Die Arbeiten an der Stolberger Vogelsangkirche gehen voran

Arbeiten an der Vogelsangkirche : Verformtes Dach ist wieder gerichtet

Momentan wird das Dach der evangelischen Vogelsangkirche neu eingedeckt. Aber was geschieht dort genau? Und wie lange sollen die Arbeiten noch dauern?

Der Vogelsangkirche nicht nur im übertragenen, sondern im buchstäblichen Sinne aufs Dach, stiegen nun eine ganze Reihe Menschen. Nach dem Überwinden mehrerer Leitern stand oben an der Dachkante eine kleine Expertengruppe der evangelischen Kirchengemeinde den „Gipfelstürmern“ Rede und Antwort, um über den derzeitigen Stand der Dachsanierung an dem 1648 errichteten Gotteshauses zu informieren.

Im März dieses Jahres hatten Sanierungsarbeiten am Dach der Vogelsangkirche begonnen. Untersuchungen hatten gezeigt, dass der Dachstuhl instabil sowie Pilzbefall an den Zugbalken aufgetreten war. Diese Schäden hatten zu einer Verformung des Daches geführt. Den Schäden Vorschub geleistet hatten unfachmännische Ausbesserungen in den späten 1960er Jahren. Damals hatte man die Kriegsschäden beseitigt und verfaulte Teile fehlerhaft ausgetauscht.

Des weiteren hatte man jüngst festgestellt, dass Feuchtigkeit große Teile des Traufgesims zerstört hatte. So musste nun die Holzkonstruktion des Dachstuhls, der in weiten Teilen noch aus dem 17. Jahrhundert stammt, repariert werden. Heißt, dass man Hauptknotenpunkte stabilisieren sowie Zapfenverbindungen und Bindeauflagen in ihrer Konstruktion ertüchtigen musste.

Nach dem Abschluss dieser Arbeiten steht aktuell die Neueindeckung des Daches an. Seit rund drei Wochen sind Handwerker der von Dachdeckermeister Ralf Krings aus Baesweiler geleiteten Firma dabei, das Dach mit Tonziegeln und Schiefer neu einzudecken. Den aktuellen Stand der Dacheindeckung erläuterten nun auf dem obersten Gerüstabschnitt der mit der Projektleitung betraute Architekt Thomas Staerk aus Roetgen und Dachdeckermeister Krings. Demnach wird derzeit die gesamte Apsis mit Schiefer eingedeckt. Ungefähr die Hälfte der 70 Quadratmeter großen Fläche habe man bereits geschafft, wie Krings versicherte. Das dazu verwendete Material stamme aus dem Hunsrück.

Bevor die kleinen Platten auf der Dachfläche befestigt werden können, müssen sie vor Ort mit Spezialwerkzeug fachgerecht in Form gebracht werden. Heißt, dass für die „Altdeutsche Deckung“ die Kanten nach einem speziellen Muster extra gerundet werden müssen. Nicht so aufwendig sei die Verlegung der 7200 Dachpfannen aus Ton. Auf Wunsch des in Brauweiler ansässigen Amtes für Denkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland habe man für die Eindeckung des Daches mit Tonziegeln ein Material gewählt, das in Form, Farbe, Konstruktion und Aussehen dem im 17. Jahrhundert verwendeten Ziegelwerkstoff sehr nahe komme.

Laut Architekt Staerk hoffe man, dass vor Einbruch des Winters mit eventuellem Schneefall die Dacharbeiten Ende November abgeschlossen seien. Zuvor hatten im Kircheninnern Pfarrer Axel Neudorf und Baukirchmeister Hans-Ulrich Rienäcker über die Geschichte des rund 370 Jahre alten Gotteshauses und die Finanzierung der Sanierungsmaßnahme informiert. Laut Neudorf wurde der Kirchenbau 1647 begonnen und konnte ein Jahr später zu Pfingsten fertiggestellt werden. 1701 wurde eine Orgel eingebaut. Beschädigt wurde die Kirche 1755 beim Erdbeben von Lissabon (Portugal). 1929, 1969/70 sowie 1996 erfolgten Sanierungsarbeiten.

Rienäcker hatte die Kosten im Blick. Demnach müssen für die derzeitige Sanierung 350.000 Euro aufgewendet werden. Die Kosten trägt Stolbergs evangelische Kirchengemeinde. Man hofft aber auch auf Spenden aus der Bevölkerung.

Mehr von Aachener Zeitung