Stolberg: „Café Willkommen“ hat sich als Treffpunkt für Geflüchtete etabliert

Stolberg: „Café Willkommen“ hat sich als Treffpunkt für Geflüchtete etabliert

Seit einigen Wochen ist das von den katholischen und evangelischen Kirchen in Stolberg ins Leben gerufene „Café Willkommen“ im ökumenischen Gemeindezentrum zu Hause. Jeden Montag treffen sich hier geflüchtete Menschen, die in Stolberg eine neue Heimat gefunden haben, mit ehrenamtlichen Helfern, um über Probleme bei Behördengängen zu sprechen oder einfach zum Klönen.

Ein Besuch auf der kleinen Adventsfeier, die nun die Helfer für die Flüchtlinge organisiert haben, zeigt, dass viele von den Familien mittlerweile in Stolberg angekommen sind. Er zeigt aber vor allem, wie wichtig menschliche Wärme ist. „Seit wir im Gemeindezentrum sind, wird das Café viel stärker frequentiert“, erzählt Petra Morschel von der katholischen Gemeinde St. Lucia. Hier gibt es viel mehr Platz als in dem alten Raum am Jordanplatz. „Die Kinder können besser toben und die Erwachsenen haben genügend Möglichkeiten für Gespräche.“ Und der Kicker im Foyer komme bei den jungen Leuten sehr gut an.

Die Sitzplätze an den weihnachtlich dekorierten Tischen sind schnell besetzt. Viele der Menschen, die das Café besuchen, kennen sich mittlerweile gut. Ein paar Kinder flitzen noch hin und her, zeigen den Ehrenamtlichen voller Stolz gut benotete Deutscharbeiten aus der Schule.

Mit der Adventsfeier wolle man sich auf der einen Seite bei den vielen ehrenamtlichen Helfern bedanken, die sich regelmäßig um die Geflüchteten kümmern, erklärt Petra Morschel. Auf der anderen Seite wolle man den Familien und vor allem den Kindern die deutschen Bräuche näherbringen und ihnen eine kleine Freude machen. „Darum haben wir auch den Nikolaus gebeten, vorbeizukommen“, sagt Petra Morschel augenzwinkernd.

In Aleppo lebten viele Christen

Doch das mit den deutschen Bräuchen scheint den Familien gar nicht so fremd zu sein: Überall auf den Tischen stehen zwischen den gekauften, einfachen Plätzchen auch selbst gebackene Kuchen, Kekse und anderes süßes Gebäck. „Das haben alles die Flüchtlinge mitgebracht“, sagt Petra Morschel lächelnd. Eine von denen, sich vor der Feier ans Backen gegeben hat (Zebrakuchen mit Kokosflocken), ist Sharefa Husen aus Syrien. Sie kommt mit ihren Kindern regelmäßig ins Gemeindezentrum.

„In unserer Heimat feiern viele Menschen Weihnachten. Nicht nur für die Christen ist das ein wichtiges Fest“, erzählt sie. Auch Muslime oder Jesiden verbringen diese Tage mit ihren Familien, kochen etwas besonderes und feiern. „In Aleppo gab es immer viele Christen. Wie das jetzt ist, weiß ich aber nicht“, sagt Sharefa Husen.

Dann reißt ihr Sohn Mustafa die junge Frau kurz aus ihren trüben Gedanken: Er traut sich nämlich an den Flügel, der in der Ecke des Raums steht. Gemeinsames Musizieren ist an diesem Nachmittag ganz hoch im Kurs: Es werden Advents- und Weihnachtslieder gesungen, auch Lieder aus ihrer Heimat geben die Frauen und Männer aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak zum Besten.

„Wir Christen glauben an das Christkind“, erklärt der katholische Pfarrer Hans Rolf Funken in seiner Ansprache, „wir glauben, dass in diesem kleinen Kind Gott selbst zu den Menschen gekommen ist.“ Wissend nickend blicken ihm die Gäste der Feier entgegen. „Jetzt wünsche ich Ihnen aber einfach einen guten Appetit, freuen Sie sich des Lebens“, sagt Funken und räumt das Feld, damit wieder lauthals gesungen werden kann.

Als dann Uwe Loeper, Pfarrer der evangelischen Kirche, als heiliger Nikolaus verkleidet den Raum betritt, leuchten die Augen der vielen kleinen und großen Kinder im Raum. Das „Lustig, lustig, trala lala la“ ertönt noch eine Spur lauter, als sie den Wagen mit Weihnachtstüten entdecken, der in den Raum gerollt wird. Weckmänner gucken daraus hervor. „Wir haben für jedes Kind eine kleine Tüte gepackt“, verrät Petra Morschel. Doch der Nachmittag ist schon ein Erfolg, bevor die Tüten verteilt sind.