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Stolberg-Münsterbusch: Die treuesten Kunden sind um Sechs im Wasser

Stolberg-Münsterbusch : Die treuesten Kunden sind um Sechs im Wasser

Der Kampf mit dem inneren Schweinehund: Klaus-Dieter Dörpmund gewinnt ihn Morgen für Morgen. „Wenn der Wecker in der Früh klingelt, heißt es raus aus den Federn”, stellt der 65-Jährige klar.

Ob es regnet oder schneit: Der Stolberger schnappt sich seine Badetasche und macht sich auf den Weg zum Hallenbad Glashütter Weiher. Kurz nach 6 Uhr paddelt er mit Gleichgesinnten im 28 Grad warmem Wasser, dann ist das Hallenbad für die Dauer der nächsten Stunde fest in der Hand der Frühschwimmer-Truppe.

30 Bahnen à 25 Meter. Das ist sein tägliches Pensum. Er sei jetzt Rentner, aber auch zu der Zeit, als Dörpmund noch berufstätig war, ist er - so oft es nur irgendwie ging - morgens in der Schwimmhalle.

Mit zunehmendem Alter merke er besonders, wie gut ihm die regelmäßige Bewegung bekomme. „Beim Aufstehen tut es mir hier und da schon mal weh, aber alle Zipperlein verschwinden, sobald ich im Wasser bin. Ich schwimme mir so zu sagen meine Wehwehchen weg”, sagt der 65-Jährige.

Die Frühschwimmer im Glashütter Weiher sind im Laufe der Jahre zu einer eingeschworenen Gemeinschaft verschmolzen. Eine Gemeinschaft, die den Schwimmbesuch nach einem festen Ritual zelebriert. „Zu Beginn schwimmt jeder seine Bahnen im großen Becken”, erzählt Dörpmund. Manche schwimmen zu zweit, andere für sich allein und wieder andere tun sich etappenweise in Grüppchen zusammen. Getreu der Devise: „Nichts muss, alles kann.”

Gegen 6.30 Uhr sind die meisten der Frühschwimmer raus aus dem „Großen”, ziehen um ins „Kleine”. Im Nichtschwimmerbecken steht Wassergymnastik unter der Leitung von Dörpmund auf dem Plan.

In der Regel sind es zwischen sieben und elf Rentner, die bei der Wassergymnasik mitmachen. In der Beckenwand sind Düsen angebracht, durch die das Wasser mit hohem Druck schießt. Die automatische Unterwassermassage verursacht ein angenehmes Kribbeln auf der Haut, „da wird sich gewälzt wie ein Aal”, sagt Dörpmund genießerisch. Ebenfalls unermüdliche Frühschwimmer im Münsterbuscher Hallenbad sind Trude Kremer und Inge Lennartz. Seit 1988 treffen sich die beiden Damen jeden Morgen zum Frühschwimmen.

„Das Schwimmen ist für mich eine Form der Selbstdisziplinierung. Man sollte auch als Rentner einen strukturierten Tageslauf beibehalten”, findet Inge Lennartz (70). „Nach dem Schwimmen frühstücke ich gemütlich. Es ist ein gutes Gefühl, so erfrischt den Tag zu beginnen, da ist man doch direkt motiviert”, schwärmt sie. Wenn einer morgens fehle, falle das sofort auf, so Trude Kremer (70). Einzig „entschuldbarer Grund” fürs Fernbleiben sei Urlaub oder Krankheit.

Zwei fallen aus dem Rahmen

Unter all den Rentnern fallen Andrea Grimmen und ihre Freundin Diane Klautge, beide 36 Jahre alt, sofort auf. „Wir feiern in diesem Jahr Jubiläum. Seit zehn Jahren treffen wir uns zweimal pro Woche zum Schwimmen, weil wir etwas für unsere Fitness tun wollen.” Diejenige, die sich nicht an die Abmachung hält, muss die andere zum Essen einladen, erklärt Grimmen die „Spielregeln”.

Das Personal im Hallenbad und die Frühschwimmer begrüßen sich so, wie es gute, alte Bekannte tun. „Die Frühschwimmer sind unseren treuesten Kunden”, erzählt Schwimmmeister Manfred Beißel. Sind die Frühschwimmer denn auch die pflegeleichtesten Badegäste? „Die sind alle sehr nett, aber auch kritisch, die lassen sich kein X für ein U vormachen. Wenn das Wasser mal ein halbes Grad Celsius wärmer oder kälter ist, merken die Herrschaften das sofort”, verrät Beißel lachend.