Stolberg/Aachen: Der Schock sitzt nach der Urteilsverkündung gegen Lorenz S. tief

Stolberg/Aachen : Der Schock sitzt nach der Urteilsverkündung gegen Lorenz S. tief

Mit einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs seiner bei der Tat erst achtjährigen Nichte ist der 57-jährige Angeklagte Lorenz S. aus Stolberg unverhältnismäßig gut weggekommen.

Die 5. Große Strafkammer am Aachener Landgericht mit dem Vorsitzenden Richter Florian Handke sah sich nicht in der Lage, den ursprünglich wegen insgesamt zwölf Taten von schwerem sexuellen Missbrauch begangen an seinen beiden erst sieben und achtjährigen Nichten wegen aller Taten zu verurteilen. „Die Beweislage ist so, dass wir den Angeklagten wegen nur einer Tat verurteilen können, obwohl wir meinen, dass auch an den anderen Vorwürfen etwas dran ist“, begründete der Vorsitzende Richter das moderate Urteil der Kammer.

Geldversprechen

Onkel Lorenz S. war 2017 bei seiner Schwester eingezogen und wohnte mit der Familie in einer neuen Wohnung im Zentrum Stolbergs zusammen. Dann ab April 2017 habe er sich nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft und den Zeugenaussagen der beiden zur Tatzeit erst sieben und achtjährigen Schwestern an den Mädchen vergriffen, soll sie mit Geldversprechen immer wieder dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen nicht nur zu dulden, sondern ihn auch aktiv an seinem Geschlechtsteil anzufassen. Der Angeklagte hatte in dem Kindesmissbrauchs-Prozess zu den Vorwürfen geschwiegen, als einzige direkte Zeugin zu elf der insgesamt zwölf angeklagten Taten sagte das heute neunjährige Mädchen aus, ihre jüngere Schwester war nicht in der Lage, in dem Prozess auszusagen.

So hatte es einzig zu jener Tat am 25. November 2017 in einem Wäldchen nahe eines Parkplatzes in Stolberg aufmerksame Mitbürger gegeben, die das Unglaubliche mit ansehen mussten und die letztlich die Sache von sich aus beendeten und schließlich auch die Polizei riefen.

So waren auch die beiden forensischen Gutachterinnen auf die Aktenlage und die Zeugenaussagen des Mädchens angewiesen. Sie war nach Aussagen des Gerichts in Teilen nicht ganz stimmig, so dass nur bei der Tat in dem Wäldchen keine Zweifel an der Schuld des Angeklagte blieben, hinzu kommt eine verminderte Schuldfähigkeit des 57-jährigen, weil er laut den Erkenntnissen der Psychiaterin auf eine nur verminderte Intelligenz zurückgreifen könne.

Die Sprache verschlagen

Bei der Urteilsverkündung waren auch die Eltern der Mädchen zugegen, die unmittelbar nach der Verkündung des Strafmaßes wortlos den Gerichtssaal verlassen hatten, ihnen hatte es die Sprache verschlagen. In dem aufwendigen Verfahren mit zwei Gutachterinnen und etlichen Verhandlungstagen führte der Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten zu der milden Strafe von nur einem Jahr Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die psychiatrische Gutachterin hatte Montag am letzten Tag des Verfahrens unmittelbar vor den Plädoyers deutlich gemacht, dass sie bei nur einem nachweisbaren Vorfall von Kindesmissbrauch nicht automatisch von einer Neigung zur Pädophilie bei dem Angeklagten ausgehen könne. Dass die weiteren Taten wahrscheinlich, aber nicht sicher nachweisbar waren, half da nicht weiter.