1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberg: Der Kampf wird als Kunst zelebriert

Stolberg : Der Kampf wird als Kunst zelebriert

Plötzlich war es vorbei mit der beschaulichen Ruhe auf der Stolberger Burg. Kampfkünstler aus der gesamten Region hatten sich - was mittlerweile schon fast eine Tradition an Pfingsten ist - im Rittersaal eingefunden, um dort ihre Techniken einzuüben und zu verfeinern.

Der Lehrgang des Kampfkunstverbandes WTEO wurde einmal mehr von Salih Avci ausgerichtet, der Leiter der WTEO und zugleich Ausbilder der Spezialeinsatzkommandos der Polizei des Landes NRW und der berühmten GSG 9 ist.

Das Seminar in Stolberg reichte über drei Tage: An zwei Tagen wurde in der Halle Prämienstraße trainiert, zum Abschluss ging es dann wieder auf die Burg. „Das ist für die Schüler mal eine andere, eine ganz besondere Trainingsatmosphäre”, begründete Avci die Auswahl des doch eher ungewöhnlichen Seminarstandortes.

Und dennoch: Kampfkünstler auf einer Burg, das passt irgendwie. Immerhin haben die meisten Kampfkünste ihren Ursprung im Kriegshandwerk, wie Avci erläutert. „Heute hat das natürlich einen zivileren Charakter.” Bei den Kampfkünsten Wing Tsun und Avci Escrima, die in der WTEO unterrichtet werden, geht es um Selbstverteidigung für Männer, Frauen und auch Kinder, soweit das für sie schon möglich ist. Avci Wing Tsun stammt aus China und ist ein weitgehend waffenloser Kung-Fu-Stil. Eingesetzt werden Tritte, Kniestöße, Faust- und Ellenbogenschläge sowie Hebeltechniken. Auch der Kampf am Boden ist Bestandteil der Ausbildung.

Avci Escrima hat seinen Ursprung auf den Philippinen. Dabei geht es um den Umgang mit und die Verteidigung gegen Waffen. Trainiert wird primär mit einem Rattanstock.

So klangen auch helle, laute Töne aus dem Rittersaal, als die Stöcke der Lehrgangsteilnehmer aufeinanderprallten, Angriffe und Blöcke unter der Leitung von Salim Avci geübt wurden, dem Leiter der WTEO-Schulen in Aachen, Eschweiler und Stolberg und Bruder von Verbandschef Salih Avci. Am Nachmittag stand Wing Tsun auf dem Programm. Auch zu dieser Zeit ließ das wechselhafte Wetter nicht das eigentlich vorgesehene Training auf den Burghöfen zu, so dass die gut 30 Teilnehmer des Lehrgangs, die überwiegend aus den Verbandsschulen der Umgebung, aber auch aus Köln, Dortmund, Bielefeld, Erkelenz oder Magdeburg nach Stolberg gekommen waren, wieder im Rittersaal trainierten.

An die vier Stunden wurde geübt und geschwitzt, Salih Avci prüfte die Schüler auf den verschiedenen Graduierungen. Auch ein knappes Dutzend Kinder aus den Kindergruppen der Verbandsschulen im Aachener Raum war mit von der Partie. Viele Eltern schauten zu, um zu sehen, wie sich ihr Nachwuchs im wahrsten Sinne des Wortes schlug. Natürlich angepasst an die Fähigkeiten des Einzelnen und ohne Verletzungen.