Stolberg-Münsterbusch: Die ganze Messe auf Platt gehalten

Stolberg-Münsterbusch : Die ganze Messe auf Platt gehalten

Ungewöhnlich, aber dennoch gehalt- und niveauvoll: Diese Kennzeichnung charakterisiert treffend den am Wochenende in der Herz-Jesu-Kirche veranstalteten Gottesdienst, bei dem die Verkehrssprache für die Gebete und Lieder nicht das Hochdeutsche, sondern der Stolberger Dialekt war.

Den aus dem Rahmen fallenden Gottesdienst, der von Feierlichkeit und großer Andacht gekennzeichnet war, hatten Bernd Stickeler und Martina Harperscheidt vom Münsterbuscher Ortsausschuss vorbereitet. Sie hatte die große Resonanz nach dem karnevalistisch geprägten Gottesdienst im Februar dieses Jahres ermutigt, eine ähnlich gestaltete Messfeier nochmals anzubieten und sämtliche Texte ins Kupferstädter Platt zu übertragen.

Mit Leben erfüllt

Konzelebranten waren Pater Georg Mießen, OSB, vom Benediktinerkloster in Kornelimünster und Diakon Manfred Oslender aus Aachen-Walheim. Sie verstanden es, den Gottesdienst mit Leben zu erfüllen und die verwendeten Texte nicht ins Triviale ableiten zu lassen. Besonders aussagekräftig und von viel Herzblut geprägt war die von Oslender vorgetragene Predigt, die der Diakon mit regionaltypischen Mundartbezeichnungen gewürzt hatte.

Grundlage des Textes war die biblische Erzählung vom Propheten Jona, der den sündhaften Bewohnern der Stadt Ninive ein Strafgericht Gottes ankündigen soll. Die Resonanz auf den Gottesdienst am Wochenende war groß. Rund 100 Menschen füllten das Kirchenschiff des Ende der 1970er Jahre neu gestalteten Gotteshauses. Förmlich spür- und greifbar war die große Konzentration und Aufmerksamkeit, mit der die Besucher die in Mundart gesprochene Handlung verfolgten. Schließlich musste man achtsam zuhören und auf die richtige Aussprache der Worte achten, um die ungewöhnliche Verkehrssprache zu beherrschen und zu verstehen. Denn, dass Mundart gesprochen und von allen verstanden wird, gilt heute nicht mehr als selbstverständlich. Um aber den Besuchern die Verständigung und das Zuhören zu erleichtern, hatten die beiden Initiatoren des Gottesdienstes Texthefte erstellt, die sämtliche während der Handlung gesprochenen und gesungenen Worte im Dialekt wiedergaben. Dass die Initiatoren den Nerv der Besucher getroffen hatten - Stickeler hatten zuvor eine Wiederholung angekündigt - stellten die begeisterten Kommentare der Gemeindemitglieder unter Beweis, die sich nach Gottesdienstende auf dem Vorplatz der Kirche versammelt hatten. Dort reichten die Aussagen von schön, über feierlich bis hin zu bedeutsam, gehaltvoll und fesselnd.