Köln/Stolberg: Conterganopfer treffen sich zur Mahnwache vor Grünenthal

Köln/Stolberg: Conterganopfer treffen sich zur Mahnwache vor Grünenthal

Im Streit um Entschädigungen haben Conterganopfer für Freitagnacht eine Mahnwache vor den Werkstoren des damaligen Conterganherstellers Grünenthal und zwei weiteren Werken der Unternehmerfamilie angekündigt.

Sie fordern acht Milliarden Euro Entschädigung für die 2800 in Deutschland lebenden Opfer. Die Teilnehmer der Mahnwache wollen auch an die Markteinführung des Schlafmittels Contergan vor 52 Jahren erinnern. Der Bund Contergangeschädigter (BCG) und Grünenthalopfer kündigte für die Zeit danach jährliche Mahnwachen an.

Die Opfer bezeichnen die bisherige Entschädigung als Unrecht. „Wir zählen ab heute jedes Jahr, wo dieses Unrecht besteht”, sagte der BCG-Vorsitzende Andreas Meyer. Bisher hatte es drei Mahnwachen jeweils an runden Jahrestagen gegeben.

Zum ersten Mal richtet sich die Aktion gegen die gesamte Unternehmensgruppe der Familie Wirtz. Der Familie gehört neben Grünenthal die Dalli-Gruppe, die Waschmittel und Kosmetika herstellt. Drei Stolberger Werke der Familie liegen unmittelbar nebeneinander. Bei Grünenthal und der Dalli-Gruppe gibt es identische Gesellschafter.

Mit der Mahnwache setzen die Conterganopfer ihren erweiterten Feldzug gegen die gesamte Familiengruppe fort. Vor zwei Jahren hatten offensiv agierende Opferverbände einen Boykottaufruf gegen Produkte der Gruppe gestartet. Diesen Aufruf wollen die Contergangeschädigten am Abend mit einer Kranzniederlegung bekräftigen. „Das ist eine symbolische Geste: Wir tragen die Produkte der Familie Wirtz zu Grabe”, sagte Meyer.

Das Unternehmen teilte mit, Grünenthal stelle sich seiner Vergangenheit. Das Schicksal der Betroffenen sei nicht vergessen. Das Unternehmen habe das Rote Kreuz gebeten, die Teilnehmer während der Mahnwache unter anderem mit Essen, Getränken und Decken zu versorgen.

Das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal hatte einen der größten Arzneimittelskandale in der deutschen Geschichte ausgelöst. Weltweit kamen rund 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland. Nach einem Vergleich mit den Opfern zahlte das Unternehmen 110 Millionen D-Mark in die Contergan-Stiftung und in diesem Jahr freiwillig weitere 50 Millionen Euro ein.

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