Stolberg: Die Renaissance einer alten Handwerkskunst

Stolberg: Die Renaissance einer alten Handwerkskunst

Die Funken stieben glimmend in den Abendhimmel, und der kleine Florian macht große Augen. Mit Papa gemeinsam zu den muskelbepackten Schmieden zu gehen, zuzusehen, wie sie mit ihren schweren Hämmern das Metall bearbeiten, es immer wieder aufs Neue in die Glut legen, damit das Material geschmeidig bleibt, das findet der Junge spannend - auch wenn er mit seinen drei Jahren noch nicht verstehen kann, was die Schmiedeweihnacht genau ist.

Die Schmiedeweihnacht ist einer der Höhepunkte der „Kupferstädter Weihnachtstage”- so auch wieder am vergangenen Wochenende. Auf den Weg gebracht haben die Veranstaltung die beiden Stolberger Schmiede Adi Radermacher und Lars Potente sowie Jürgen Gerres vom Kulturamt der Stadt Stolberg.

Ohne neuzeitliche Technik

Auf dem Kaiserplatz hatten die Schmiede, die aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien angereist waren, ihre Feuerstellen im Schutz von Zelten aufgebaut. Während die meisten von ihnen mit einer elektrisch betriebenen Esse (Schmiedeofen) arbeiten, verzichtet Puk van de Ruijt völlig auf neuzeitliche Technik. Statt mit einem elektrisch betriebenen Gebläse die Sauerstoffzufuhr des Feuers zu regulieren, betätigt die Holländerin mit dem Fuß eine Kurbel.

„Trapvuur” nennt man in den Niederlanden die Konstruktion. Es gilt das gleiche Prinzip wie bei einer alten Nähmaschine. „Ich arbeite noch so, wie man es früher getan hat. In der Beziehung bin ich altmodisch”, erklärt die Schmiedin frei heraus. „Die Besucher finden es aber offensichtlich sehr gut, dass ich noch traditionell schmiede”, versichert sie. Und nicht nur das: „Sollte auf dem Weihnachtsmarkt der Strom ausfallen, bin ich die Einzige, deren Esse noch brennt.”

Die Resonanz auf die Schmiedeweihnacht ist positiv. „Die Leute fragen ganz viel, sind sehr interessiert. Das finde ich sehr schön, auch wenn es ein bisschen mehr Besucher sein könnten.” Bereits zum achten mal ist Puk van de Ruijt zum Schmieden in Stolberg. „Es ist hier so urig, irgendwie gemütlich.”

Ganz begeistert von der Atmosphäre bei den Kupferstädter Weihnachtstagen ist auch ihr Kollege Ron van Loorbeek. Der Limburger ist überzeugt: „Stolberg kann mit dem Weihnachtsmarkt in Valkenburg auf jeden Fall mithalten, das ist ganz fantastisch, was ihr hier zu bieten habt. Da muss man nur mal die Burg als Beispiel nehmen.” Vorab war der Kunstschmied Gast bei einem großen Radiosender in Limburg gewesen, um die Schmiedeweihnacht in Stolberg vorzustellen und Werbung zu machen.

Eine Kopie für den Bürgermeister

„Das haben rund 80.000 Menschen gehört. Auch Bekannte von mir waren sofort neugierig und sind gerade mit der Euregiobahn auf dem Weg hierher. Besser kann man es doch gar nicht haben: Man darf sich ruhig ein paar Gläschen trinken, ohne Angst um den Führerschein haben zu müssen. Und das Ticket ist obendrein auch noch preiswert”, lobt Ron van Loorbeek den grenzüberschreitenden Schienenverkehr.

Im Rahmen der Schmiedeweihnacht wird auch eine Kopie des Weltmeisterstücks 2010 gearbeitet - und verschenkt. Die Aufgabe übernimmt das fünfköpfige Weltmeisterteam persönlich, das Stück geht an Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Nicht mitschmieden kann Adi Radermacher: Er hat sich im Vorfeld der Schmiedeweihnacht eine Verletzung am Bein zugezogen. Aber auch auf Krücken lässt er es sich nicht nehmen, seine Kollegen am Kaiserplatz zu besuchen. Werbung für den Beruf des Schmiedes zu machen, das ist ihm ein Anliegen.

Vielleicht wird ja eines fernen Tages der kleine Florian in die Fußstapfen der Schmiede, die er bei den Kupferstädter Weihnachtstagen gesehen hat, treten. Doch auch wenn das noch Zukunftsmusik ist und vielleicht nie eintreten wird: Spaß gemacht hat der Besuch der Schmiedeweihnacht dem kleinen Florian und seinem Vater Werner Seifert allemal. Der Münsterbuscher bringt es auf den Punkt: „Das Schmieden gehört zur Geschichte dieser Stadt. Und es ist interessant zu sehen, wie das alte Handwerk wieder auflebt.”