Stolberg: Der Hasselbach soll wieder ans Tageslicht

Stolberg: Der Hasselbach soll wieder ans Tageslicht

Auf den ersten Blick sieht man ihn gar nicht: den Hasselbach im Zweifaller Zentrum. Der alte Schulhof präsentiert sich heute als großer Parkplatz. Dass dieser „Schulhof“ eigentlich zu einem überwiegenden Teil eine Brücke ist, ist nicht erkennbar. Mittig unter dem Asphalt fließt der Bach von der Ecke des Gasthofes „Zur Post“ kommend durch eine gut fünf Meter breite Unterführung in Richtung Döllscheidter Straße.

Diese wiederum wird ebenfalls mittels eines eigenen Brückenbauwerks unterquert. Beiden Brücken gemeinsam ist nicht nur der Hasselbach, sondern auch ihr Zustand. Sie sind beide so marode, dass Marktplatz und die Straße in der Brückenpassage für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 2,5 Tonnen seit gut einem Jahr gesperrt sind. Eine Sanierung der Bauwerke ist wirtschaftlich nicht möglich. Die Brücken müssen erneuert werden.

„Für diese Erneuerung ist die Genehmigung der Unteren Wasserbehörde bei der Städteregion zwingend erforderlich“, berichtet Bernd Kistermann. Deshalb hat der Leiter des städtischen Amtes für Immobilienmanagement und technische Infrastruktur (AITI) schon einmal bei der Wasserbehörde, aber auch beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) die Eckpunkte abklären lassen, unter welchen Bedingungen neue Brücken im Zweifaller Ortskern überhaupt erst genehmigungsfähig werden.

Neuer Dorfplatz im Huck

Sieht man einmal von den statischen und hydraulischen Erfordernissen ab, „wird die wesentliche Forderung der Behörde in einer zumindest teilweisen Öffnung des Hasselbaches bestehen“, informiert Kistermann. „Dies ist vor dem Hintergrund zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie eine zwingende Auflage“, berichtet der Amtsleiter. Ökologisch ebenso wie chemisch seien die Gewässer in einen „guten Zustand“ zu bringen.

In einer ersten Etappe soll diese EU-Gesetzgebung in diesem Jahr umgesetzt sein, für weitere Gewässer sind Fristverlängerungen bis 2021 bzw. 2027 gewährt. Neben der Gewässergüte gelte für den Hasselbach die Forderung nach einer Aufwertung: „Sobald an dieser Stelle Neubaumaßnahmen vorgenommen werden, ist die Verbesserung der Gewässerökologie zwingende Auflage“, unterstreicht Tobias Röhm.

Während eine konventionelle Straßenbrücke in der Furt der Döllscheidter Straße unter aktuellen Vorgaben des Hochwasserschutzes wahrscheinlich genehmigungsfähig sei, legt der Technische Beigeordnete dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt für seine Sitzung am 19. März (ab 18 Uhr im Rathaus) drei unterschiedliche Varianten vor, wie der Hasselbach im Bereich des alten Schulhofes geöffnet werden könnte. Sie alle haben ihre eigenen Konsequenzen.

„Es müssen die Interessen der Wasserbehörde, des WVER, der Feuerwehr und der Zweifaller Bürger berücksichtigt werden“, betont Röhm. Einer neuen Platzbrücke würde die Wasserbehörde keinesfalls mehr zustimmen; sie befürworte eine komplette Öffnung des Gewässers. Aber für die Feuerwehr sei zwingend eine Aufstellfläche für die Drehleiter vorzusehen. Die Wünsche der Zweifaller sollen zeitnah bei einer Bürgerbeteiligung erkundet werden.

Darüber hinaus gelte es die Ansprüche an die Nutzbarkeit des Platzes zu erkunden, wo bislang Wochenmarkt, Grünschnitt-Container, Weihnachtsmarkt und Karneval eine Adresse finden. Zukünftig biete sich die Möglichkeit, im Huck vor dem Feuerwehrgerätehaus einen zentralen Dorfplatz entstehen zu lassen.

Die Zweifaller Feuerwache soll bald an den Ortseingang in der Münsterau umziehen, wo die Stadtverwaltung voraussichtlich noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Gerätehauses beginnen möchte. Vor diesen Hintergründen hat die Verwaltung drei Varianten erarbeitet.

1,2 Millionen Euro im Haushalt

Welche Kosten bei den Varianten entstehen, ist bis dato noch nicht berechnet worden. Im Haushalt sind jedenfalls 400.000 Euro für die Brücke in der Döllscheidter Straße und 800.000 Euro für den alten Schulhof — jeweils ohne den Aufwand für neue Widerlager — eingestellt. In den nächsten Tagen vor der Sitzung des Ausschusses möchte die Verwaltung noch weitere Eckpunkte und Fördermöglichkeiten ausloten.