Stolberg: Der lange Weg zum barrierefreien Busverkehr

Stolberg: Der lange Weg zum barrierefreien Busverkehr

Der Plan steht fest, doch die Umsetzung ist nahezu unmöglich: Bis 2022 soll der Öffentliche Personalverkehr (ÖPNV) in ganz Europa komplett barrierefrei sein. Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren sollen dann problemlos in den Bus einsteigen und damit auch fahren können. Der Weg dorthin ist jedoch alles andere als einfach.

Das weiß auch Bernhard Breuer, Centerleiter Betrieb bei der Aseag. Er war am Dienstagabend im Ausschuss für Soziales und Generationengerechtigkeit zu Gast und diskutierte mit den Ausschuss-Mitgliedern über das Thema Barrierefreiheit im Busverkehr. „Meiner Meinung nach, kann man das nicht schaffen“, fand er klare Worte. Das Fazit der Diskussion: In der Kupferstadt wird an der Umsetzung bereits fleißig gearbeitet — viel zu tun gibt es dennoch.

Bevor Breuer jedoch darauf einging, was sich in den vergangenen Jahren bereits verändert habe, versuchte er den Begriff Barrierefreiheit genauer zu definieren. Schließlich könne dieser auf viele verschiedene Weisen verstanden werden. Barrierefreiheit fange allerdings nicht erst im Bus an, macht Breuer deutlich und beschreibt eine gesamte Reiseverlaufskette, die für die Kunden leicht zugänglich sein müsse. Dazu gehören nicht nur der Weg zur Bushaltestelle, sowie wieder zurück nach Hause und die Fahrt im Bus, sondern auch die Informationen, die man vorab durch Aushänge oder im Internet bekommen könne.

Niederflurbusse mit Absenkung, Klapprampen, Haltewunschknöpfe mit Blindenschrift, Abstellbereiche für Kinderwagen und Rollatoren und kontrastreiche Haltestangen sollen dann beim Einstieg und während der Fahrt ihr Übriges tun, damit die Kunden während der Fahrt keine Probleme haben. Und damit nicht genug: Die kommenden Haltestellen werden durchgesagt, gleichzeitig werden auf Monitoren die nächsten drei Stopps angezeigt. So können sich diejenigen, die für den Ausstieg etwas länger brauchen, in Ruhe darauf vorbereiten, sagt Breuer.

Die ausklappbaren Rampen, die entweder durch den Busfahrer oder von anderen Fahrgästen entsprechend verwendet werden, kommen jedoch nicht bei allen Mitgliedern des Ausschusses gut an. Schließlich müsse man andere Menschen um Hilfe bitten. Ein Standpunkt den Breuer jedoch nicht nachvollziehen kann.

„Ich habe vor Kurzem mit einer jungen Frau gesprochen, die unter Barrierefreiheit versteht, dass sie keinen anderen Menschen um Hilfe bitten muss, aber diese Auffassung ist unrealistisch.“ Vielmehr komme man auf diese Weise in Kontakt mit anderen Menschen, ist sich Breuer sicher.

Er ist der Meinung, dass ausklappbare Rampen die richtige Wahl sind. Elektronische Exemplare hätten schließlich vor allem im Herbst und Winter öfter zu Problemen geführt. „Wenn schon ein kleines Steinchen in der Rampe war, ließ sie sich nicht mehr ausfahren“, erklärt Breuer.

Und wie wird das Thema Barrierefreiheit in der Kupferstadt umgesetzt? Bernhard Breuer hatte an diesem Abend gleich mehrere Beispiele im Gepäck, die zeigen, dass beim Thema Barrierefreiheit viele unterschiedliche Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

So beispielsweise auch an der Bushaltestelle am Stolberger Bethlehem-Krankenhaus. Das Problem: Nicht nur die Anfahrt ist schwierig, auch die Rampe, über die Rollstühle, Kinderwagen und Rollatoren vom Bus auf den Bordstein gelangen, kann nicht ausgefahren werden. Der Grund: Es ist kein Platz vorhanden. Das sei an zahlreichen Haltestellen in der Städteregion das Problem, sagt Breuer. Er weiß: „Manchmal kann eine Bushaltestelle einfach nicht entsprechend umgebaut werden.“

Ein weiteres Problem, das bei der Planung einer barrierefreien Bushaltestelle oft unterschätzt werde: Mülleimer und Poller. Sie sind oft Gründe dafür, dass die Rampe entweder nicht ausgeklappt werden kann oder die Nutzer kaum Platz haben um vernünftig ein- und auszusteigen.

Ähnliche Erfahrungen machten in der Vergangenheit auch die Mitglieder des Ausschusses, die im Anschluss an den Vortrag noch lebhaft mit Bernhard Breuer diskutierten. „Die Haltestelle in Vicht an der Kirche ist ein richtiges Drama“, machten die Ausschuss-Mitglieder deutlich. An dieser Stelle müsse dringend etwas getan werden.

Anfahrtswege, Mülleimer und Poller sind jedoch nicht die einzigen Probleme, mit denen die Fahrgäste und Busfahrer regelmäßig zu kämpfen haben. Auch zugeparkte Bushaltestellen würden die Fahrer immer wieder vor Herausforderungen stellen, macht Breuer deutlich. Blockiert ein Pkw die Zufahrt zu einer Haltestelle, kann der Bus nicht nah genug am Bordstein halten. Auch dann kann die Rampe nicht ausgeklappt oder der Bus abgesenkt werden. Für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren ist der Ein- und Ausstieg in diesem Fall kaum möglich.

Doch es gibt in der Kupferstadt auch positive Beispiele für die Umsetzung der Barrierefreiheit an Bushaltestellen. So auch an der Aachener Straße in Büsbach. Dort wird derzeit eine Haltestelle auf Vordermann gebracht. Die Haltestelle am Kreuz in Münsterbusch soll noch in diesem Jahr folgen. Die Arbeiten, die an der Haltestelle am Büsbacher Markt folgen sollen, wurden gerade erst von der Verwaltung ausgeschrieben.

Auch die Mitglieder des Ausschusses für Soziales und Generationengerechtigkeit hatten Ideen, wie die Barrierefreiheit verbessert werden kann. Ihr Vorschlag: Auf der Internetseite oder in einer App für Mobiltelefone sollen sich Kunden bereits vorab darüber informieren können, inwiefern eine Haltestelle barrierefrei ist. Eine gute Idee, die jedoch an der Umsetzung scheitern würde.

„Dafür brauchen wir viel Manpower, weil man die Internetseite oder App ständig aktualisieren müsste. Aber dazu sind wir im Moment einfach nicht in der Lage“, meinte Breuer, der sich jedoch um ein anderes Thema kümmern möchte: Busse, die nicht von der Aseag, sondern von anderen Betrieben unterhalten werden. Ihre Ausstattung wurde von den Mitgliedern des Ausschusses besonders kritisiert. „Wir werden diesbezüglich Gespräche aufnehmen“, versprach Breuer.

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