Stolberg: Die Stadthalle bleibt ein Heim für Senioren

Stolberg: Die Stadthalle bleibt ein Heim für Senioren

Zumindest beim Angebot erweist sich die Kupferstadt als ein wahrer Jungbrunnen für Senioren. Neue Perspektiven eröffnen sich für Wohn- und Betreuungseinrichtungen im Stadtgebiet.

Nachdem Kurt Pidun als Investor für das Drummen-Gelände am Kaiserplatz bereits am Bauantrag für ein barrierefreies Wohnprojekt feilt und Fred Pfennings auch für das neue Rathaus-Carré entsprechende Nutzungsoptionen gewahrt wissen will, gibt es für das DRK-Seniorenzentrum am Kupferhof Rosental seit dem Wochenende eine neue Perspektive.

Eine neue Perspektive für die bisherige DRK-Einrichtung und Stadthallen-Passage bietet sich durch die Übernahme des Seniorenzentrums durch die Itertalklinik Seniorenzentrum GmbH (oben). Für das Samaritanerheim und Haus Maria im Venn arbeitet Geschäftsführer Dirk Renerken (unten links) noch an den Ausbauplänen. Kollege Ewald Heup (unten rechts) möchte für das Marienheim verlorene Zeit wett machen. Foto: J. Lange

Dr. Christoph Kösters übernimmt die Pflegeeinrichtung an der Rathausstraße mit einem Potenzial von aktuell 59 Plätzen zum 1. April. „Damit können wir das Haus vom DRK übernehmen und nahtlos fortführen“, betont der neue Mieter, der am Samstag den Pachtvertrag mit der Eigentümerfamilie gezeichnet hatte. Es ist ein Signal und ein Bekenntnis für Stolbergs Innenstadt, an dem Dr. Kösters seit Ende vergangenen Jahres arbeitet.

Deutliche Fortschritte auch bei schlechter Witterung: Wo einst das Ausflugslokal stand sind auf Süssendell bereits die Konturen des neuen Seniorenzentrums sichtbar. Wie in einem Dorf sollen bei dem Modellprojekt 80 dementiell beeinträchtigte Senioren betreut werden. Am 12. Mai feiert die AWO Richtfest; ab Frühjahr 2016 soll die Anlage bezogen werden können.

Im November bekannte sich der Kreisverband des DRK zum Ende seines Engagements nach 14 Jahren in der Stadthallen-Passage. „Die Einrichtung ist von Anfang an nicht wirtschaftlich zu führen gewesen“, sagte Kreisgeschäftsführer Hans-Dieter Vosen. „Die Investition war nicht finanzierbar.“

Dr. Christoph Kösters übernimmt zum 1. April das DRK-Seniorenheim am Kupferhof Rosental in Stolberg.

Weitere Pläne mit der Immobilie

Das Pflegeheim bescherte dem DRK ein Minus von insgesamt 2,5 Millionen Euro. Zum 1. Juni diesen Jahres wollte das DRK einen Schlussstrich ziehen. Erste Mitarbeiter und Bewohner haben sich bereits andere Perspektiven gesucht. Mittlerweile habe es Gespräche auf Betriebsratsebene beider Einrichtungen gegeben, so Vosen. Es bestehe Einigkeit über Sozialplan und Interessenausgleich.

„33 Senioren und etwa ebenso viele Beschäftigte sind heute noch da“, sagt Kösters. Es sollen wieder mehr werden. Denn die Einrichtung in der Stadthalle soll nicht nur in das bestehende Angebot der Itertalklinik Seniorenzentren GmbH mit Häusern in Walheim, Kornelimünster und zwei in Roetgen integriert, sondern das Angebot im mittleren Teil des Stadthallen-Ensembles soll rund um die Daseinsvorsorge im Alter weiter ausgebaut werden.

Noch fehlt zwar die Unterschrift zwischen investitionswilligen Geschäftsleuten und den Eigentümern des von weitgehendem Leerstand gekennzeichneten Gebäudes, aber Christoph Kösters hat schon klare Vorstellungen, wie das Objekt im Zentrum Stolbergs zu beleben sei.

In der Passage, wo bis vor zwei Jahren Theo Reinartz einen Verbrauchermarkt führte, könnte eine zentrale Versorgungsgastronomie entstehen für die Seniorenzentren der Itertalklinik-Gruppe. Dazu zählt bald auch der Standort Alt Breinig, wo am 26. März der offizielle Spatenstich erfolgt. 73 Pflegeplätze, 14 Tagespflegeplätze sowie 35 betreute Wohnungen entstehen dort ebenso wie rund 70 zusätzliche Arbeitsplätze. Hier ist Dr. Kösters Mieter; als Investor schreitet Heinrich Sangershausen voran. Im kommenden Jahr soll die Einrichtung eröffnet werden können.

Aber auch die Stadthallen-Passage biete weitere Potenziale über die bislang vom DRK genutzten Räumlichkeiten hinaus. Beispielhaft nennt Kösters die leerstehenden ehemaligen Fitnessräume eines privaten Anbieters und Shop-Flächen in der Passage. Plätze zur Tagespflege und betreutes Wohnen sowie kulinarische Angebote für betagte Mitbürger kann sich der Mediziner und geschäftsführende Gesellschafter vorstellen. Nicht vergessen werden dabei die gesetzlichen Anforderungen, die für 2018 neue Standards zur Unterbringung vorschreiben. Voraussetzung wäre natürlich eine nachhaltige Sicherung der Immobilie, angesichts eines deutlichen Investitionsbedarfes in ihre Sanierung und Bedarfsanpassung. „Doch zuerst muss wieder Ruhe in die Einrichtung einkehren“, sagt Dr. Christoph Kösters mit Blick auf die Mitarbeiter ebenso wie auf die Bewohner und ihre Angehörigen. Jetzt gelte es, das Potenzial von 59 Betten wieder zu belegen. In der kommenden Woche wollen der scheidende und der neue Betreiber des Seniorenzentrums am Kupferhof Rosental weitere Details präsentieren können.

Christenserinnen planen noch

Ruhe in die Stolberger Gerüchteküche bringen möchte dagegen Dirk Renerken. Von einem Leerzug, Abriss und Neubau des Samaritanerheims erzählt man sich in der Kupferstadt, doch von derartigen Szenarien ist der Geschäftsführer des Heims des guten Samaritan meilenweit entfernt. „Wir sitzen wieder an den Planungen“, gesteht Renerken, dass er und sein Kollege Peter Jankowski vom „Haus Maria im Venn“ von einer erneuten Überarbeitung des Gesetzentwurfes ziemlich „überrascht worden“ sind.

„Es geht immerhin nicht nur um die 56 Plätze in der Innenstadt, sondern auch um 139 in Venwegen“, sagt Renerken. Im Sommer wollen die Vertreter der Ordensgemeinschaft der Christenserinnen als Träger der Einrichtung Klarheit haben, wie die Modernisierung beider Häuser baulich und finanziell gestemmt werden kann.

Verlorene Zeit aufholen möchte derweil die Katholische Stiftung Marienhospital bei der Sanierung des Büsbacher Marienheims. Unerwartete Probleme bei der Gründung des Neubaus — während des laufenden Betriebs der bestehenden Einrichtung — hatten für einen Verzug von einem halben Jahr gesorgt. Mittlerweile steht der Rohbau des ersten Ausbauabschnittes an der Bischofstraße und lässt erste Konturen des neuen Marienheims erkennen. „Der Innenausbau läuft auf vollen Touren“, sagt Heimleiter Ewald Heup. „In einigen Wochen soll der Neubau bezugsfertig sein.“

Damit ist die Baustelle aber keineswegs abgeschlossen, denn im zweiten Abschnitt geht‘s an den bisherigen Eingangs- und Verwaltungsbereich nebst Kapelle. „Wir haben die Zeit genutzt und den Bauablauf neu strukturiert“, erklärt Heup. Demnach werden im nächsten Schritt nicht nur die organisatorischen Einheiten nebst Eingangsbereich und Cafeteria neu gestaltet, sondern auch die ersten Zimmer des Altbaus saniert.

Marienheim ab Herbst 2016

Bis Ende 2016 soll die Büsbacher Einrichtung — die aktuelle Auslastung liegt bei 93 Prozent — sich nagelneu präsentieren können. Neun barrierefreie Wohnungen und 76 zeitgemäße statt bislang 65 Pflegeplätze wird die Katholische Stiftung ab Herbst 2016 im Marienheim anbieten können.

In Süssendell bereitet sich die AWO derzeit auf das Richtfest vor. Am 12. Mai wird der Richtkranz empor gezogen; dann stehen die fünf Wohnblocks und die zentralen Einrichtungen im Rohbau. 80 dementiell erkrankte Senioren werden vom Frühjahr 2016 an das Modellprojekt beziehen können. „Bei uns läuft alles nach Plan“, sagt AWO-Sprecherin Verena Köhne.