Stolberg: Das „Ketsch“ hat alle flüssigen Modetrends überdauert

Stolberg: Das „Ketsch“ hat alle flüssigen Modetrends überdauert

Die Liste der Zutaten ist kurz: Man nehme Wasser, Malz, Hopfen und Hefe — Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Konservierungsstoffe und andere Ingredienzien sind absolut tabu für deutsche Biere. So forderte es schon am 23. April 1516 der bayerische Herzog Wilhelm IV. in einem Erlass, und das Reinheitsgebot hat bis heute Bestand.

Zum 20. Mal feiert die Republik am Mittwoch den „Tag des Deutschen Bieres“. Etwa 5000 verschiedene Sorten der „Hopfenkaltschale“ werden in Deutschland gebraut, und von 1817 bis 1985 kam eine davon aus der Kupferstadt: das legendäre Ketschenburg Pils.

2008 belebte Dr. Rüdiger Fröschen, Besitzer des Restaurants „Burghof“, die Marke wieder. „Es war eigentlich als ein besonderer Clou für das Restaurant gedacht“, erinnert er sich. Doch es kam anders, und die Wiedererweckung des Labels Ketschenburg wurde zu einer kleinen Stolberger Erfolgsgeschichte.

Mehrere Kupferstädter Gaststätten schenken inzwischen das Pils aus, fünf davon frisch vom Fass. Und nicht nur dort heißt es immer öfter „catch a ketsch“: 2009 folgte „Ketsch“ in Flaschen, und damit erweiterte sich der Kundenstamm um Getränke- und Supermärkte sowie Tankstellenshops. Zwischenzeitlich wurden die Varianten „Galmei Ketsch“ und „Lemon Ketsch“ vertrieben — und wieder eingestellt.

Galmei und Lemon nicht mehr „in“

„Beide liefen jeweils ein Jahr gut, dann gab es kaum noch Nachfrage dafür. Es waren wohl Modegetränke“, erläutert Fröschen. Das Ketschenburg Pils hingegen habe die „flüssigen Modetrends“ überdauert, und erst kürzlich habe er weitere Anfragen von Gaststätten und einer Supermarktkette erhalten. Gebraut wird das Bier seit 2008 in der Nähe von Schweinfurt im unterfränkischen Bayern.

„Für eine eigene Brauerei in Stolberg reicht die Nachfrage nach dem Bier einfach nicht aus“, erklärt Fröschen und: „So wie es jetzt ist, können wir mit unserem kleinen selbsttragendem Geschäft zufrieden sein“. „Noch“, gibt Helmut Kappes, einziger Mitarbeiter des Kupferstädter Ketschenburg-Vertriebs, zu bedenken.

820 Kilometer Transportweg

„Wird im nächsten Jahr tatsächlich die Lkw-Maut bereits bei Fahrzeugen ab 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht eingeführt, bekommen wir ein Problem“, meint Kappes. Er legt gut 820 Kilometer zurück, um das Ketschenburg Pils von Bayern in die Kupferstadt zu holen — mit einem Lastkraftwagen, der inklusive voller Beladung knapp weniger als zwölf Tonnen auf die Waage bringt und somit zurzeit nicht mautpflichtig ist.

„Wir können nur hoffen, dass das auch so bleibt und wir keine Mautgebühr auf den Ketsch-Preis umlegen müssen.“ Dieser Hoffnung schließen sich wohl viele Stolberger an, denn das „Ketsch“ ist mehr als nur ein Beitrag zu der großen Sortenvielfalt deutschen Bieres — es ist ein flüssiges Stück Kupferstädter Identität.

Mehr von Aachener Zeitung