Das Tor ist nur eine Scheinarchitektur

Damals und heute : Das Tor ist nur eine Scheinarchitektur

Das Tor am Kohlbuschweg ist ein Bauwerk des Historismus: mit burgähnlichen Attributen ausgestattet und im Stil der Neogotik errichtet. Bauherr war Emil Schleicher (1850 - 1933) - Architekt Carl Peltzer (1863 - 1945).

Dieses Tor und ein rechts liegendes weiteres Bauwerk sind auf unserem 1972 entstandenen historischen Vergleichsfoto zu sehen. Deren Entstehungsgeschichte und Hintergründe sind Thema des 147. Teils unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte".

Das aus Bruchsteinmauerwerk bestehende Tor, das eine historisierende Scheinarchitektur ist, war 1908 der Abschluss eines imposanten Wiederaufforstungsprogrammes, das der Industrielle Emil Schleicher initiiert hat. Schleicher, Besitzer und Geschäftsführer der Metallfabrik Matthias Ludolf Schleicher & Sohn, hatte zwischen 1890 und 1908 ein etwa 60.000 Quadratmeter großes Gelände als englischen Landschaftsgarten anlegen lassen. Denn Industrieabgase hatten die Vegetation des westlich des Kupferhofes Unterster Hof liegenden Terrains zerstört. Zum Aufforstungsprogramm und Anlegung des Landschaftsgartens hatten auch die Errichtung von Wasserfällen, Gedenksteinen, Teichen, Grotten, einer Umfassungsmauer mit zwei Toren und eine Grabkapelle gehört.

Den am Kohlbuschweg liegenden Teil des „Schleicherparkes", der auch einen ehemaligen Steinbruch enthielt, hatte der Industrielle erst im frühen 20. Jahrhundert erworben. Um dieses Gelände seinem Landschaftsgarten hinzuzufügen, musste der damalige Kohlbuschweg im oberen Bereich verlegt werden. Denn ursprünglich hatte der Verbindungsweg zum Ortsteil Kohlbusch durch das spätere Parkgelände geführt. Die heutige als Serpentine gestaltete Wegführung ist demnach erst im frühen 20. Jahrhundert entstanden.

Rechts des Kohlbuschweges ist auf dem historischen Foto ein Wohnhaus zu sehen. Dieses Gebäude ist 1966 errichtet worden. Weiter unterhalb in Richtung Eisenbahnstraße ist ein durch eine Mauer abgesichertes Hanggelände abgelichtet. Dieses Gelände wurde in den späten 1990er Jahren mit einem weiteren Wohngebäude ausgestattet. Nicht abgebildet ist das hinter dem Tor liegende Gebäude. Errichtet wurde der hinter dem Tor liegende einstöckige Flachbau 1955. Kurt Schleicher hatte einem Angestellten seiner Firma in dem nach seiner Familie benannten Park ein Grundstück zum Bau einer „Wächterwohnung" überlassen.

So wurde das kleine Gebäude anfänglich bezeichnet, weil der Wohnungsinhaber die technischen Anlagen des benachbarten Metallwerkes zu überwachen hatte sowie für die Ordnung und Sicherheit in dem angrenzenden Parkgelände zuständig war. Strom bekam das Wächterhaus vom unterhalb liegenden Metallwerk. Dieser Zustand, der im Wächterhaus zu Stromschwankungen führte wenn im Werk die Maschinen auf Hochtouren liefen, gehört aber schon lange der Vergangenheit an. Seit Jahrzehnten ist das Gebäude an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen.