Aachen: Conterganopfer: Grünenthal-Hilfe nur Medienaktion

Aachen: Conterganopfer: Grünenthal-Hilfe nur Medienaktion

Der Arzneimittelhersteller Grünenthal hat mit der Unterstützung von schwerst geschädigten Conterganopfern in Notfällen begonnen. Einige Betroffene hätten bereits Geld erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Zu Zahl der Betroffenen und Volumen machte das Unternehmen keine Angaben. Der Bundesverband Contergangeschädigter lehnte die Härtefallregelung als „medienwirksame Aktion ohne jegliche Transparenz” ab.

Das Unternehmen macht nur wenig Angaben

Grünenthal übernimmt nach eigenen Angaben in Einzelfällen Kosten für Sachleistungen, die die Sozialkassen nicht tragen. Das könne etwa der behindertengerechte Umbau eines Autos sein, oder die Anschaffung von Dingen des Alltags, etwa ein leicht bedienbarer Schrank, berichtete der Arzneimittelhersteller. Angaben zum jährlichen Budget machte das Unternehmen nicht. Über die Anträge entscheidet allein Grünenthal.

Der Bundesverband Contergangeschädigter kritisierte die mangelnde Transparenz. „Was ist ein Härtefall?”, fragte Pressesprecherin Ilonka Stebritz. Im Lebensalter um die 50 Jahre brächen vielen Betroffenen die „Helfersysteme” weg, weil die Eltern sterben. „Gilt das auch als Härtefall?”, fragte Stebritz.

Grünenthal habe beim letzten Gespräch im Mai zugesagt, bis Ende Juni ein schlüssiges Konzept zur Verbesserung der Lebenssituation Contergangeschädigter vorzulegen. Diese Frist sei ohne Reaktion verstrichen. Der Dialog mit den Contergangeschädigten sei nur ein Feigenblatt. Richtige Hilfe sähe anders aus. Zum Forderungskatalog des Verbands gehört unter anderem eine Einmalzahlung für Betroffene von im Schnitt 100.000 Euro. Grünental kommentierte die Vorwürfe unter Verweis auf eine Verschwiegenheits-Vereinbarung nicht.

Contergan hatte einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. In Deutschland gibt es heute noch rund 2800 Betroffene, die mit Missbildungen zur Welt kamen, nachdem ihre Mütter Ende der 50er Jahre das Schlafmittel Contergan der Firma Grünenthal eingenommen hatten. Mit dem Stiftungsgesetz zur Gründung der Conterganstiftung waren alle Schadenersatzansprüche gegen den Grünenthal erloschen.

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