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Stolberg: "Das Krankenhaus soll nicht als eine Maschinerie wahrgenommen werden"

Stolberg : "Das Krankenhaus soll nicht als eine Maschinerie wahrgenommen werden"

In schwierigen Zeiten hat Helmut Drummen (42) ein verantwortungsvolles Ehrenamt übernommen: Er ist seit wenigen Tagen offiziell Vorsitzender des Kuratoriums des Bethlehem-Krankenhauses.

Drummen ist als Anwalt in Aachen selbstständig tätig. Die Arbeit für das Stolberger Krankenhaus ist nicht die einzige ehrenamtliche Aufgabe, die der fünffache Familienvater in Stolberg übernommen hat.

Das Krankenhaus gehört, salopp gesagt, der Pfarrgemeinde. Ist das noch zeitgemäß? Welche Funktion hat in diesem Zusammenhang das Kuratorium?

Drummen: Träger des Krankenhauses ist die Pfarrgemeinde St. Lucia. Der Kirchenvorstand verwaltet das Krankenhaus. Das ist historisch aus dem Hospizgedanken heraus begründet und in der Tat nicht mehr so ganz zeitgemäß. Der Kirchenvorstand bildet eine Art Fachausschuss, wie man es auch aus der Politik kennt. Dieser Fachausschuss heißt Kuratorium, von dem ich jetzt Vorsitzender geworden bin.

Da haben Sie mit den anderen Mitgliedern des Kuratorium großen Einfluss auf das Bethlehem.

Drummen: Der Kirchenvorstand hat das letzte Wort bei der Einstellung von Chefärzten. In letzter Zeit haben wir dabei die Dienste eines Headhunters in Anspruch genommen. Der Kirchenvorstand hat aber auch das letzte Wort bei Investitionen größeren Umfangs. Und er muss die Verwaltung überwachen, er ist so eine Art Aufsichtsrat. Das alles erfordert große Sachkenntnis. Auch ich habe dem Kuratorium schon mehrere Jahre zunächst als Gast, dann als Mitglied angehört, bevor ich Vorsitzender geworden bin. Und jetzt bin ich froh, dass mein Vorgänger im Amt, Dr. Bertram Laurs, Mitglied des Kuratoriums bleibt und uns mit Rat und Tat zur Seite steht.

Beim Neujahrsempfang und auch sonst wurde schon oft betont, dass das Bethlehem ein christliches Haus ist. Was bedeutet das?

Drummen: Die Betonung des christlichen Elements ist wichtig. Es bedeutet, dass wir uns die allergrößte Mühe geben, den Menschen als Menschen und nicht als Nummer zu sehen. Patienten sollen mit ihren Sorgen und Ängsten ernst genommen werden. Es gibt auch Seelsorge im Krankenhaus. Das Krankenhaus selbst soll nicht als eine Maschinerie wahrgenommen werden, das Haus kann auch nicht wie ein rein wirtschaftliches Unternehmen geführt werden. Es ist mehr, obwohl wir gerade in heutigen Zeiten die wirtschaftlichen Aspekte nicht vernachlässigen dürfen.

Sie sind auch Mitglied im Kirchenvorstand. Wie wichtig ist Ihnen Religion?

Drummen: Mir persönlich war nur in meiner Teenagerzeit meine Religion nicht wichtig. Aber da neigt wohl jeder zur Rebellion. Dann gab es eine neue Hinwendung. Ich bin generell an Menschen interessiert. Und ich denke, man sollte nicht nur auf Zahlen und Geld schauen und für sich leben, sondern auch uneigennützig für andere da sein. Wenn wir uns alle nur noch um uns selbst kümmern, dann verkümmert alles. Ich bin natürlich durch mein Elternhaus geprägt, einer meiner Urgroßväter war in der Nazizeit Centrumsabgeordneter, kam ins Gefängnis und einige Monate in ein KZ. Mag sein, dass sich das Interesse am Engagement für die Allgemeinheit von dort her erhalten hat.

Anderes Thema: Sie haben in Bonn und Münster studiert, aber auch in Lausanne an einer so genannten Elite-Universität.

Drummen: Bonn und Münster waren Massenbetriebe, wo der Einzelne allein gelassen wird. Die Hochschule in der Schweiz war stark verschult, mit kleinen Kursen, die Lernmöglichkeiten waren hervorragend. Die Unterstützung der Dozenten, aber auch der Druck waren größer als in Deutschland. Ich habe das als sehr angenehm empfunden und könnte mir vorstellen, dass es Sinn machen würde, Unis für die Besten der Besten auch in Deutschland einzurichten. Wichtig ist: Es sollte einzig und allein nur die Eignung und nicht das Geld entscheidend sein, ob jemand diese Unis besuchen darf.

Sie haben als Anwalt für Familienrecht, der gerade eine Weiterbildung zum Mediator macht, gut zu tun. Trotzdem engagieren Sie sich noch im Karneval.

Drummen: Ja, ich bin bei der Ersten Großen Leiter der Jugendabteilung. Und das, obwohl ich als Student gar kein Freund vom Karneval war. Aber meine Kinder sind nach und nach im Karneval aktiv geworden, und so bin ich reingerutscht. Es hat mir einfach viel Spaß gemacht. Mein Sohn Malte war übrigens letztes Jahr Kinderprinz.

Karneval in Stolberg, da ist doch manchmal das Niveau ein bisschen unter dem Teppich. Stört Sie das nicht?

Drummen: Doch, das Niveau sollte eingehalten werden, aber Karneval ist mehr als nur ein paar Sitzungen. Es gibt Freundeskreise, die das ganze Jahr über viel zusammen unternehmen. Die Ehrenhut, das ist eine Formation der Ersten Großen, ist ein Freundeskreis, in dem man sich gut aufgehoben fühlt.

Sie sind zwar in Köln geboren, aber in Stolberg aufgewachsen. Stört es Sie, dass Ihre Heimatstadt auswärts so ein schlechtes Image hat?

Drummen: So schlecht ist das Image von Stolberg nun auch nicht. Die Innenstadt hat viele Probleme, doch vieles wird schlechter dargestellt als es ist. Welche Stadt in der Region außer Monschau hat denn so eine pittoreske Altstadt? Wer hat eine solche Burg mitten in der Stadt? Theoretisch müsste da vieles möglich sein. Das Umfeld für nette Kneipen und Geschäfte ist vorhanden. Dass sich daraus nichts machen lässt, ist für mich unverständlich. Ich habe selbst keine Lösung, aber es wundert mich schon lange, dass die Innenstadt touristisch nicht funktioniert. Das Umfeld ist nämlich einfach klasse.