Der Abriss der Turnhalle an der Bischofstraße verzögert sich

Turnhalle Bischofstraße : Sportstätte, Getreidespeicher und Soldaten-Kino

Noch in diesem Jahr wird die Turnhalle an der Bischofstraße abgerissen. Die Arbeiten finden aber nicht wie geplant im Oktober, sondern im November statt. Viele Büsbacher sind schon jetzt wehmütig. Schließlich hat das Gebäude eine ganz besondere Geschichte. Es diente nicht nur als Sporthalle.

Der Abriss der Turnhalle auf dem Schulgelände an der Bischofstraße verzögert sich. Statt wie geplant im Oktober, sollen die Abrissarbeiten „aufgrund von Problemen bei der Ausschreibung“ erst im November beginnen, teilt der städtische Pressesprecher Tobias Schneider auf Anfrage mit. „Der Submissionstermin fand am 17. September statt, und die Beauftragung der Abrissfirma erfolgt über den Bau- und Vergabeausschuss am 10. Oktober“, umreißt Schneider den Zeitplan.

Die weitere Zeitplanung sei davon jedoch nicht betroffen: Der Abriss soll circa eineinhalb Monate dauern und noch in 2019 abgeschlossen sein. Der Neubau soll im Januar 2020 beginnen und bis Dezember 2020 dauern – was auch die Voraussetzung dafür ist, dass die Stadt Stolberg mehr als 800.000 Euro Förderung vom Land NRW erhält, um die neue Halle zu finanzieren. Ab Januar 2021 könne in Büsbach folglich wieder eine Turnhalle von Schülern und Vereinen genutzt werden.

Erbaut wurde die alte Turnhalle übrigens nicht von der Stadt Stolberg, denn Büsbach war bis 1935 noch eine eigenständige Gemeinde. Doch auch die Gemeinde Büsbach unter dem damaligen Bürgermeister Peter Frühauf zeichnete sich nicht verantwortlich für die Turnhalle. Es war der 1892 gegründete Büsbacher Turnverein, der später in Eigenregie unter der Planung und Bauleitung von Männerturnwart Matthias Drehsen die Turnhalle an der Bischofstraße errichtete. Das Heimat- und Zeitungsarchiv der Interessengemeinschaft Büsbach beleuchtet die Historie der Turnhalle: Im Jahre 1926 erfolgte am Abend des Kirmesdienstags um 18 Uhr der erste Spatenstich. In der Folge arbeiteten viele Büsbacher Bürger an dem Bau der Turnhalle mit, auch ohne Mitglied im Turnverein zu sein.

Denn die Büsbacher haben aus der Not eine Tugend gemacht: Seinerzeit herrschte eine enorm hohe Arbeitslosigkeit, und daher standen zahlreiche Arbeitskräfte den ganzen Tag zur Verfügung. So waren viele Helfer zunächst ehrenamtlich im Einsatz, bis die Büsbacher ihnen dies dankten.

Der Turnverein hatte bei einem Umzug durch den Ort Spenden gesammelt, und die Bürger waren freigiebig, so dass am Ende die freiwillig geleisteten Arbeitsstunden doch noch mit 30 Reichspfennig pro Stunde vergütet wurden. Was den Bau der Turnhalle angeht, war die benötigte Zeit rekordverdächtig. Nach dem ersten Spatenstich wurde innerhalb von acht Tagen der Grundstein gelegt, bis zum Richtfest benötigten die Büsbacher nur zwei Monate. Bereits im Januar 1927 wurde die Turnhalle an der Bischofstraße eingeweiht.

Unter dem Dach befinden sich zwei kleine Rumpelkammern, die mehr als zwei Jahrzehnte lang als Umkleiden für Mädchen und Jungen dienten. Foto: Dirk Müller
Der Mitte der 1970er Jahre errichtete zweigeschossige Anbau bot mehr Raum für dringend benötigte Umkleidebereiche und modernere sanitäre Anlagen. Foto: Dirk Müller

Doch bald folgte der Zweite Weltkrieg, und 1939 wurde die Büsbacher Turnhalle von den Nazis beschlagnahmt und bis 1940 als Getreidespeicher verwendet. Die Turnhalle überstand den Krieg weitgehend unbeschädigt und wurde 1945 von den US-Amerikanischen Besatzern genutzt – die Halle diente den Soldaten als Front-Kino.

Mitte der 1950er Jahre wurde die Turnhalle instandgesetzt und erhielt nun auch Waschgelegenheiten, die es zuvor nicht gab. „Dafür ist sie heute mit allem Komfort ausgestattet“, schrieb der „Heimatblick“ am 29. Dezember 1955, „Fuß- und Waschbecken mit Zapfhähnen für kaltes und warmes Wasser finden sich neben der Brause. Auch hat der Platz noch zu einem Klosett gereicht.“

Doch dieser „Komfort“ war nicht allzu lange zeitgemäß. In den 1970er Jahren drohte sogar eine Sperrung der Turnhalle, da Wasch- und Umkleidemöglichkeiten mangelhaft waren. Jetzt war es die Stadt Stolberg, die Mitte der 1970er Jahre rechts neben der Halle einen zweigeschossigen Anbau errichtete, in dem Sanitär- und Umkleidebereich Platz fanden. Ausbesserungsarbeiten in den vergangenen Jahren konnten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zahn der Zeit doch arg an der Turnhalle genagt hatte und sie derart marode war, dass Abriss und Neubau als beste gangbare Lösung erscheinen.