Ausschuss für Stadtentwicklung berät: Defizite im Einzelhandel sollen gezielt abgebaut werden

Ausschuss für Stadtentwicklung berät : Defizite im Einzelhandel sollen gezielt abgebaut werden

Über ihren Einkaufsstandort sprechen Stolberger schon immer gerne, selten gut, aber oft kontrovers. Die gute Nachricht ist: Es gibt Hoffnung. „Politik und Verwaltung können die nötigen Rahmenbedingungen für die Einzelhandelsentwicklung schaffen“: Das sagt die Cima Beratung und Management GmbH. Ihr Kölner Büro hat die Fortschreibung des Stolberger Einzelhandelskonzeptes vorgelegt. Heute berät erstmals der Ausschuss für Stadtentwicklung über Inhalte des 89 Seiten starken Werks.

Darin bietet die Cima viel Diskussionsstoff. Oder genauer gesagt Analysen und Fakten für eine Debatte, die nicht nur für Freude sorgen werden. Aber das Fazit sei vorweggenommen. Die Stadt hat noch die Möglichkeit, zu steuern und Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Gutachter raten zu einer weiteren „städtebaulichen Attraktivierung der Innenstadt“ sowie zu einer „planungsrechtlichen Steuerung des großflächigen Einzelhandels außerhalb der zentralen Versorgungsbereiche.

Einige Defizite abgebaut

Gleichzeitig sieht die Cima den Stolberger Einzelhandel selbst gefordert. „Die Analyse hat gezeigt, dass Ansätze zur Verbesserung der Wettbewerbssituation bestehen.“ Gleichwohl bescheinigt das Unternehmen der Kupferstadt, dass Defizite in der Versorgung im Stadtgebiet in den letzten Jahren teilweise behoben werden konnten. Aber Ziel müsse es sein, weiterhin Ansiedlungen auf die Innenstadt zu konzentrieren und Defizite im Einzelhandel abzubauen. Wobei nicht vergessen werden darf, dass die Stadt selbst keinen Einzelhandel betreibt, sondern nur Rahmenbedigungen schaffen und bestenfalls Investoren anlocken kann.

Überarbeitet wurde in dem Zusammenhang die sogenannte „Stolberger Liste“, die zentren- und nahversorgungsrelevante  sowie nicht zentrenrelevante Sortimente definiert. Also Sortimente wie Nahrungsmittel, Schnittblumen, Bekleidung und vieles mehr, die nur in der Innenstadt oder ihren Nebenzentren angesiedelt werden dürfen sowie eine Liste von Artikeln von Baumarktwaren über Elektrogroßgeräten bis hin zu Zooartikeln, die auch außerhalb der Innenstadt einen Anbieter finden dürfen.

Das Hauptzentrum Stolbergs ist und bleibt die Innenstadt. Zukünftig werden aber nur zwei Nebenzentren definiert: Breinig und Büsbach als Nahversorgungsbereiche. Infolge des Wegbrechens des Lebensmitteldiscounters am Markusplatz erfüllt Mausbach nicht länger die Mindestanforderungen an einen zentralen Versorgungsbereich. Der Standort wird zukünftig als „integrierte Ortskernlage“ definiert. Und auch der Kistenplatz in Atsch und die Märkte an der Mauerstraße in Münsterbusch gelten fortan nur noch als „Sonderstandorte Nahversorgung“, weil sie überwiegend Autokunden und nicht den Nahbereich versorgen. Das sind seit dem 2008 aufgelegten Zentrenkonzept Folgen der Rechtsprechung.

Weder für Atsch noch für Münsterbusch sieht die Cima Handlungsbedarf zu einem weiteren Ausbau der Angebotsstrukturen. Für Mausbach wird zwar – trotz der Lage am Ortsrand – die Ansiedlung von Aldi und Rewe positiv gesehen. Deshalb bestehe aber für eine weiteres Lebensmittelsegment im Ortskern kein Handlungsbedarf. Dort müsse das bestehende Angebot aber gesichert werden.

Für Büsbach müsse zunächst eine Optimierung des bestehenden, kleinen Nahkauf geprüft werden. Alternativ könne mittelfristig die Ansiedlung eines modernen Lebensmittelmarktes geprüft werden, wobei die Flächen dafür aber derzeit fehlen würden.

In Breinig sollen die vorhandenen Angebotsstrukturen gesichert werden, was auch durch Modernisierung und Flächenerweiterung bestehender Märkte, wie jetzt bei Rewe, erfolgen könne.

Verfügbare Flächen schaffen

Generell gesehen soll die Stadt Ansiedlungs- oder Erweiterungsvorhaben des Einzelhandels mit nahversorgungsrelevanten Sortimenten auf die Innenstadt lenken und dabei sicherstellen, dass Breinig und Büsbach nicht negativ beeinflusst werden. Im Sinne einer möglichst flächendeckenden Nahversorgung könnten solche Betriebe auch außerhalb der zentralen Versorgungsbereiche angesiedelt werden, falls diese nicht darunter leiden würden.

Als Hauptzentrum genießt laut Cima die Innenstadt Priorität bei der Entwicklung. Interessenten sollten vorrangig dorthin geleitet werden. Auch in Breinig und Büsbach wird die Ansiedlung des Einzelhandels mit zentrenrelevanten Sortimenten für sinnvoll gehalten mit Blick auf die jeweilige Versorgungsfunktion. Kleinflächige Angebote seien auch außerhalb der Zentren machbar.

An den bestehenden Fachmarktstandorten, beispielsweise Kistenplatz oder Prattelsack, sollten keine weitere Betriebe mit zentrenrelevantem Sortiment zugelassen werden. Bereits bestehende Betrieben sollen aber Bestandsschutz genießen.

Möglich sein sollen allerdings Angebote, die keine Auswirkungen auf vorhandene Geschäfte in den Zentren haben. Großflächiger Einzelhandel ohne zentrenrelevante Sortimente sollen auf solche bestehenden oder projektierten Fachmarktstandorte gelenkt werden.

Wird großflächiger Einzelhandelt ohne zentrenrelevante Sortimente angesiedelt, sollen Randsortimente, die Zentren betreffen, auf zehn Prozent beschränkt werden. Und grundsätzlich soll nachgewiesen werden, dass bei Ansiedlungen großflächiger Betriebe die zentralen Versorgungsbereiche nicht beeinträchtigt werden.

Für eine Verdichtung des Einzelhandels in der Innenstadt rät die Cima, „erforderliche Flächenverfügbarkeiten zu schaffen“: Grundsätzlich sollten dort aber keine Beschränkungen von Ansiedlungen gelten – eine städtebauliche Verträglichkeit vorausgesetzt.

Mehr von Aachener Zeitung