Stolberg: Der City-Tarif gewinnt Kunden für Bus und Bahn zurück

Stolberg : Der City-Tarif gewinnt Kunden für Bus und Bahn zurück

Mit dem zum 1. November vergangenen Jahres eingeführten City-Tarif scheinen die Stolberger wieder häufiger Bus und Bahn für die Fahrt in der Innenstadt innerhalb der früheren Kurzstreckenzone 29 zu nutzen. Für eine genaue Analyse fehlt zwar noch das Datenmaterial, aber die ersten vom Aachener Verkehrsverbund (AVV) auf Bitten unserer Zeitung vorgelegten Zahlen belegen eine große Nachfrage.

Demnach wurden von Januar bis einschließlich September in Stolberg für Erwachsene 53.427 Fahrten im verbilligten City-Tarif an den Mann gebracht. Davon wurden 47.379 Einzelfahrten zu 1,80 Euro sowie 6048 Fahrten auf Basis des Vier-Fahrten-Tickets (zu je 1,70 Euro) verkauft. Die Einnahmen daraus summieren sich auf 95 563,80 Euro.

Mit dem zum 1. November vergangenen Jahres eingeführten City-Tarif scheinen die Stolberger wieder häufiger Bus und Bahn für die Fahrt in der Innenstadt innerhalb der früheren Kurzstreckenzone 29 zu nutzen.

Im Vergleich dazu wurden 2013 für den Bereich des Stolberger Stadtzentrums 36.791 Fahrten mit dem Flugs-Ticket zu 1,50 Euro über vier Haltestellen hinweg registriert. Im gesamten Stadtgebiet waren 64.951 Flugs-Tickets verkauft worden. Ein vom AVV bei der Ingenieurgruppe IVV in Auftrag gegebenes Gutachten zur Entwicklung der damals neu eingeführten Kurzstreckenregelung bescheinigte für Stolberg einen Rückgang um 54.478 Fahrten (-6,8 Prozent) auf 742.079 im Vergleich zur alten Regelung ohne Flugs-Ticket.

Diesen Kundenverlust scheint heute der City-Tarif mehr als wettmachen zu können. Die AVV-Prognose für das noch laufende Jahr geht von insgesamt 71.952 verkauften Fahrten mit einer Einnahme von 128.685,60 Euro aus — davon 63.672 Fahrten mit dem Einzel- und 8280 Fahrten mit dem Vierer-Ticket.

Endgültige Verkaufszahlen und aktuelle Angaben zum Flugs-Ticket, den anderen Tarifen und ihrer Fahrgastentwicklung liegen noch nicht vor. Somit ist derzeit nicht absehbar, mit welchem Betrag die Stadt Stolberg den City-Tarif subventionieren muss. Nach den ersten Kalkulationen bei der Einführung liegt die Summe zwischen 42.000 bei einer starken und 53.000 Euro bei einer normalen Nachfrage.

Zu Einführung des City-Tarifs hatte sich der Stadtrat nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung entschieden. Sie wurden laut, als der AVV die Einführung des Flugs-Tickets ankündigte. Das ist mit 1,50 Euro zwar preiswerter als der bis dato geltende Kurzstreckentarif von 1,60 Euro, aber es reichte auch nur für vier Haltestellen. Und auf Stolberg bezogen bedeutete dies, dass für die meisten Kunden die Preisstufe 1 mit damals 2,55 Euro (heute 2,70 Euro) fällig wurde, wenn sie mit Bus und Bahn in die Stadt wollten.

Denn zuvor galt der Kurzstreckentarif für den Bereich 29, in dem seit einem Jahr wieder der City-Tarif gültig ist: von Vicht Kirche im Süden bis Hauptbahnhof und Gut Schwarzenbruch im Norden, zwischen Elgermühle und Sebastianusweg im Westen bis zur Donnerberg-Kaserne im Osten. Kurz­­um: mit dem Kurzstrecken- bzw. City-Tarif haben Stolbergs größte Siedlungsbereiche einen günstigen Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr. Etwa 64 Prozent der Einwohner können für 1,80 Euro in die Innenstadt bzw. nach Hause fahren.

Umgekehrt bremste das vom AVV präferierte Flugs-Ticket die Stolberger aus: Vom Rendezvouspunkt Mühlener Bahnhof kommt man bestenfalls bis zum Oberstolberger Markt für 1,50 Euro. Darüber hinaus würde die nächste Preisstufe für 2,70 Euro fällig.

In den Dörfern bleibt‘s schwierig

Unverändert geblieben ist die Lage in den ehemals drei weiteren Kurzstreckenbereichen 30 (Breinig / Venwegen), 31 (Gressenich / Mausbach / Schevenhütte / Werth) und 32 (südliches Vicht / Zweifall). Dort verhilft das Flugs-Ticket über vier Haltestellen hinweg bestenfalls ins nächste Dorf. Denn wer Pech hat, muss dabei umsteigen, und dann gilt anstelle des Flugs- Tarifs von 1,50 Euro schon wieder die Preisstufe 1 mit 2,70 Euro.

Beispiele dafür? So die Verbindung um 15.45 Uhr zwischen Venwegen Süd und Alt Breinig mit 37 Minuten Fahrtdauer und Umsteigen zwischen den Linien 67 und 35. Wer aber um 15.33 Uhr noch die Linie 61 erwischt, ist in vier Minuten ohne Umsteigen am Ziel und zahlt nur 1,50 Euro. Vergleichbares bietet der Fahrplan auch zwischen Schevenhütte und Gressenich. Und wer mit dem Auto von Breinig nach Zweifall möchte, fährt über den Frackersberg. Der Bus nimmt die Strecke über Vicht und schafft so den Flugs-Tarif.