Stolberg: Das Geschäft mit alten Windeln

Stolberg: Das Geschäft mit alten Windeln

Kleine Kinder machen nicht nur viel Arbeit, sondern kosten auch eine Menge Geld. Alleine für die Anschaffung und die Entsorgung von Windeln müssen Eltern oft tief in die Tasche greifen. Jetzt überlegt die Stolberger Stadtverwaltung, jungen Familien unter die Arme zu greifen.

So könnten sie Müllzusatzsäcke, die in der Kupferstadt angeboten werden, billiger bekommen als andere Bürger. Solche Müllsäcke sind für Haushalte gedacht, die mit ihren Normalmülltonnen nicht auskommen. Für Menschen, die ein ärztliches Attest wegen Inkontinenz vorlegen, gibt es die Müllsäcke bereits günstiger.

Lebenshaltungskosten steigen

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Fraktion der Sozialdemokraten im Rat vorgeschlagen, Familien mit Kindern unter drei Jahren im Sinne der Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit durch niedrigere Gebühren für diese Müllsäcke ein wenig zu entlasten. Möglich wäre das durch eine entsprechende Änderung der Abfallsatzung der Stadt Stolberg.

Die Lebenshaltungskosten, so argumentieren die Sozialdemokraten, hätten sich in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich erhöht. Lohn und Rente hätten jedoch nicht Schritt halten können. Auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei es wichtig, jungen Familien in der Kupferstadt attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen. „An dieser Stelle kann die Kupferstadt ein Zeichen setzen für Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit“, so die SPD in ihrem Antrag.

Sollte sich der Sozialausschuss heute für die Kostenreduzierung für Familien entscheiden, dann wird eine Empfehlung an den Haupt- und Finanzausschuss sowie an den Stadtrat erteilt. Denn die Änderung der Satzung würde sich finanziell im Stadtsäckel bemerkbar machen.

„Durch die Erweiterung des berechtigen Personenkreises reduzieren sich natürlich die Einnahmen aus den Abfallgebühren“, erklärt Robert Walz, Pressesprecher der Kupferstadt. So erwartet die Stadt, dass bis zu 35000 Euro weniger eingenommen werden könnten. Die Verwaltung hat dabei folgendermaßen gerechnet: Im November 2014 gab es 1388 Kinder unter 3 Jahren in der Kupferstadt.

Rechenspiele mit Müllsäcken

Wird nun pro Familie mit Kindern in diesem Alter eine Rolle mit Zusatzsäcken à 25 Stück ausgegeben, wobei ein preisreduzierter Sack 3 Euro kostet, dann fließt in den städtischen Haushalt eine Summe von rund 104.000 Euro ein. Zum Vergleich: Im regulären Verkauf nimmt die Stadt pro Sack 4 Euro ein. Hierbei würden bei den Kleinkinder-Familien bis zu 138.800 Euro zusammenkommen, was die oben angegebene Differenz erklärt. „Dass man die Säcke an den Kiosken der Stadt für 5 Euro pro Stück bekommt, liegt daran, dass ein Euro als Erlös beim Kioskbetreiber bleibt“, sagt Robert Walz.

Weitere Kosten könnten dadurch auf die Stadt zukommen, dass überprüft werden muss, wer alles Anspruch auf die billigeren Müllsäcke haben könnte. Das führe zu einer höheren Bindung der Arbeitskräfte an den betreffenden Stellen, schätzt die Verwaltung.

„Diese rechnerische Differenz muss dann aus allgemeinen Haushaltsmitteln beglichen werden“, erläutert Stadtsprecher Walz. Diesen Schritt hatte man — zumindest bislang — aufgrund der schwierigen finanziellen Situation der Kupferstadt Stolberg immer gescheut. Jetzt aber spricht das zuständige Amt davon, die Abfallsatzung dahingehend zu ändern, dass an Inkontinenz erkrankte Menschen und Familien mit Kindern, die Windeln brauchen, gleich behandelt werden.

Auch die Sozialdemokraten heben die positiven Effekte für die Familien hervor und werfen als zusätzliches Argument in den Raum, dass sich durch niedrigere Müllgebühren die illegale Entsorgung von Abfällen besser vermeiden lasse.

Insgesamt nimmt die Kupferstadt Stolberg durch Müllgebühren rund 5,3 Millionen Euro ein. In gleicher Höhe liegen auch in etwa die entsprechenden Ausgaben, wie Robert Walz erklärt.