neue wird bei ihrer Premiere am Fettdonnerstag geboren.

Der Sturm der Narren erfolgt nicht mehr auf das, sondern ab dem Rathaus „de Veet erop”. Der Bürgermeister verteidigt nicht mehr den Verwaltungssitz, sondern wird auf seiner jecken Flucht vor den katastrophalen finanziellen Verhältnissen auf dem Alter Markt - rechtzeitig bevor er die schützende Burg erreicht - gestellt.

Und zu all dem lacht die Sonne den zahlreichen jecken Stolbergern, die gleich die einmalige Atmosphäre und das Flair der Lokalität zu schätzen wissen. Damit ist der Auftakt der heißen Phase der fünften Jahreszeit dort angekommen, wo sie einst wohl auch geboren wurde: im Herzen der Kupferstadt auf dem Alter Markt.

Ein herrliches Bild bietet der Platz mit dem Ausblick auf die Lucia-Kirche und dem Wahrzeichen der Stadt. Noch ist es nur eine Handvoll Karnevalisten, die um 11.11 Uhr den närrischen Startschuss mit den „Pantoffelhelden” erleben. Aber immerhin hat bereits eine Traditionsgesellschaft den Platz fest im Griff: Die KG „enne Alleen” zeigt mit all ihren Formationen in der Personalunion von Heinz Hartmann, wo das Herz des volkstümlichen Karnevalisten schlägt.

Zusehends füllt sich das neue Feier-Terrain. Als am frühen Nachmittag die „Karamba Männcher” zur Schlüsselübergabe einläuten, ist der Markt gefüllt und bietet eine fantastische Kulisse für den Einzug der uniformierten Gesellschaften, die im Komitee Stolberger Karneval zusammengeschlossen sind.

Darüber hinaus entwickelt die Kupferstadt zusehends eine Anziehungskraft auf die selbstbewussten Ortsteile. Zweifalls Tollitäten-Familie KurtI. mit Prinzessin Alina und Kinderprinz Moritz sind ebenso mit von der Partie wie das Vichter Zweigestirn mit Jungfrau Jobine (Jörn Birken) und Bauer Harry (Severens). Aber auch die kleinen Tollitäten haben hier in der Altstadt ihren großen Auftritt. ErikI. (Röntgen) von der Mölle, CarinaI. (Reitze) von den Atschinesen, Gina-MariaI. (Kujawski) von den Wenkbülle, JonasI. (Crombach) von den Bareschessern, AndreasI. (Schmidt) aus Werth und FlorianI. (Claßen) von der Ersten Großen.

Prinz kommt hoch zu Ross

Doch als strahlender Held Karneval überragt einer alle: Prinz TorstenI. (Graf) erscheint hoch zu Ross auf dem Alter Markt. Auf einem Fuchs reitet Stolbergs 75. Narrenherrscher zur Schlüsselübergabe - gefolgt von seinem Hofstaat stilecht im Planwagen. Ganz getreu seinem Motto „Tradition und neuer Schwung”. Da verspricht die Narretei Zukunft für Stolberg. Was letztlich auch Komiteepräsident Josef Behlau und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler in ihrem traditionellen Wortgeplänkel über die Langsamkeit des Seins und die Leere des Stadtsäckels eingestehen müssen.

Obwohl nur die Narrenhand der Kupferstadt Zukunft verspricht, klammert sich der Bürgermeister noch einmal heftig an die Stadtschlüssel, versucht Tollität mit einem Fußballschuh (die zweite Hälfte des Paars würde bei ausreichender Finanzlage und erneuter Prinzregentschaft im kommenden Jahr folgen) zu besänftigen. Vergebens: Mit der Hilfe seines Hofstaates schwingt TorstenI. schnell den Stadtschlüssel über seinem Kopf - umjubelt von seinen närrischen Untertanen.

Da bleibt dem Bürgermeister nur noch die Übergabe der Printenschlüssel an die jungen Tollitäten und der Rückzug von der Bühne. Die eroberen fortan die Donnerberger Trompetenbläser, die den Jecken noch mal richtig einheizen, bevor die Stolberger Karnevalisten ihre Machtübernahme in den gut gefüllten Altstadtkneipen wie im Festzelt auf dem Kaiserplatz feiern, vor dem sich am späten Nachmittag lange Schlangen bilden.