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Stolberg: Die „Berliner Erinnerungen“ aus Stolberg

Stolberg : Die „Berliner Erinnerungen“ aus Stolberg

Sie schafft es, sich selbst treu zu bleiben, und sich dabei immer wieder neu zu erfinden: Elke Koch, seit 50 Jahren Wahl-Stolbergerin, war zunächst Grafik-Designerin, wurde dann zu Aquarellmalerin, ließ sich später zur Heilpraktikerin ausbilden, bevor sie begann, unter dem Pseudonym Elke Haut literarisch zu arbeiten. Und als Schriftstellerin geht sie mit den jetzt im Barton Verlag erschienenen „Berliner Erinnerungen“ wieder völlig neue Wege.

Zwar hat Elke Koch beziehungsweise Haut schon in ihren „Skurrilen Geschichten“ sowie in ihren Romanen „Von Eitelkeit und Sucht“ und „Das Mehndi“ persönliche Erfahrungen und Erlebnisse in die fiktiven Handlungen eingewebt, das nun vorliegende Buch aber ist absolut autobiografisch. Die Episoden-Sammlung „Berliner Erinnerungen — Eine Kindheit am Lietzensee“ führt in die Kindheit und Jugend der kleinen Anna, hinter der sich Elke Koch selbst verbirgt, und ihrer Schwester Katja. Damit ist das Buch ein bemerkenswertes Zeitdokument der 40er, 50er und frühen 60er Jahre.

Bemerkenswert auch, weil das Ende des schrecklichen Zweiten Weltkrieges, die Entbehrungen der Folgejahre und die sich anbahnende Teilung Deutschlands nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Vordergrund stehen die Kindheits- und Jugenderlebnisse der Autorin.

„Wir hatte ja keinen Vergleich und kannten es nicht anders, als es war. Also haben wir die Gegebenheiten einfach angenommen. Unser Heranwachsen in eigentlich unnormalen Situationen war trotzdem relativ normal. Mal unbeschwert, mal mit den typischen Problemen von Kindern und Teenagern“, erklärt die 1941 in Stettin geborene Schriftstellerin.

Aktualität gewinnt das Buch ob der Tatsache, dass die Protagonisten am Ende des Zweiten Weltkrieges nichts anderes waren als Flüchtlinge.

Die „Berliner Erinnerungen“ führen den Leser in die Zeit der „Rosinenbomber“, des Senders RIAS und der „HO-Läden“. Für jüngere Generationen kaum vorstellbar erlebte die Autorin eine Kindheit ohne Smartphone, Tablet oder Spielkonsole. Es gab keine Computer, noch nicht einmal Fernsehen. Was sich als sehr gute Voraussetzung für kleine Abenteuer, teils amüsante, teils rührende Geschichten entpuppt. Zu den Abenteuern zählen etwa der Besuch der Trabrennbahn, das Zuschauen beim großen Seifenkistenrennen in Berlin oder das Kennenlernen des kultigen Flusspferds „Knautschke“.

Von Rollschuhlaufen und dem Spiel mit Murmeln, die man in Berlin „Bucker“ nennt, und Milchreis mit Zimt und Zucker über aufkeimende Gefühle für Jungen bis zu ersten Liebe, dem Schulabschluss und den Lehrjahren erzählt Elke Koch als Autorin Elke Haut in den „Berliner Erinnerungen“ unterhaltsam vom Aufwachsen in einer besonderen Zeit. Liebenswert lässt sie den Leser schmunzeln, nachdenken, mitfühlen oder auch sich wundern.