Papier-Sammelteam: Das mit der guten Tat wörtlich genommen

Papier-Sammelteam : Das mit der guten Tat wörtlich genommen

Seit mehr als 30 Jahren gehört Werner Weber zum Papier-Sammelteam St. Hermann-Josef. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen Kollegen vor dem Pfarrheim Oase, wo die Herren das Papier für einen guten Zweck annehmen.

Welche Projekte das Team bisher unterstützt hat, wie viel Papier an so einem Tag zusammenkommt und warum der Preis in den letzten Jahren gefallen ist, hat er im Interview unserer Mitarbeiterin Marie-Luise Otten erzählt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Papier zu sammeln?

Weber: Der Initiator war Toni Gier, ehemaliger Rektor der Propst-Grüber Hauptschule und in der Pfarre St. Hermann-Josef tätig. 1983 versammelten sich erstmalig vier oder fünf Leute um ihn, um mit dem Sammeln von Altpapier einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und mit den Einnahmen soziale Projekte zu unterstützen. Toni Gier war über Jahrzehnte die gute Seele und die treibende Kraft in unserer Gruppe, der sich bis ins hohe Alter um alles gekümmert hat. Seinerzeit haben viele Vereine gesammelt, aber nach relativ kurzer Zeit das Sammeln wieder eingestellt. Nachdem auch der Arbeitskreis „Mutter Teresa“ in Atsch sich vor fünf Jahren aufgelöst hat, sind wir meines Wissens die Einzigen, die noch übrig geblieben sind. Papier ist ein wertvoller Rohstoff. Im Jahre 2016 wurden für die Herstellung von Papier 75 Prozent Altpapier eingesetzt und für die Herstellung von Zeitungspapier sogar 100 Prozent. Deshalb ist es wichtig, es zu sammeln und fachgerecht zu entsorgen, denn es kann wieder aufbereitet und genutzt werden.

Was gehört zum Papier alles dazu?

Weber: Werbeprospekte, Wochen-/Tageszeitungen, Flyer, Postwurfsendungen und so weiter. Darüberhinaus Pappverpackungen zum Transport von Waren. Wir sammeln alles unsortiert, da wir nicht die personelle Kapazität haben, die Papierarten voneinander zu trennen.

Wie viel Tonnen sind in den vergangenen Jahren zusammengekommen und wie hoch war der Erlös bis jetzt?

Weber: Wir führen eine genaue Statistik. Das waren Stand Ende 2018 2005 Tonnen Altpapier, die einen Erlös von 41.300 Euro erbracht haben.

Welche Projekte haben Sie damit unterstützt?

Weber: Angefangen hat es mit einer Art Gemeinde-Caritas. Unser damaliger Pfarrer Wim Buscher wusste, wem in der Gemeinde geholfen werden musste. Wir haben auch die Pfadfinder bei mehreren Afrika-Projekten unterstützt, die Hungernothilfe in Somalia, die Flutopfersammlung des Bistums, Betroffene eines Wohnungsbrands in Stolberg, das Schulprojekt „Breakfast 4 Kids“, die Stolberger Tafel, der Verein „Menschenskind“, den SkF, die Eingliederung von Flüchtlingskindern in die Grundschulen Hermannstraße und Grüntalstraße, um nur einige zu nennen.

Wer gehört Ihrem Team noch an?

Weber: Rolf Ziehe, ein alter Pfadfinder, nahm das mit der „guten Tat“ wörtlich und nachdem er einmal ausgeholfen hatte, ist er gleich geblieben. Harry Keufgens fährt schon seit Jahren, oft von seinen Söhnen begleitet, mit seinem Anhänger verschiedene Geschäfte wie Apotheke, Party-Service, Reisebüro an und holt dort das Papier ab. Hans Stang springt ein, wenn Not am Mann ist, und wir freuen uns über unseren jüngsten Zugang, Udo Preetz, der uns seit vier Jahren am Container hilft, die Kartons der geparkten Autos zu entladen. Dann möchte ich noch den Elmar Strobel erwähnen, der uns freundlicherweise immer mit Kaffee versorgt.

Wer verwaltet die Einnahmen? Und wer bestimmt, wohin das Geld fließt?

Weber: Die Einnahmen verwaltet die Rendantur der Pfarre St. Lucia. Unser Team überlegt sich am Ende des Jahres, wofür das Geld zu hundert Prozent eingesetzt wird. 2018 beliefen sich die Einnahmen auf 1080,50 Euro. Eingesetzt wurde das Geld für die Rom-Wallfahrt der Messdiener, die Pfadfinder Stolberg, das Küchenprojekt des Obdachs Kelmesberg, das Kinderhaus Arbol de la Esperanza e.V. Ecuador (Zuflucht und Halt für Straßenkinder) sowie für eine junge Frau ausgegeben, die die dringend benötigte Reha nicht von der Versicherung bezahlt bekommt.

Woher beziehen Sie Ihren Container für das Papier?

Weber: Mit der Firma Habold GmbH in Stolberg hat unser Team einen starken Partner für kompetente Altpapierentsorgung gefunden. Wir arbeiten von Beginn an zusammen. Die Firma stellt die drei Tonnen schweren Container auf, holt sie ab, sortiert und bereitet das Altpapier für die verschiedenen Papierfabriken auf. Neuerdings hat die Firma Schönmackers die Firma Habold übernommen. Wir sind sicher, dass wir auch mit dieser Firma gut zusammen arbeiten werden und hoffen auf das gleiche soziale Engagement.

Wie viel Geld gibt es für eine Tonne?

Weber: Alle drei Monate erhalten wir eine Rechnung, auf dem der Preis pro Tonne ausgewiesen ist, der allerdings in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich war. Das Maximum waren 70 Euro/Tonne. Aufgrund der hohen Nachfrage hatte der Preis sich eine Zeitlang auf 50 Euro/Tonne eingependelt, ist aber seit April 2018 auf 30 Euro/Tonne gefallen. 2009, im Jahr der Weltwirtschaftskrise, lag der Erlös pro Tonne bei 2,38 Euro/Tonne, d.h. wir hatten an einem Samstag ganze sieben Euro verdient.

Hängt das vielleicht mit dem Sammelergebnis zusammen?

Weber: Da der Weltmarkt den Preis bestimmt, können wir nur über die Menge gesammelten Papiers unseren Erlös steigern. Das Sammelergebnis ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Sammelten wir im Jahre 2007 noch gut 53 Tonnen, so waren es 2018 nur noch 31 Tonnen. Die Ursache für den Rückgang liegt zum großen Teil darin begründet, dass die Stadt Stolberg, vielmehr die von ihr beauftragte Entsorgungsfirma, mittlerweile auch Papier sammelt. Zum anderen sind viele unserer über Jahre treuen „Kunden“ aus dem Viertel verstorben oder aus Altersgründen nicht mehr in der Lage, Papier zu bringen und Neue sind kaum hinzugekommen. Deshalb würden wir uns freuen, wenn sich der ein oder andere durch diesen Artikel angesprochen fühlt und uns demnächst unterstützen wird.

An wen können sich Interessierte wenden, wenn sie keine Möglichkeit haben, Papier vorbei bringen zu können oder sonstige Fragen haben?

Weber: Gerne bei mir unter der Rufnummer 02402/27394.

Wann ist der nächste Sammeltermin?

Weber: Immer am ersten Samstag im Monat von 9 bis 12.30 Uhr vor dem Pfarrheim Oase auf der Liester. Sollte der erste Samstag im Monat allerdings ein Feiertag sein, wird am darauf folgenden Samstag gesammelt.