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Naturdenkmal Trauer-Rotbuche: Die Baumkrone in luftiger Höhe besucht

Naturdenkmal Trauer-Rotbuche : Die Baumkrone in luftiger Höhe besucht

Seit Juli ist sie das neuste Naturdenkmal: Die Trauer-Rotbuche im Garten von Rolf Rongen. Jetzt wurde sie unter die Lupe genommen.

Es ist morgens und schon mächtig heiß: Langsam surrt der Kranwagen in Stolberg-Breinig in die Höhe. Mit im Korb sind Udo Thorwesten vom Umweltamt der Städteregion und Rolf Rongen. Erst in rund 20 Metern Höhe stoppt Thorwesten mitten in der mächtigen Baumkrone den Korb mit einem Ruck. „Hier haben wir einen abgestorbenen Ast, der muss raus.“

Es ist kein gewöhnlicher Einsatz, auf dem Thorwesten sich befindet, denn er schaut sich keinen „normalen“ Baum an. Es handelt sich um eine kapitale Trauer-Rotbuche, die der Städteregionstag erst im Juli einstimmig zum neusten Naturdenkmal in der Städteregion erklärt hat. Der Baum ist rund 280 Jahre alt und steht im Garten von Rolf Rongen an der Raiffeisenstraße in Breinig.

Altersbestimmung

„Das Alter lässt sich ganz gut bestimmen“, sagt Thorwesten. „Diese Art legt im Schnitt pro Jahr fünf Millimeter im Stammdurchmesser zu.“ Den haben Thorwesten und seine Mithelfer von den Gartenbauern der Aachener Lebenshilfe vor dem Ausflug in luftige Höhen mit 1,40 Meter gemessen. Der Umfang in einem Meter Höhe beträgt übrigens stattliche 3,99 Meter. „Das ist aber nicht das Besondere, es geht hier ja nicht nur um Größe oder Stammumfänge. Eine Trauer-Rotbuche in diesem Alter und Zustand ist schlicht einzigartig für die Städteregion Aachen und weit darüber hinaus“, stellt Thorwesten klar.

Erkennbar stolz ist auch Rolf Rongen, auf dessen Grundstück der Baum steht: „Das ist schon ein prägender Baum für das Ortsbild in Breinig. Er war für uns auch ein Argument beim Kauf des Hauses vor gut fünf Jahren.“ Seitdem wird er vom neuen Besitzer gut gehegt und gepflegt. Diese Aufgaben gehen allerdings jetzt, wie bei allen rund 270 Naturdenkmalen von Baesweiler bis Monschau, auf die Städteregion Aachen über. „Naturdenkmale sind meist herausragende Bäume, die das Ortsbild prägen.

Hier ist die öffentliche Hand gefordert, alles Notwendige zum Erhalt beizutragen und das letztlich auch zu finanzieren“, klärt Thorwesten auf. Und das machen die Mitarbeiter des Umweltamtes gemeinsam mit den Gartenbauern der Lebenshilfe rund um Hendrick Lieck sehr gründlich: „Es reicht nicht, einen Baum nur von unten zu begutachten, dabei kann man nicht sehen, was sich im Kronenbereich in einem Jahr so alles getan hat.“ Deshalb nimmt sich Thorwesten auf dem Kranwagen Zeit. Rolf Rongen kann seinen Blick im Kronenbereich entspannt schweifen lassen. Dem geübten Auge von Udo Thorwesten entgeht indes nichts.

Ein mächtiger Stamm: In einem Meter Höhe misst das neue Naturdenkmal in Stolberg-Breinig exakt 3,99 Meter Umfang. Mit auf dem Bild (v.l.n.r.): Lukas Silberer (Lebenshilfe), Udo Thorwesten (Umweltamt), Rolf Rongen (Grundstückseigentümer) und Hendrik Lieck (Lebenshilfe). Foto: Holger Benend/Städteregion Aachen

Er zeigt auf einen offenen, ungefähr beindicken Ast ganz oben im Baum und fährt die Hebebühne so nah, dass er ihn berühren kann: „Hier sehen wir beispielsweise, dass der Baum Sonnenbrand hat.“ Auch wenn sich das eher lustig anhört, ist das gerade für Buchen alles andere als ein Spaß. „Zu viel Sonne lässt die Rinde austrocknen und abplatzen. Hier sehen wir diesen Effekt allerdings nur ganz oben in der Krone. Das ist nicht weiter problematisch für die Trauer-Rotbuche. Viel dramatischer wäre es unten am Stamm.“ Doch da ist wirklich alles gut beschattet, denn die meterlangen Äste hängen ähnlich wie bei den bekannteren Trauerweiden ringsum bis auf den Boden.

 Auch bei den tropischen Temperaturen wie in diesen Tagen bietet der Baum hervorragende Möglichkeiten, unter ihm im Schatten zu entspannen. Durch die Verdunstung aus den Blättern ist es hier auch bei großer Hitze erträglich. Und das haben schon viele Menschen vor dem jetzigen Besitzer getan: „Früher hat auf dem Gelände eine Schreinerei gestanden. Wahrscheinlich haben die damaligen Besitzer schon den Wert des Baumes erkannt, ihn stehen lassen und gezielt Gartenlauben und Garagen mit Abstand gebaut“, sagt Rongen.

Laut Thorwesten wird der Besitzer wohl noch lange Freude an dem Baum haben, denn der Zustand ist als durchweg gut anzusehen. „Alles in allem können wir hier sehr zufrieden sein. Wir mussten heute eher die ,Nagelpflege’ machen und nicht als ,Chirurg’ tätig werden.“ Im kommenden Jahr wird er sich dann gemeinsam mit der Lebenshilfe den Baum erneut anschauen. Dann geht es sicher wieder in luftige Höhen. Nur hoffentlich bei etwas angenehmeren Temperaturen.