1. Lokales
  2. Stolberg

Halle in Stolberg-Atsch: Die Entstehungsgeschichte gibt Rätsel auf

Halle in Stolberg-Atsch : Die Entstehungsgeschichte gibt Rätsel auf

An der unteren Steinbachstraße, ganz in der Nähe der Bahnlinie von Aachen nach Köln, liegt eine große Fabrikhalle deren Entstehungsgeschichte Rätsel aufgibt.

Der heute als Lagerhalle zweier im Speditionsbereich tätiger Firmen genutzte Bau ist vermutlich als Kesselfabrik um 1900 entstanden.

1899 wurde in der Atsch, die damals noch zur Gemeinde Eilendorf gehörte, eine Fabrik gegründet, die sich unter anderem dem Bau von Behältern und Apparaten für die in der Atsch ansässige chemische Industrie (Rhenania, später Kali-Chemie) widmete.

Heute wird die Halle als Lager zweier im Speditionsbereich tätigen Firmen genutzt. Foto: Toni Dörflinger

Auch wenn ihr genauer Standort nicht ganz geklärt ist, kann doch vermutet werden, dass der große Betonskelettbau, dessen Gefachfüllung aus Ziegelsteinen besteht, mit der Lage der einstigen Kesselfabrik identisch ist, die 1916 ihr Bestehen einstellte.

Etwas Klarheit

Anlass, um ein wenig Klarheit in die Geschichte der Halle an der Steinbachstraße zu bringen, ist der 166. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“. Das historische Foto (links) zeigt den Zustand der Halle im Jahre 1972. Leider ist es heute nicht mehr möglich, den Standort des Fotografen von damals einzunehmen. Denn von der Straße aufgenommen verschwindet der große Bau heute hinter einer grünen „Wand“: darum das aktuelle Vergleichsfoto aus nächster Nähe!

Weniger rätselhaft ist der Werdegang der Halle nach dem Ersten Weltkrieg. Um 1918 wurde die Halle von der Speditionsfirma Großjohann übernommen, die dort ein Zolllager einrichtete, das bis zum Zweiten Weltkrieg Bestand hatte.

Der Zweiten Weltkrieg führte zu schweren Schäden an der Gebäudehülle: Granateinschläge hatten die Bausubstanz beeinträchtigt. Nach dem Kriege stand die Halle lange Zeit leer und wurde provisorisch zur Unterbringung von Materialien einer Stolberger Baufirma genutzt.

Schäden beseitigt

Umgebaut wurde die Halle, als 1965 die damals in Zweifall ansässige Lebensmittel- und Gemüsegroßhandlung Külter das Gebäude übernahm. Die Kriegsschäden wurden beseitigt und eine Zwischendecke eingezogen. Nun konnte man das Gebäude auf zwei Ebenen nutzen und erhielt zusätzlich Raum für die vorübergehende Unterbringung und Kühlung von Bananen.

Auch wurde die Erreichbarkeit der Halle durch einen eigenen Gleisanschluss sichergestellt.

Mitte der 1990er Jahre sollte die Halle einer anderen Nutzung zugeführt werden. Geplant war im Erdgeschoss die Einrichtung einer Gokartbahn. Dieses Projekt ist aber vermutlich nicht zum Tragen gekommen. Wie eingangs berichtet, wird das große Gebäude derzeit von zwei Firmen genutzt, die im Logistik-, Umzugs- und Speditionsbereich tätig sind.