Stolberg: Damals und heute: Aus Tuchmanufaktur wird eine Schule

Stolberg: Damals und heute: Aus Tuchmanufaktur wird eine Schule

Der 125. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“ beschäftigt sich mit dem am Heinrich-Böll-Platz errichteten Kupferhof Schart.

Das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto zeigt die Doppelhofanlage vor ihrem Umbau und ihrer Sanierung in den 1980er Jahren. An der rechten Seitenfront sind im Erdgeschoss große Fenster zu sehen. Sie dienten der Belüftung und Belichtung der dort liegenden Klassenräume.

xx Foto: T. Dörflinger

Schließlich wurde der frühere Kupferhof zum Abbildungszeitpunkt als Schulgebäude genutzt. Drei Jahre nach Entstehung des historischen Fotos wurde die dort ansässige Förderschule in das eigens für sie errichtete Gebäude an der Talstraße verlegt.

Als Messingproduktionsstätte ist die alte Hofanlage um 1600 entstanden. Als Bauherren kommen Mitglieder der Kupfermeisterfamilie Schleicher in Frage. Der Hof besaß Hammerwerke und eine Gießerei für die Herstellung und Weiterverarbeitung von Messingerzeugnissen. Ein von der Vicht abgeleiteter Wassergraben lieferte den Mühlrädern die erforderliche Energie.

Mühlräder wurden für den Antrieb der Hammerwerke benötigt. Im frühen 19. Jahrhundert ging der Scharthof in das Eigentum der Familie Stoltenhoff über, die dort eine Tuchmanufaktur einrichtete.

Die Stoltenhoffs stammten aus Wetten an der Ruhr und hatten im späten 18. Jahrhundert über Eschweiler den Weg nach Stolberg gefunden. Ihr erster hiesiger Standort war der Hof Krone am Steinweg. Wenig später kam wie zuvor erwähnt der Hof Schart hinzu.

Als Schule genutzt

1873 erwarb die Stadt Stolberg die Gebäude, um die Räume des anfänglichen Kupferhofes und der späteren Tuchmanufaktur als Schule nutzen zu können.

Zeitweise war dort auch ein Kindergarten untergebracht. Eine neue Verwendung fand der am Heinrich-Böll-Platz liegende Gebäudeteil, als 1981 der Förderverein zur Gründung eines Heimat- und Handwerksmuseums entstand. Im Erd- und Obergeschoss gelegene Räume dienten danach als Ausstellungsfläche für historisch handwerkliche Gerätschaften, die man aus der Sammlung des Eschweiler Bürgers Paul Zysk erworben hatte.

Zwei Jahre später bezog das Heimat- und Handwerksmuseum seinen endgültigen Standort in der Torburg. 1986 erfolgte die grundlegende Sanierung der traditionsreichen Gebäulichkeiten. Seitdem wird der frühere Kupferhof als Gaststätte, Arztpraxis und Wohnanlage genutzt. Die am Heinrich-Böll-Platz gelegenen Gebäude sind im Baustil des Klassizismus errichtet wordent. Im Jahr 1808 erfuhr die Außenfassade durch die Familie Stoltenhoff eine grundlegende Veränderung.

Der bisher an der Nordseite gelegene Zugang - die ursprüngliche Tordurchfahrt ist dort noch zu erkennen - wurde zur Westseite verlegt. Bestandteil der Veränderungen auf der Westseite war auch ein neuer Balkon, dessen schmiedeeisernes Gitter mit floralen Elementen und Löwenköpfen verziert ist. Seit September 1983 ist der Kupferhof Schart in die Baudenkmalliste der Stadt Stolberg eingetragen.