Stolberg: Der tanzende Pfarrer rappt und gibt den Takt vor

Stolberg: Der tanzende Pfarrer rappt und gibt den Takt vor

Nein, ein Abschied war die lange Reise nach Madrid nicht. Zumindest nicht im klassischen Sinne, oder wer würde ernsthaft einen Pfarrer, der im Bus vor der versammelten Pilgerschaft zum Mikro greift und anfängt zu tanzen und ein paar feine Verse rappt, als „traditionell” beschreiben?

Norbert Glasmacher, bis Mittwoch seines Zeichens Pastor der Großpfarre St. Lucia, hat um seinen Abschied keinen großen Hehl gemacht, und die Fahrt zum Weltjugendtag nach Madrid mit 33 Stolberger Pilgern sollte deshalb auch nicht wie ein schmerzhaftes Abschiednehmen nach rund anderthalb Jahren, sondern vielmehr wie das Kennenlernen von ganz neuen Seiten des 2010 aus Kanada zugezogenen Geistlichen sein.

„Wir dachten”, erzählt Nicole Haase, die gemeinsam mit Nino Keilhauer für unsere Zeitung täglich von der zweiwöchigen Reise berichteten, „wir sehen nicht recht. Er schnappt sich einfach das Mikrofon und tanzt drauf los.”

Norbert Glasmacher, der nun für sieben Pfarreien in Düren-Nord verantwortlich ist, sagt - nicht nur über seinen Auftritt: „Es war eine sehr ereignisreiche Fahrt”, womit er auch die zum Teil chaotische Organisation des Weltjugentages rund um Madrid meint.

Aber: „Das Wichtigste ist, dass die Teilnehmer Kirche einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt haben.”

Für die Pilger war die Fahrt in die spanische Hauptstadt nicht nur wegen des taktgebenden Pfarrers ein voller Erfolg: „Diese Reise hat alles übertroffen”, sagt Nino Keilhauer und ergänzt: „Ich denke viel an die ganzen Erlebnisse zurück.”

Viele verschiedene Städte, Menschen, die Gemeinschaft, „das habe ich noch nicht erlebt”, sagt Nicole Haase, die bereits 2005 zum Weltjugendtag nach Köln pilgerte. „Aber damals war ich noch zu jung, um zu begreifen, was da alles rund um einen solchen Tag passiert”, sagt die heute 17-Jährige.

Und welche Rolle hat der Pfarrer abseits der Gesangskünste gespielt? „Er hat sich”, sagt Nino Keilhauer anerkennend, „wirklich um alles gekümmert: Er hat die Ausrüstung, Rucksäcke und Karten besorgt, er wusste, wann und wo die Katechesen sind, und Essen in fremden Hotels organisiert.”

Vermissen wird den 48-Jährigen seine Stolberger Gemeinde in jedem Fall. „Wir sind grad mal ein paar Tage hier und nun ist er weg”, sagt Nicole Haase. „Pfarrer Glasmacher wäre auch gerne noch bei uns geblieben.” Dieser sagt: „Ich bin sehr traurig über den Abschied. Diese Tour, bei der wir alle zusammengewachsen sind, hilft dabei nicht gerade.”

Es war übrigens Glasmachers sechster Weltjugentag - und wohl nicht sein letzter. Zu seiner ersten Messe am 10. September werden die Madrider Pilger „Father Norbert”, wie er noch aus seiner Zeit in Kanada genannt wird, in Düren besuchen.

Norbert Glasmacher gibt also auch weiterhin den Takt vor. Seit Donnerstag in Düren und in zwei Jahren voraussichtlich auch beim nächsten Weltjugendtag in Rio de Janeiro. Ob er dann wieder tanzt, darauf will er sich allerdings noch nicht festlegen.