Deutsche Post wechselt in Rathaus-Passage

Innenstadt : Postbank schließt jetzt Ende September

Bereits im Dezember hatte die Postbank erklärt, ihre Filiale in der Rathausstraße 18 zu schließen. Nun terminiert sie das Ende ihrer Präsenz in der Stadtmitte auf Montag, 30. September.

Dann wird die Filiale der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank AG letztmalig öffnen, um in der Innenstadt ihren monetären Service anzubieten. Mit dem Abschied der Postbank wird auch der Geldautomat abgezogen. Das bestätigte Postbank-Sprecher Ralf Palm am Montag gegenüber unserer Zeitung

Betroffen davon ist die Deutsche Post, die allerdings in der Innenstadt präsent bleibt. Sie bietet ab 1. Oktober ihre Leistungen in der Rathaus-Passage an. Petra Groten, die dort bereits ein Tabak- und Lotto-Geschäft inklusive DHL-Shop führt, wird neue Servicepartnerin der Deutschen Post.

Schon lange keine Bundespost

Gerne denken viele Stolberger an die „guten alten Zeiten“ zurück, als die heute selbstständigen Unternehmen noch gemeinsam mit der Telekom zur Deutschen Bundespost gehörten, die ab 1989 zerschlagen und privatisiert wurde. Die Leistungen rund um Brief, Geld und Telefon wurden damals noch im einst kaiserlichen Postgebäude am Kaiserplatz angeboten, während die Paketpost bereits in der Rathausstraße 18 residierte.

1999 erwirbt die Deutsche Post AG vom Bund die Postbank, die 2004 an die Börse geht und ab 2009 von der Deutschen Bank übernommen wird. Außer dem Namen hat sie nichts mehr mit der „gelben Post“ gemein mit Ausnahme einiger Geschäftsbeziehungen – so wie in Stolberg.

Die Deutsche Post DHL Gruppe – seit 2002 gehört der deutsche, in San Francisco gegründete Paketdienst DHL zum Konzern – trennte sich bereits im Rahmen der ersten Welle ihrer Neustrukturierungen 2006 von der Postfiliale an der Rathausstraße.

Neue Mieterin dort wurde die Postbank, die wiederum neben ihren Finanzdienstleistungen an der Rathausstraße für die Post den Brief- und Paketdienst übernahm. Kurzum: Die vermeintliche Post war die Postbank, so wie beispielsweise in Büsbach Barbara Hubo neben ihrem Reisedienst, Lotto und Schreibwaren oder auf dem Donnerberg Heike Orgeig in ihrem „Präsente & Co.“ zusätzlich auch Post- und Paketleistungen anbieten.

Das wird ab 1. Oktober auch Petra Groten in der Ratshaus-Passage gegenüber von Aldi machen. Bis dahin wird sie ihren Laden noch gehörig umkramen müssen, um die Posttheken unterbringen zu können. Und weil im Ladenlokal der Platz fehlt, wird es fahrbare Postfächer vor der Türe geben, da die Post ihre alte Schließfachanlage aufgeben muss, berichtet Postsprecher Achim Gahr.

In der Passage werden deshalb vier fahrbare Schließfachschränke mit jeweils bis zu 60 Fächern aufgestellt. Morgens um 7 Uhr wird Petra Groten sie vor die Türe rollen, bei Dienstschluss um 18.30 Uhr werden sie wieder zurück ins Geschäft gebracht. Zur Sicherheit: „Es gibt ja immer noch Leute, die glauben, da seien wirklich Wertsachen drin“, sagt Groten.

„Aber wir versprechen uns eine große Fluktuation für die Rathaus-Passage durch das zusätzliche postalische Angebot“, sagt Groten. Immerhin sei es nach der Eröffnung der vierten Filiale des Discounters im Stadtgebiet in der Passage etwas ruhiger geworden. Was kein Grund zur Sorge sein muss.

Die Aldi-Garantie

Denn Aldi hatte bei der Eröffnung in Münsterbusch erklärt, mindestens weitere fünf Jahre neben dem Rathaus präsent sein zu wollen. Nur marginale Auswirkungen würden erwartet, hatte Aldi-Geschäftsführer Uwe Seiler erklärt, so dass die lnnenstadt-Filiale auch bei einer Neuansiedlung an der Mauerstraße ihre Daseinsberechtigung haben werde.

Die Chancen auf eine Belebung der Passage stehen jedenfalls gut. Wer die heutige Filiale von Postbank und Post betritt, steht öfters in einer Schlange. Auf den erhofften Ansturm will Petra Groten sich rüsten. Sie sucht drei weitere Teilzeitmitarbeiter.

Die betroffenen Mitarbeiter der Postbank würden – ebenso wie bei der Deutschen Post – bei Schließungen in anderen Filialen weiter beschäftigt, sagt Ralf Palm. Nicht weit haben es die Kunden der Postbank in Stolberg zur nächsten kostenfreien Bargeld-Versorgung: Die Commerzbank an der Rathausstraße oder die Shell-Tankstelle an der Eschweilerstraße nennt Palm als Beispiele. Zudem ist die Postbank weiterhin am Kastanienweg in Breinig präsent. Für beratungsintensive Bankgeschäfte wird die Postbank-Filiale an der Franzstraße in Eschweiler empfohlen.

Auf der Suche nach einer neuen Nutzung für die Rathausstraße 18 ist die Görres Immobilienverwaltung. Offiziell bis Ende Januar 2020 ist die Postbank Mieterin der Immobilie, hieß es am Firmensitz im Gewerbepark Münsterbusch. Man wolle nun aktiv in die Vermarktung einsteigen, nachdem bislang nur ein Schild über dem Eingang um Nachmieter wirbt.

Ursprünglich hatte die Postbank im Dezember angekündigt, Ende März schließen zu wollen. Bereits zum 1. März hatte sie sich aus der Partnerfiliale von Heike Orgeig auf dem Donnerberg zurückgezogen, während die Deutsche Post dem „Präsente-&-Co“.-Laden weiterhin die Treue hält.

Aber weil im Frühjahr die Deutsche Post in der Innenstadt noch auf der Suche nach einer alternativen Geschäftsstelle war, hat die Postbank ihr Engegement bis Ende September verlängert.

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