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Stolberg: Comedy am Rande des Irrsinns

Stolberg : Comedy am Rande des Irrsinns

Während Bürgermeister Ferdinand Gatzweiler der jungen Künstlerin Dagmar Schönleber den Pokal überreicht und ein paar Worte des Dankes an Organisatoren und Künstler des „Westspitzen”-Wettbewerbes richtet, bricht im Publikum heftiges Kichern aus.

Wer „Herrn Schulz und Herrn Schröder”, die beiden Conferenciers des Abends beobachtet, weiß schnell warum. Nicht eine Sekunde lang vermögen die beiden witzigen Entertainer Grimassenschneiden und wilde Gestik einzustellen.

Der Bürgermeister nimmts gelassen. „Ich dachte schon, Sie lachen über mich. Wenn ich die zwei in meinem Rücken weiß, wird mir aber einiges klar,” wendet sich der Bürgermeister ans Publikum.

Wie im Flug vergehen vier Stunden Comedy im voll besetzten Museum Zinkhütter Hof. Was die Zuschauer an diesem Abend erleben, ist Unterhaltung pur: Satire, Tanz, Mimik, Slapstik, Witze, Gags, Musik, Stunts und mehr.

Überzeugend sind alle Künstler: Ob Lutz von Rosenberg Lipinski, der für Männer nur noch eine Zukunft als „Feminist” sieht, oder Sybille und der kleine Wahnsinnge, die mit wilden Liedern am Rande des Irrsinns, gepaart mit vielen satirischen Elementen und einem Hauch Zynismus oder das Duo Diagonal, das die Zuschauer mit einer nahezu unbeschreiblichen Mischung aus Mime, Tanz und Slapstick begeistert.

Die Siegerin Dagmar Schönleber hat einen scharfen Blick für die Schwächen ihrer Mitmenschen. In rasantem Tempo erzählt sie von den „auditiven und visuellen Katastrophen”, denen sie beim U-Bahn-Fahren in Köln begegnet. Wenn sie von Chantal, einem dümmlichen deutschen Teenager im „Supertussi”-T-Shirt und ihrer türkischen Freundin Gülei, die zwar ebenso mäßiges Deutsch spricht, deren mentale Leistungsstärke der Deutschen „Supertussi„ jedoch um einiges überlegen ist, erzählt, ist es so, als habe man die Situation selbst erlebt.

Dabei mangelt es der jungen Künstlerin nicht an Selbstironie: Auf der Suche nach einem netten Partner schlage sie sich regelmäßig durch Kölner Discos und Szenelokale. Dort verpatze sie ausgerechnet dann die günstige Gelegenheit, wenn es sich ausnahmsweise einmal um einen netten Mann handelt.

Abgerundet wird das Programm von Dagmar Schönleber mit musikalischen Einlagen wie einem Lied über RocknRoll. Dabei singt die Künstlerin, die sich selbst auf der Gitarre begleitet, so zart, sanft und kindlich von RocknRoll, dass der Text des Stückes auf das Heftigste konterkariert wird. Am Ende der Darbietung steht ein Traum: dass die Menschen „Stagediving zu Poesie„ machen und mit Kurzgeschichten bedruckte T-Shirts tragen. Das T-Shirt mit der Aufschrift „Miss Bildung„, das die Künstlerin trägt, passt da wunderbar ins Konzept.

Außer Konkurrenz sind die wilden, in englischer Sprache gehaltenen Moderationen von „Herrn Schulz und Herrn Schröder”, die wunderbar spontan auf jede kleinste Regung im Publikum eingehen und obwohl sie „not the youngest”, sind atemberaubende Stunts wie „Die schwäbische Jungfrau” zeigen.

Die Comedy-Veranstaltung war Teil des Westspitzen-Festivals, an dem sich mit Würselen, Stolberg, Düren, Kerpen, Jülich, Eschweiler und Alsdorf sieben Städte der Region beteiligen. In jeder der sieben Städte wird ein unterhaltsamer Wettbewerb ausgetragen. Das Publikum und eine Jury aus Fachleuten bestimmt den Sieger. Dieser tritt am 27. November in der Stadthalle Alsdorf gegen die Sieger der anderen Kategorien an.

Informationen zum Festival gibt es unter http://www.westspitzen.de