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100-jähriges Bestehen: Der SKM Stolberg will Hilfsbedürftigen eine Stimme geben

100-jähriges Bestehen : Der SKM Stolberg will Hilfsbedürftigen eine Stimme geben

Der kirchliche Sozialdienst steht seit rund 100 Jahren den Menschen in und um Stolberg mit Rat und Tat zur Seite. Angesichts der aktuellen Entwicklungen sehen die Verantwortlichen einen noch größeren Beratungsbedarf.

Seit nun mehr als 100 Jahren bietet der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) in Stolberg Hilfe für Menschen, die sie suchen. „Das 100-Jährige hätten wir eigentlich vergangenes Jahr feiern müssen“, sagt der Vorsitzende Walter Wahlen. Denn die Ortsgruppe des Katholischen Männer-Fürsorge-Vereins gründete sich am 30. Oktober 1921. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde das Jubiläum um ein Jahr verschoben.

Wahlen weiß, dass der Verein nur so lange bestehen kann, wie es auch Mitglieder und Ehrenamtler gibt. „Wir brauchen Menschen, die bereit sind im Verein mitzuarbeiten und vor allem bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, merkt der 67-Jährige an. Der Verein bestehe aktuell aus 36 Mitgliedern und 14 Mitarbeitern. Dennoch solle die Satzung geändert werden, damit der Verein auch mit weniger Mitgliedern bestehen bleiben kann. „Die entsprechenden Genehmigungen haben wir bereits“, sagt Wahlen. Zurzeit müsse der Verein mindestens fünf Mitglieder haben. „Das soll geändert werden zu drei bis fünf Vorstandsmitgliedern. Wir wollen so flexibler werden, um den Verein am Leben zu erhalten“, sagt der Vorsitzende.

Ein großes Thema sei schon früher die Suche nach Wohnraum gewesen und sei es auch heute noch. „Und die Zeiten werden noch dramatischer“, weiß Manfred Lang. „Die gestiegenen Lebenshaltungskosten und Energiekosten verstärken die Notlage“, sagt der Geschäftsführer. In der Beratungsstelle werde deutlich, dass der Zulauf der Menschen mit finanziellen Nöten steigt. „Es kommt eine große Herausforderung auf uns und auch auf die Gesellschaft zu“, sagt Lang.

Der SKM Stolberg hat seinen Sitz in Münsterbusch und bietet städteregionalweit Betreuung bei unterschiedlichen Problemen an. Außerdem betreuen sie zwei Jugendwohngemeinschaften. „Wir sind ein kleiner Gemischtwarenladen“, sagt Lang mit einem Schmunzeln. „Wir sind vielleicht klein aufgestellt, bieten aber ein recht breites Portfolio“, bemerkt Lang. Der Verein habe das Betreute Wohnen und die Obdachlosenhilfe am Kelmesberg ausgebaut, seit vergangenem Jahr ein Fluthilfebüro eingerichtet und das jüngste Projekt ist die Online-Beratung.

„Außerdem sind wir auch Gründungsmitglieder des Vereins ,breakfast4kids‘“, fügt Wahlen hinzu. Der Verein wurde 2008 gegründet und setze sich dafür ein, dass bedürftige Kinder ein Frühstück bekommen. Dafür bereiten helfende Bäckereien morgens mehrere Brötchen zu und liefern sie an Schulen in der Region. „Damit unterstützen wir etwa 1000 Kinder“, sagt Wahlen.

Andreas Dittrich arbeitet als Schuldenberater bei der SKM. Er schaut mit Besorgnis in die Zukunft. „Die Situation wird nicht besser, sondern schlechter“, sagt er. Man könne die sozialen Probleme nicht an der Wurzel packen. „Wir können die Bedingungen der Menschen nicht ändern“, gibt Dittrich zu bedenken. Lang fügt hinzu: „Die Probleme sind systembedingt.“

Viele Menschen fielen durchs Netz. So haben Erwerbstätige beispielsweise keinen Anspruch auf eine Schuldnerberatung, der Bedarf sei jedoch da. „Noch ist die Situation entspannt, aber alle Kollegen und Prognosen von Inkasso-Unternehmen sagen, dass im Frühjahr eine neue Schuldenwelle auf uns zukommt“, sagt Lang. Im direkten Kontakt merkt auch Dittrich, dass viele Hilfesuchenden Zukunftsängste haben. „Außerdem haben die meisten wenig politische oder ökonomische Bildung“, ergänzt der Schuldenberater.

Eine weitere Schwierigkeit sei, dass die meisten Menschen erst dann Hilfe suchen, wenn es schon zu spät ist. „Dann ist die Kündigung oder die Stromsperre schon da“, erzählt Lang. Im Vorfeld könne man eher die Probleme der Hilfesuchenden bereinigen. „Wir können bei Einzelfällen Hilfestellung bieten, aber die großen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge werden wir leider nicht geändert bekommen“, sagt Wahlen.

In den letzten Jahrzehnten sei ein Wandel vor allem bei den Hilfesuchenden bemerkbar. „Die Ratsuchenden werden immer jünger“, sagt Lang. Das werde auch bei der Obdachlosenhilfe deutlich. „Das sind vermehrt junge Menschen, Mitte 20, die Suchtprobleme und psychische Krankheiten mitbringen“, erzählt der Geschäftsführer. Das sei auch im Wohnheim auf dem Kelmesberg erkennbar, wie Wahlen hinzufügt.

Der SKM arbeite eng mit dem Schwesternverband Sozialdienst Katholischer Frauen zusammen. So führen beide Vereine beispielsweise das Fluthilfebüro. „Unsere Arbeit ist marginalisiert und wir arbeiten auch mit marginalisierten Personen“, fasst Lang zusammen. Daher sei ihr Anliegen, diese Menschen in den Vordergrund zu bringen und ihnen eine Stimme zu geben.