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Stolberg: Das „Quartier der Vielfalt“ soll in Stolberg noch folgen

Stolberg : Das „Quartier der Vielfalt“ soll in Stolberg noch folgen

Es schwingt im Ratssaal ein wenig Wehmut mit, als Rainer Kalscheuer von der Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) ein Zwischenfazit für die Talachse der Innenstadt zieht.

Ein Ende des Entwicklungskonzeptes ist in Sicht, und ob die DSK erneut Partner der Stadt bei der neuen Förderkulisse „Starke Quartiere, starke Menschen“ sein kann, muss erst eine Ausschreibung zeigen, wenn Stolberg wie erwartet in das Programm aufgenommen wird. Denn mit den Städtebaumitteln der „Sozialen Stadt“ soll fortgesetzt werden, was bislang noch nicht angepackt werden konnte.

13,3 Millionen Euro Föderung

Man versteht sich: DSK, Rat, Verwaltung, Fördergeber und weitere Akteure haben konstruktiv zusammengearbeitet. Seit 2009 sitzt die DSK mit im Boot, formulierte die Quartiere der Innenstadt ob ihrer ungleichen Struktur als „sieben Amöben“. Heute nennt Kalscheuer sie „Fingerabdrücke“ — wegen ihrer neuen Identitätsfindung und der Hervorhebung der jeweiligen Stärken. Aus sieben Amöben werden in den weiteren Planungsschritten fünf konkrete Handlungsfelder.

2013 läuft der Antrag. 2014 folgt die Förderzusage aus Düsseldorf. Wettbewerbe, Workshops, Ausführungsplanungen und Ausschreibungen laufen an. Im März 2016 folgt der offizielle Startschuss zu den Arbeiten. Es geht los am Bastinsweiher und auf dem Kaiserplatz. Im Mai 2017 wird das neugestaltete Quartier Frankental als erstes Projekt eingeweiht.

„Die eindrucksvollen Pläne wurden fast 1:1 umgesetzt“, schwärmt Kalscheuer. „Der Bastinsweiher ist ein absolutes Impulsprojekt.“ Dass auf dem Kaiserplatz nicht nur die Beete ein wenig verrückt wurden, sondern auch Gastronomie hinzu gekommen ist, sieht er als Glücksfall zur Belebung. Mit dem laufenden Umbau der Rathausstraße erfolge mehr als eine optische Aufwertung bei weiterhin guter Erreichbarkeit.

Der zukünftige Quartiersplatz im Steinweg solle einen Kontrastpunkt setzen, Vichtbach und Burg erlebbar machen und zum Verweilen einladen. Und die Umgestaltung des Willy-Brand-Platzes sorge für ein anspruchsvolles Entree zur Innen- und Altstadt. Zudem begleiten Fassadenförderung, Beleuchtungskonzept und Verfügungsfonds die neuen Akzente in Stolberg.

Elf Millionen Euro Fördermittel sind bereits bewilligt. Unter dem Strich werden es rund 13,3 Millionen Euro sein, wobei Mehrkosten mitgetragen worden sind, so dass es beim 20-prozentigen Eigenanteil der Stadt bleibe.

Konkret weiter geht es neben der Rathausstraße im Herbst mit dem Abriss der Häuser Steinweg 38 und 40. „Die letzten vorbereitenden und begleitenden Untersuchungen werden jetzt beauftragt“, sagt Tobias Röhm. 2019 wird der Quartiersplatz mit den Nebenanlagen zur Rathausumfahrt hin fertiggestellt sein können, so der Technische Beigeordnete. Dann werde der Willy-Brandt-Platz angepackt. Dazu kann die Stadt den Behörden jetzt auch Verkehrsgutachten zum Bahnübergang vor, so dass der Bereich ampelfrei bleiben könne. 2020 endet das Entwicklungskonzept für die Talachse.

Aber Stolberg zeigt sich sicher, dass es nahtlos weitergehen kann — mit dem nächsten Förderprojekt an gleicher Stelle. Nahtlos soll der Heinrich-Böll-Platz angepackt werden, so dass der Oberstolberger Markt aus einem Guss gestaltet wird. Ebenfalls aus Mitteln der „Sozialen Stadt“ steht der Geschwister-Scholl-Platz auf der Agenda.

Und die Mühle? Hier blieb selbst die DSK noch vage mit dem „Quartier der Vielfalt“. Fassadengestaltung, Aufwertung der Eingangsbereiche und Vicht-Passagen, Begrünung der Plätze waren vor einem Jahrzehnt erste Überlegungen. „Städtebau alleine ist nicht ausreichend“, betont Tobias Röhm. „Soziale Instrumente müssen Hand in Hand greifen.“

Angedacht ist, Kulturzentrum und Kaplan-Dunkel-Platz mit allen Akteuren in Wert zu setzen als einen Ort der Bildung, der Begegnung, des Spiels und des Lernens sowie den Mühlener Markt aus seinem Schattendasein herauszuholen. Wie genau das geschehen könnte, das wird bei einer Aufnahme Stolbergs in die Förderkulisse wieder mit Wettbewerben und Workshops unter Beteiligung der Bürger erarbeitet.