CDU setzt mit 99 Prozent auf Andreas Dovern als Bürgermeisterkandidat

Stolberg nach vorne bringen: Feuerwehrchef will bei der Bürgermeisterwahl gewinnen

Gegen 20.45 Uhr ist es so weit: Das Ergebnis steht fest. Anspannung liegt in der Luft, als Stolbergs CDU-Chef Jochen Emonds ans Mikrofon tritt. Nur knapp zehn Minuten zuvor hat er den Wahlgang eröffnet.

Reges Treiben herrscht in den kleinen Wahlkabinen im Saal. Innerhalb weniger Minuten haben die fleißigen Wahlhelfer die Stimmen schließlich ausgezählt. Genau 100 Christdemokraten sind an diesem Montagabend in das Museum Zinkhütter Hof gekommen, um den Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Mai aufzustellen.

99 Prozent der Stimmen entfallen auf Andreas Dovern. Wie der Kandidat auf dieses Ergebnis reagiert? Und was ein Paar orangefarbene Turnschuhe mit dem weiteren Verlauf des Wahlkampfes zu tun hat? Dazu später mehr.

Mit solch einem großen Ansturm hat man im Museum Zinkhütter Hof am Montagabend wohl nicht gerechnet. Immer wieder – auch als das Programm längst läuft – werden weitere Stühle in den großen Saal gebracht. Und trotzdem gibt es noch genügend Besucher, die die Veranstaltung im Stehen verfolgen. Bewusst haben sich die Christdemokraten entschieden, ihre Aufstellungsversammlung öffentlich zu veranstalten. Die Anzahl der Besucher gibt ihnen recht. Knapp 200 interessierte Stolberger kommen, um Feuerwehrchef und Kandidat Andreas Dovern einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Umarmt ihren Kandidaten glücklich: Ehefrau Silvia Dovern. Foto: Jürgen Lange

Bevor er allerdings erklären kann, was er in Stolberg künftig auf den Weg bringen möchte, richtet Emonds einige Worte an die Gäste und macht in seiner Rede deutlich, dass der Wahlkampf bereits begonnen hat. Klare Worte richtet Emonds an die „politischen Mitbewerber“: „Er reicht nicht, von Volksfest zu Volksfest zu laufen und Layoutlinien sowie Inhalte der Stolberger CDU mehr schlecht als recht zu kopieren.“ Ein Bürgermeister müsse mehr sein als nur ein „oberster Grüßaugust der Nation“. Er müsse eine Verwaltung mit einem Etat von fast 200 Millionen Euro und 800 Mitarbeitern führen sowie die Entwicklung der Stadt mit eigenen Ideen, einer eigenen Handschrift und einer eigenen Vision gestalten können.

Das Amt des Bürgermeisters sei harte Arbeit, es verlange Tatkraft und manchmal brauche man ein dickes Fell. Mit Andreas Dovern schlage der Stadtverbandsvorstand einen Kandidaten vor, „der sich nicht nur bestens mit unserer Stadt und ihren Menschen auskennt, sondern der zudem allen Anforderungen dieses wichtigen Amtes gerecht wird“, so Emonds. Und mit dieser Meinung steht er nicht allein.

Dr. Jan Heinisch, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, war selbst 13 Jahre Bürgermeister und berichtet nun von seinen Erfahrungen. Was ihn und Dovern allerdings verbindet? Heinisch ist seit seinem zwölften Lebensjahr Mitglied der Feuerwehr.

Laufschuhe im CDU-Orange bekommt Andreas Dovern von Parteichef Jochen Emonds. Foto: ZVA/Jürgen Lange

Etliche Eigenschaften, die man als Bürgermeister mitbringen müsse, lerne man bereits in der Feuerwehr . Dazu gehöre nicht nur Begeisterungsfähigkeit, Ideenreichtum und Gelassenheit. Man müsse sich zudem in der Stadt auskennen, etwas von der Verwaltung verstehen und immer für seine Stadt da sein. Diese Eigenschaften spricht er auch Andreas Dovern zu und bittet die Gäste, ihren Kandidaten nicht nur an diesem Abend, sondern auch bis zur Wahl und weit darüber hinaus zu unterstützen.

Stolbergs ehemaliger Bürgermeister und neuer Städteregionsrat Tim Grüttemeier plaudert von seinen eigenen Erfahrungen, die er mit Dovern gemacht habe. Positive: Er bescheinigt ihm, viel von ihm gelernt zu haben und ist sich sicher, dass er ihn auf der Bürgermeisterkonferenz im Juni begrüßen wird.

Dann wird es Zeit für Musik. Begleitet wird der Abend von dem Trio „Barbara y Vaiven Cubano“, bestehend aus Barbara Verdecia (Gesang, Gitarre), Aliocha Escuriola (Keyboard) und Michael Verdecia (Percussion). Unter anderem gibt die Kombo den Song „Quizas, Quizas“ zum Besten, das übersetzt so viel bedeutet wie „Vielleicht, vielleicht“. Dass aus diesem „Vielleicht“ nur ein wenig später ein deutliches ja werden wird, weiß zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keiner der Anwesenden im Saal. Doch vor dem Gang an die Wahlurne ist der Kandidat selbst an der Reihe.

Mit kubanischer Musik umrahmt Barbara Verdecia mit ihrer Kombo den Parteitag. Foto: Jürgen Lange

Seit seiner Nominierung vor zweieinhalb Monaten sei eine Menge passiert. „Viele Menschen sprechen mich an, nehmen mich nicht mehr nur als den Mann für die Notfälle wahr. Aber zugleich habe ich auch festgestellt, dass zahlreiche Menschen noch viele Fragen zu mir, zu meinen Zielen und zu meinem Werdegang haben“, sagt Dovern.

Nachdem die Stolberger CDU ihn ansprach, ob er kandidieren wolle, habe er sich zunächst Bedenkzeit genommen. Doch dann sei ihm klar geworden, „dass ich mir das Amt nicht nur zutraue, sondern, dass ich in der Tat vieles noch bewegen, gestalten und verändern möchte“. Durch eine Kandidatur im Wahlkampf müsse er nicht nur nichts aufgeben. „Meine Kandidatur ist vielmehr eine logische Konsequenz aus meinem bisherigen Lebensweg, aus meinen Überzeugungen und Wertvorstellungen.“

Doch die Anstrengungen der vergangenen Jahr könnten nur der erste Schritt sein. In Stolberg müsse sich noch eine Menge tun, meint Dovern und spricht damit vor allem die Bereiche Sicherheit und Bildung an. Aber auch der Blick der Stolberger auf die eigene Stadt müsse sich ändern. „Es müssen sich wieder mehr Menschen mit unserer Stadt identifizieren, Menschen mit Stolz sagen „Ich bin Stolberger“, und ich will dazu beitragen, dass sie sich mit Leidenschaft für andere einsetzen und dass sie den Mut entwickeln, ihr Umfeld mit ihren eigenen Ideen zu gestalten“, erklärt Dovern den Zuhörern.

Eingerahmt von CDU-Chef Jochen Emonds (l.) und Staatssekretär Jan Heinisch umarmt Tim Grüttemeier mit Andreas Dovern seinen Wunschkandidaten als Nachfolger im Stolberger Bürgermeisteramt. Foto: Jürgen Lange

Seine Rede überzeugt auch die Anwesenden im Zinkhütter Hof, die ihm langanhaltenden Applaus im Stehen spendeten. Und damit nicht genug. 99 Prozent stimmen schließlich für seine Kandidatur. Dieses Ergebnis hätte er sich nicht „träumen lassen“, gesteht Dovern und freut sich auf erfolgreiche Monate des Wahlkampfes.

Damit er in diesem nun so richtig durchstarten kann, überreichte ihm Jochen Emonds ein Paar Laufschuhe – natürlich in leuchtendem Orange, der Parteifarbe der CDU.

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