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Stolberg: Die TV-Bilder drücken auf die Stimmung

Stolberg : Die TV-Bilder drücken auf die Stimmung

Ruhig und friedlich haben die Stolberger in der Silvesternacht gefeiert. Fröhlich wurde in den Kneipen das neue Jahr begrüßt, gegen Mitternacht lag sich wie immer alles in den Armen.

Doch an den Theken und bei den Festessen war deutlich zu spüren, dass die vielen Fernsehbilder vom Elend der Menschen in Südostasien die Kupferstädter beeindruckt haben.

„Klimbim”-Wirt Dieter Nerlich brachte die Sache auf den Punkt: „So traurig das alles auch ist, man kann sich nicht ununterbrochen damit beschäftigen.” Nerlichs Stammgäste waren mit ihren Kindern gekommen, ein knappes Dutzend tobte durch die Kneipe und hatte Spaß. Und so hatte das fest auf der Mühle eindeutig einen familiären Charakter.

Wenig los in der Stadthalle

Wenig zu tun hatte Stadthallen-Pächter Mecit Turabi. Rund 30 Gäste verloren sich in der für 600 Leute festlich geschmückten Halle. „Essen und Getränke sind vorbereitet”, erzählte Turabi traurig, doch er habe wohl zu spät Werbung gemacht für die Party in der Stadthalle.

Eine türkische Band war eigens engagiert worden, doch die spielte vor leeren Sitzreihen. Mehrere Landsleute hätten angerufen, so Turabi, und mitgeteilt, sie wollten die 15 Euro Eintritt lieber für die Opfer der Flutkatastrophe spenden.

„Alles wie immer”, hieß es bei Marita Matousek. Im „The Savoy” wird es Jahr für Jahr erst ab 23 Uhr richtig voll und nach 24 Uhr, wenn die Gäste von der Burg kommen und im Savoy weiterfeiern.

„Wir knallen nicht, wir spenden”, lautete das Motto einer Seniorengruppe im „Weißen Rößl” in der Burgstraße. Dort hatten sich ebenfalls viele Stammgäste eingefunden, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen.

Ein wenig Bitterkeit

Die Senioren debattierten über die kleiner werdende Rente und Hartz IV. Ein wenig Bitterkeit schwang mit, als man sich fragte, ob auch die Politiker, die Zusatzgehälter von Volkswagen und anderen Firmen erhalten, wohl tüchtig spenden würden? Insgesamt, so die einhellige Meinung, habe man schon optimistischer in die Zukunft geschaut. Und: „Was wir seit Tagen im Fernsehen sehen, hat die Leute mitgenommen, da vergeht einem die Lust am Feiern.”

Bei „Angies” in Büsbach hatte die Wirtin volles Haus, glücklicherweise, denn von allen Einnahmen wird Angie Koch zehn Prozent spenden, so die Zusage. Überhaupt beteuerten in diesem Jahr viele, sie würden zwar feiern aber gleichzeitig auch für die spenden, die absolut keinen fröhlichen Jahreswechsel erlebten.

„Mich beeindrucken die jungen Leute”, erzählte ein Gast, der sich als Bankangestellter zu erkennen gab. Er habe zwischen Weihnachten und Silvester beobachtet, dass auffallend viele junge Leute kleine Beträge, also drei oder fünf Euro, spenden. Auch dieses Geld summiere sich, so der Gast froh.

Deutlich sauberer

Da, wo sich in vorigen Jahren die Reste des Silvesterfeuerwerks sammelten, sah es am Samstagmorgen nicht ganz so schmutzig aus wie in vorigen Jahren.

Entlang der Rathausstraße, die am Neujahrstag gewöhnlich übersät ist mit abgebrannten Knallkörpern, Raketen und ähnlichem Unrat, waren kaum Flaschen, Scherben, Plastiktüten und Papierfetzen zu sehen.