Stolberg: Die „Frau für alle Fälle” und ihr Traumberuf

Stolberg: Die „Frau für alle Fälle” und ihr Traumberuf

Sie spricht tröstende Worte, wenn aufgrund kleinerer Verletzungen wieder einmal Pflaster oder Kühl-Akkus benötigt werden, schlichtet den einen oder anderen Streit und sorgt dafür, dass Schüler an ihre Sachen herankommen, die sie in den Klassenräumen vergessen haben.

Selbstverständlich erfüllt sie auch ihre Pflichten als Sekretärin, denn Marion Hansen hat ihren Traumberuf gefunden, und ist die Schnittstelle zwischen Schülern, Lehrern, Eltern, Hausmeister und Schulleitung im Sekretariat des Goethe-Gymnasiums.

„Schon als ich selber noch Schülerin war, bin ich immer mit Ehrfurcht in das Sekretariat gegangen. Die erste Anlaufstelle der Schule war für mich etwas ganz besonderes und ich habe mir vorgestellt, dass es schön sein müsse, dort zu arbeiten”, erinnert sich Hansen. Heute ist sie die Sekretärin im „Goethe”, doch das Leben führte die 42-Jährige über manchen Umweg dorthin.

Stellenabbau und Firmenpleiten

Die gelernte Bürokauffrau war zuvor zum Beispiel als Team- und Projektassistentin in der Telekommunikation tätig, arbeitete als Administratorin in einem Baumarkt oder verdiente ihren Lohn in der Textilbranche.

Stellenabbau und Firmenpleiten sowie Arbeitszeiten, die sich nicht mit dem Familienleben vereinbaren ließen, zwangen Hansen immer wieder zu beruflichen Veränderungen. Zuletzt stand sie in einem befristeten Arbeitsverhältnis bei einem DVD-Hersteller und im Anschluss drohte ihr die Arbeitslosigkeit.

„Ich habe mich bei der Agentur für Arbeit beraten lassen und mein Profil auf der Internetseite der Agentur eingegeben. Daraufhin wurde ich von einer Zeitarbeitsfirma angerufen”, beschreibt Hansen ihren Werdegang. Die Firma vermittelte sie als Krankheitsvertretung in das Sekretariat der Realschule I.

Dort war sie bereits an ihrem zweiten Arbeitstag auf sich allein gestellt und kam hervorragend zurecht: „Es war toll. Schon nach einer Woche kam es mir vor, als hätte ich niemals etwas anderes gemacht. Hinzu kam das positive Feedback der Schulleitung und des Lehrerkollegiums.”

Das Aufgabengebiet, das Miteinander seitens der Lehrer und der Schulleitung sowie der Kontakt zu den Kindern, Jugendlichen und Eltern - das alles begeisterte Marion Hansen: „Zum Beispiel kannte ich Lehrer bisher nur als Schülerin und dann als Mutter meines Sohns Tim (17) und meines Stiefsohns Florian (16). Es war sehr interessant, sie auch auf kollegialer Ebene kennen zu lernen.”

Als die Vertretung nach zwei Monaten endete, verließ sie die Schule wehmütig aber mit der sicheren Gewissheit, ihren Traumjob gefunden zu haben, und außerdem einem erstklassigen Arbeitszeugnis, das de facto einem Empfehlungsschreiben gleichkam.

Mit diesem bewarb sie sich an einem Montagvormittag, den sie so schnell nicht vergessen wird, am Goethe-Gymnasium. „Frau Luczak meinte, da es mehrere Bewerber gäbe, würde ich bis Freitag über die Entscheidung der Schulleitung informiert werden. Aber schon um halb Fünf noch am selben Tag rief sie mich an und sagte mir die Stelle zu”, berichtet Hansen freudig.

Arbeitsklima zum Genießen

Nun hat sie einen unbefristeten Arbeitsvertrag im Öffentlichen Dienst in der Tasche und ist glücklich, sich auch im „Goethe” rasch eingewöhnt zu haben. „Meine Vorgängerin Gabriele Simons hat mich sehr gut eingearbeitet, und ich habe von ihr einen außerordentlich gut strukturierten und organisierten Arbeitsplatz übernommen”, betont die neue Sekretärin. Seitdem genieße sie das höchst angenehme Arbeitsklima an dem Gymnasium und erfreue sich ebenso an dem freundlichen Umgang seitens der netten Schüler.

Ihr Traumberuf sei verantwortungsvoll wie vielfältig, und man wisse nie genau, was der Tag so bringe, sagt Hansen und lächelt. „Ab und zu bin ich auch die Gastgeberin für kleine Sünder, die kurzzeitig der Klasse verwiesen wurden. Neulich erst waren zwei Jungen bei mir, die sich während des Unterrichts im Armdrücken messen wollten. Wer gewonnen hat, konnten sie nicht sagen, da sie ja leider von ihrem Lehrer gestört wurden”, schmunzelt die neue „Frau für alle Fälle” am Goethe-Gymnasium.