Stolberg-Liester: Das Haus Gottes ist ein schlichter Backsteinbau

Stolberg-Liester: Das Haus Gottes ist ein schlichter Backsteinbau

Zwei Künstler - der Stolberger Graveurmeister Ludwig Mohnen (1910 - 1976) und der Mulartshütter Bildhauer Hermann Pier (1925 - 1984) - haben die sakrale Kunst der Kirche St. Hermann-Josef geprägt.

Während Mohnen Kupfer, Messing und Bronze bevorzugte, fertigte Pier seine Werke in Blaustein, Basaltlava und Holz an. Aus Blaustein ist die Skulptur, die Pier in den 60er Jahren schuf. Sie zeigt den Pfarr- und Kirchenpatron St. Hermann-Josef, der um 1240 als Prämonstratenser im Kloster Steinfeld (Eifel) lebte. Aus Bronze ist das Kreuz, das Mohnen in den 60er Jahren herstellte und das den Altarraum der 1967 eingeweihten Kirche schmückt.

Im Heidegebiet

Vor 40 Jahren wurde der Backsteinbau geweiht, der in einem einstigen Bergbau- und Heidegebiet errichtet, den zweiten Kirchenneubau in der Stolberger Nachkriegsgeschichte darstellte. Ein Jahr zuvor, 1966, hatte man in der Velau das St. Franziskus Gotteshaus eingeweiht. Dem Bau der Kirche St. Hermann-Josef war eine Entwicklung vorausgegangen, die von einem Bauboom ohnegleichen gekennzeichnet war.

Wo vor dem Kriege Sand, Zinkerz und Bruchstein gefördert wurden und nur sieben Häuser lagen, entstand Ende der 50er / Anfang der 60er Jahre ein neuer Stadtteil. Die 1945 fast unbebaute Gemarkung „Liester”, die bis 1935 zur Gemeinde Büsbach gehörte, war Anfang der 60er Jahre so stark besiedelt, dass sich der zuständige Pfarrer Karl Scheidt von Münsterbusch um den Bau eines Gotteshauses und die Errichtung eines neuen Seel-sorgebezirks bemühte. 1964 gründete man den Kirchenbauverein „St. Hermann-Josef”.

Ein Jahr später wurde aus Teilen der Pfarrgemeinden Herz-Jesu (Münsterbusch), St. Hubertus (Büsbach) und St. Lucia (Oberstolberg) die Vikarie St. Hermann-Josef gegründet. Vikar wurde der Münsterbuscher Geistliche Wilhelm Buscher, der 1990 zum Pfarrer der neuen Pfarrgemeinde ernannt wurde. Anfangs diente die Aula der Propst-Grüber-Hauptschule als Raum für Gottesdienste. Nachdem die Büsbacher Pfarre St. Hubertus an der Ardennenstraße ein Grundstück zur Verfügung gestellt hatte, konnte im Mai 1966 die feierliche Grundsteinlegung erfolgen.

Weite des Raumes

Den Entwurf für die Kirche St. Hermann-Josef fertigte der Eschweiler Architekt Heinz Kaldenbach an. Er hat eine Saalkirche entworfen, die auf einer fast quadratischen Grundfläche steht. Das Innere wird geprägt von der Weite des Raumes. Tageslicht spenden große Fensterbänder. Gestaltung erhält St. Hermann-Josef durch die Inneneinrichtung.

Im Altarraum fällt das von Mohnen geschaffene Kreuz ins Auge, dessen Kreuzarme von Bergkristallen geschmückt werden. Im Bereich der Nordwestwand liegt eine Andachtskapelle. Der rund 90 Quadratmeter große Raum wird für kleine Gottesdienste und Feiern genutzt. Den Anschluss zu dem separat liegenden, rund 25 Meter hohen Turm, stellt ein Sakristeigebäude her.

Der schlichte Backsteinbau besitzt eine hervorragende Akustik. Und so ist es nur verständlich, dass die Kirche in der Vergangenheit des öfteren als Konzerthalle diente. Die Pfarre St. Hermann-Josef wird von einem regen Gemeindeleben geprägt: Vereine, Gruppen und Initiativen kümmerm sich um die sozialen, kulturellen und kirchlichen Belange.

Um der regen Gemeinde außer der Kirche einen Mittelpunkt zu verschaffen und die Jugendarbeit voranzutreiben, entwarf Architekt Rolf Dahmen 1981 am Pirolweg ein Pfarrheim, das später „Oase” getauft wurde. Seit 1993 wird die Pfarrgemeinde St. Hermann-Josef, deren Gotteshaus am Wochenende sein 40. Jubiläum feiert, von Pfarrer Ferdi Bruckes geleitet.

Zum Jubiläum gibt es ein Fest für alle Sinne

Gefeiert wird mit einer großen Festmesse am 1. Adventsonntag, 2. Dezember, um 11 Uhr. Zur Aufführung gelangen die Messe in G-Dur von Franz Schubert sowie die Alt-Arie und das Quartett aus dem „Elias” von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Dabei wird die Chorgemeinschaft St. Hermann-Josef vom Kammermusikkreis Würselen begleitet. Als Solisten treten auf Marlies Buchmann (Sopran), Barbara Koreneef (Alt), Franz Grünweller (Tenor) und Christian Brülls (Bass); Orgel spielen Richard Klein und der langjährige Kantor der Pfarre, Peter Rath. Die musikalische Leitung hat Christoph Leuchter.

Wegen der guten Akustik auf der Liester dürfte das Ganze zum Fest für alle Sinne werden: Im Anschluss an die Messe lädt der Pfarrgemeinderat im Foyer der Kirche zu Umtrunk und Imbiss ein.

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