„Die Orgel bietet wunderschöne Klänge“

Interview zum Wochenende: „Die Orgel bietet wunderschöne Klänge“

Als ausgebildeter Chorleiter und Organist kann der 15-jährige Martin Schikarski aus Breinig jetzt nebenberuflich Dienst in der Kirche tun. Dafür benötigt er das C-Examen, das er kürzlich in Aachen absolviert hat. Daneben hat er in Hamburg bei einem Konzert an der Welte-Funkorgel des NDR musiziert.

Am Sonntag wirkt der junge Mann beim Adventskonzert in Breinig mit. Was ihm die Orgelmusik bedeutet, in welchem Alter er mit dem Orgelspiel begonnen hat und was das Faszinierende an diesem Instrument ist, hat er im Interview unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten erzählt.

Was beinhaltet die C-Ausbildung und wo kann man sie machen?

Schikarski: Hier geht es um eine breitangelegte kirchenmusikalische Ausbildung in den Bereichen Orgelspiel, Chorleitung, Klavierspiel, Gesang, Musikgeschichte, Liturgik usw. Zuständig ist das Bistum Aachen. Die Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre und befähigt zu einer nebenberuflichen Tätigkeit als Kirchenmusiker.

Was bedeutet Ihnen das Examen?

Schikarski: Das C-Examen bedeutet mir sehr viel, da ich jetzt Chöre leiten kann und sehr viel Hintergrundwissen über die Kirchenmusik erworben habe. Natürlich habe ich auch sehr intensiven Orgelunterricht erhalten. Die Einblicke in die Theologie fand ich ebenfalls sehr bereichernd: So kann ich Gottesdienste nun noch bewusster gestalten.

Seit wann spielen Sie Orgel? Mit welchem Instrument haben Sie angefangen?

Schikarski: Ich spiele Orgel seit ich sechs Jahre alt bin und habe mit Klavier im fünften Lebensjahr angefangen. Als ich in der fünften Klasse war, kam noch das Cello dazu.

Was ist für Sie das Faszinierende an diesem Instrument?

Schikarski: Die Orgel beinhaltet sehr viele schöne Klänge, die man nach Belieben kombinieren kann. So ist für jeden Anlass ein Klang dabei, mal festlich und laut, mal andächtig und leise.

Haben Sie eine Orgel zuhause oder wo können Sie üben?

Schikarski: Meistens übe ich in Kirchen, da das Spielen an richtigen Pfeifenorgeln am coolsten ist. Wenn es aber sehr kalt ist oder ich noch spät am Abend spielen möchte, geht das sehr gut auf meiner Digitalorgel zuhause – wenn es nötig ist, auch mit Kopfhörern. Das ist sehr praktisch!

Hatten Sie schon Vorkenntnisse? Oder wie sind Sie an die Kirchenmusik gekommen?

Schikarski: Musik hat mich schon immer begeistert. Wie gesagt, habe ich seit dem fünften Lebensjahr Instrumentalunterricht. Zur Kirchenmusik kam ich, als ich im Kindergarten angefangen habe, im Kinderchor der Kirchengemeinde St. Barbara mitzusingen. Franz Körfer, der Leiter des Chores und Kirchenmusiker an St. Barbara Breinig, hat mich dann an die Orgel herangeführt, die ich seitdem nie wieder verlassen habe.

Wer sind / waren Ihre Lehrer?

Schikarski: Bis zur Absolvierung des C-Examens im Herbst war Ralph Leinen, Kantor an St. Donatus in Brand, mein Lehrer. Seit November ist es Professor i. K. (im Kirchendienst) Michael Hoppe, Domorganist am hohen Dom zu Aachen und Kirchenmusikreferent im Bistum Aachen.

Wie heißen Ihre Lieblingsstücke?

Schikarski: Meine Lieblingsstücke sind die „Fuge in g-moll“ von Johann Sebastian Bach (BWV 542) und das Finale der „Sonate Nr. 1“ von Alexandre Guilmant.

Wie lange üben Sie jeden Tag?

Schikarski: Das ist unterschiedlich. Von einer halben Stunde bis zu zweieinhalb Stunden Übezeit ist alles dabei.

Leidet die Schule nicht darunter? Oder gibt es vielleicht Freistunden für Sie?

Schikarski: Das läuft völlig unabhängig von der Schule in meiner Freizeit. Wenn spontan Unterricht ausfällt, habe ich die Möglichkeit, zu üben.

Was sagen Ihre Mitschüler zu Ihrem Hobby?

Schikarski: Viele haben erst skeptisch reagiert, da sie die Orgel als Instrument nicht wirklich kennen.

Nach und nach hat sich aber ein Interesse aufgebaut.

Macht dieses Hobby nicht einsam?

Schikarski: Nein, im Gegenteil. Ich lerne immer wieder Leute kennen, mit denen ich zusammen musiziere. Das sind zum Beispiel Chöre, Ensembles oder Bläsergruppen. Außerdem habe ich durch meinen YouTube-Kanal zwei Organisten in meinem Alter kennengelernt: Max Tutzschke aus Brandenburg (auf YouTube „Max der Musiker“) und Manuel Fröschl aus Niederösterreich (auf YouTube „Prinzipal 8‘“). Wir haben uns schon mehrfach getroffen und zu sechs Händen Orgel gespielt; das macht richtig viel Spaß!

Könnten Sie sich vorstellen, Berufsmusiker zu werden?

Schikarski: Auf jeden Fall, denn es ist schön, das Hobby zu vertiefen und es zum Beruf zu machen. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für Physik und Technik. Sicher ist: Ich möchte immer musizieren.

Was hat es mit Ihrem YouTube-Kanal auf sich?

Schikarski:  Ich veröffentliche auf meinem YouTube-Kanal „Spanische Trompete“ gerne meine Orgelmusik, unter anderem aus Gottesdiensten. (https://www.youtube.com/channel/UCRfguLDjIHUMBka07zve3ug).

Bei welchen Konzerten haben Sie bisher schon mitgewirkt?

Schikarski: Beim Chor und Orchesterkonzert der Pfarre St. Barbara Breinig im Advent 2017, bei einem

Orgelkonzert mit den eben genannten zwei Freunden im Havelland im Sommer 2018, beim Orgelkonzert der C-Schüler in Verlautenheide im Herbst 2018, bei einem Konzert an der Welte-Funkorgel des NDR in Hamburg im Herbst 2018 und bei der kirchenmusikalischen Andacht mit dem Akkordeonorchester Breinig im November 2018.

Stichpunkt Hamburg, welche Verbindungen bestehen zur Welte-Funkorgel des NDR?

Schikarski: Die Welte-Funkorgel im Studio 1 des NDR ist keine Kirchenorgel, sondern eine weltliche Orgel, die seit 1930 live gespielt wird. Es war für mich eine besondere und witzige Konzerterfahrung, da ich sonst nur in Kirchen spiele. Auf meinem Programm standen keine Stücke von Bach, sondern unter anderem zwei Tangos und ein Medley über die Videospiel-Musik von Super Mario. Mit dabei waren Len Rawle aus England, Hans-Uwe Hielscher aus Wiesbaden und Maria Tsaytler (Harfe) aus Heidelberg. Für die, die nur Kirchenorgeln kennen ist die Welte-Funkorgel auf jeden Fall hörenswert!

Was steht in diesem Jahr noch an?

Schikarski: Morgen haben wir in Breinig das schon zur Tradition gewordene Chor- und Orchesterkonzert unter der Gesamtleitung von Franz Körfer, bei dem die Musikalische Gesellschaft Breinig, der Kirchenchor St. Barbara Breinig, der Kleine Chor Breinig-Schevenhütte und ich an der Orgel mitwirken. Beginn ist um 17 Uhr. Ich freue mich darauf!

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