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Beratungsstelle für Schwangere : „Corona ist bei unseren Klienten angekommen“

Beratungsstelle für Schwangere : „Corona ist bei unseren Klienten angekommen“

Seit Mitte März bestimmt Corona den Alltag der Menschen – auch in Stolberg, Eschweiler und der gesamten Städteregion. Welches Ausmaß die Auswirkungen der Pandemie haben, wird allerdings erst jetzt – rund vier Monate später – so richtig deutlich.

Diese Erfahrung haben zumindest Claudia Blau, Katja Bock und Martina Breidt gemacht. Sie sind beim Sozialdienst katholischer Frauen im Bereich Rat und Hilfe tätig und für Stolberg, Eschweiler sowie den Nordkreis – also Alsdorf, Baesweiler, Würselen und Herzogenrath – zuständig. Heißt: Sie stehen Frauen und Familien rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt, finanzielle Unterstützung oder auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf beratend zur Seite.

Nicht nur finanziell sei Corona bei vielen Klienten mittlerweile angekommen. Es gebe auch andere Probleme, die in dieser Form vorher nicht auftauchten. „Am Anfang gab es eine Art Schockstarre. Dann kamen die ersten Anfragen und in den vergangenen Wochen gab es wieder eine verstärkte Kontaktaufnahme“, sagt Katja Bock.

Persönliche Gespräche finden mittlerweile wieder statt. Vermehrt setzt man aber auf die telefonische Beratung. Eine Möglichkeit, die Vor- und Nachteile mit sich bringe. Gut funktioniere die telefonische Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen. „Das ist nahezu wie Face-to-Face-Kontakt“, sagt Bock. Dennoch fehle etwas, wenn man nicht persönlich berate. Vor allem Mimik und Gestik seien in Gesprächen wichtig, sagt Blau.

Klienten, die in Stolberg oder Eschweiler wohnen, können die Beratungsstelle an der Birkengangstraße aufsuchen (siehe Infobox). Allerdings nur, wenn der Gesundheitszustand dies auch zulässt. Außensprechstunden, die normalerweise in Eschweiler, Alsdorf und Baesweiler angeboten werden, finden derzeit nicht statt. Aus Alsdorf und Baesweiler kämen die Klienten allerdings nur in Ausnahmesituationen nach Stolberg. Der Weg, der oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden müsse, sei zu Corona-Zeiten nicht angebracht. „Wir wissen noch nicht, wann wir mit den Außensprechstunden wieder starten können“, sagt Bock. Nach den Sommerferien soll erneut darüber beraten werden.

„Beratungsbedarf ist jedoch nach wie vor vorhanden, und das gesamte Spektrum unserer Hilfen kann telefonisch abgedeckt werden“, sagt Blau. Im vergangenen Jahr wurden 436 Frauen und ihre Familien beraten. Darunter neue Klientinnen, aber auch Frauen, die bereits im Jahr zuvor betreut wurden. Die Zahlen seien weiterhin konstant, sind sich Blau, Bock und Breidt sicher. Besonders problematisch sei derzeit in vielen Familien die finanzielle Situation. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit seien keine Seltenheit. „Einen Monat Kurzarbeit kann man vielleicht kompensieren. Zwei oder drei Monate aber meist nicht“, sagt Blau.

Zu kleine Wohnungen spielten vor allem in den Corona-Anfängen, in denen viele Familien kaum das Haus verließen, eine entscheidende Rolle. „Das schürt natürlich Konflikte“, so Blau. Sie hat folgende Erfahrung gemacht: „Ich kann nicht feststellen, dass es mehr Fälle von häuslicher Gewalt gibt. Es ist zumindest nicht öfter angesprochen worden als sonst.“ Das bedeute allerdings nicht, dass die Fallzahlen nicht trotzdem gestiegen sein könnten. In Telefongesprächen sei vielleicht auch die Hemmschwelle größer, darüber zu sprechen. Im persönlichen Gespräch habe man mehr Anhaltspunkte, um aus Beratersicht das Thema anzusprechen.

Hinzu komme, dass es Mütter gebe, die positiv auf Corona getestet würden. „Schwanger sein heißt generell auch in Sorge um das Kind zu sein“, sagt Bock. Verwirrung gab es in den vergangenen Monaten vor allem darum, ob Väter im Kreißsaal dabei sein dürfen, oder nicht. Inzwischen sei ein wenig mehr Normalität eingekehrt. Schwierig sei es allerdings nach wie vor, eine Hebamme zu finden – und zwar ganz unabhängig von Corona. Immer wieder gebe es auch Probleme aufgrund der langen Bearbeitungszeiten in einzelnen Behörden.

Eine Anlaufstelle sei man zunächst für nahezu alle Problemlagen. Alle schwangeren Frauen und ihre Familien, auch die keine staatliche Unterstützung bekommen, sind willkommen. Die Beratung ist bis zum dritten Lebensjahr des Kindes möglich. „Die Schwangerschaft ist oft wie ein Brennglas. Sie ist nach neun Monaten beendet, die Probleme, die man mit sich trägt, sind das aber meist nicht“, sagt Blau.