Burgkonzept kann ab 2019 umgesetzt werden

80 Prozent der Kosten gedeckt: Bezirksregierung fördert das Burgkonzept mit 741.000 Euro

Was lange währt, wird endlich gut: Bezogen auf das Burgkonzept trifft diese Aussage besonders zu. Anfang der Woche gab es von der Bezirksregierung eine positive Rückmeldung. Die Stolberger Verwaltung spricht von einer großen Erleichterung.

Bereits seit einigen Jahren beschäftigt die Burg die Stolberger Verwaltung – genau genommen seit dem Jahr 2015. Bereits damals kam die Idee auf, das Wahrzeichen der Stadt erlebbarer zu machen. Aber wie sollte das funktionieren? Fördergelder sollten akquiriert werden – und zwar im Rahmen des Förderprogramms „Erlebnisraum Aachen/Eifel“. Einen positiven Bescheid gab es bislang allerdings nicht. Und so rückte das Burgkonzept eher in den Hintergrund. Bis jetzt.

Vor Weihnachten gibt es nun gute Nachrichten. Anfang der Woche wurde der Förderantrag von der Bezirksregierung genehmigt. Heißt im Klartext: Insgesamt 3,1 Millionen Euro gibt es für die südlichen Kommunen der Städteregion. Für Stolberg wird die Förderung rund 741.000 Euro groß sein. Das Burgkonzept umfasst insgesamt 926.750 Euro. 80 Prozent werden von der Bezirksregierung gefördert. Die restlichen 20 Prozent – also 185.350 Euro – teilen sich Stadt und Städteregion. Die Voraussetzung: Bis Ende 2021 muss das Projekt umgesetzt sein. Und bis dahin gibt es noch eine ganze Menge zu tun.

Im November 2017 wurde die Machbarkeitsstudie zur Burg vorgestellt. Diese umfasst unter anderem die Umgestaltung des Burginneren, des Außengeländes sowie des Museums in der Torburg. So soll es in der Burg unter anderem eine Außenstelle der Stolberg-Touristik geben. Was der Stolberger Burg nämlich fehle, sei eine Art Empfang, der als Informationsstelle für Besucher diene. Von Seiten der Verwaltung gab es die Idee, die Außenstelle der Touristik in der Torburg einzurichten. Das Büro wäre dann im Optimalfall täglich geöffnet. Geeignet dafür seien die Räume im Erdgeschoss links hinter dem Burgtor.

Dort könnte es Informationen über die verschiedenen Angebote auf dem Gelände oder auch über weitere touristische Angebote in der Stadt geben. Zudem könnte dort die Ausgabe von Medien erfolgen. Um die Burg erlebbarer zu machen, seien diese nämlich von enorm wichtiger Bedeutung. Das könnten beispielsweise Audioguides oder Informationssäulen sein, aber auch Führungen mit dem Tablet in Verbindung mit einer App, die die Burg auf verschiedene Weisen erlebbar macht. Eine Idee aus dem Burgkonzept: Moritz Kraus, der die Burg 1887 kaufte und sie 1909 den Bürgern der Stadt schenkte, soll die Führungen – natürlich als imaginärer Guide – übernehmen.

Das sind allerdings nur zwei von zahlreichen Ideen, die verwirklicht werden sollen. Auf dem Außengelände soll zudem ein barrierefreier Rundweg mit verschiedenen Stationen entstehen. Im Inneren der Burg soll es zudem die Möglichkeit geben, bisher wenig genutzte Räume und auch die dritte Turmebene zu öffnen.

Eine gute Nachricht vor Weihnachten: Das Burgkonzept wird gefördert. Foto: ZVA/Sonja Essers

Eine wichtige Rolle spielt auch das Museum in der Torburg. Weder das Gebäude noch die Ausstellung sind derzeit barrierefrei nutzbar. Menschen mit Gehbehinderung können keinen Ausstellungsbereich erreichen. Angebote für Sehbehinderte, die einen selbstbestimmten Museumsbesuch ermöglichen, gibt es nicht. Zudem sind die Ausstellungen nur an den Wochenenden und Feiertagen zu sehen. Vor dem Hintergrund eines Ausstellungsbetriebs, der durch die Touristeninformation mit abgedeckt werden könne, sei über die grundsätzliche Verlegung des Eingangs nachzudenken.

Die Besucher würden die Ausstellung dann nicht mehr durch das Untergeschoss, sondern durch den linkerhand gelegenen Eingang zur Touristeninformation betreten. Der Übergang von den Räumen der Touristeninformation in die Ausstellung könnte transparent, beispielsweise durch eine Glaswand, gestaltet werden. Für die Sicherheit im Gebäude müssten die Ausstellungsräume mit einer Videoüberwachung ausgerüstet werden, die es dem Personal in der Touristeninformation ermöglicht, die Räume im Blick zu haben.

Insgesamt müsste der gesamte Gebäudekomplex nach dem vorliegenden Brandschutzgutachten umgestaltet werden. Die Umbauten betreffen die Situation der Rettungswege, fehlende brandschutztechnische Abtrennungen und den Austausch von Bauteilen mit unzureichender Feuerwiderstandsklasse.

Auch das Thema Fahrradtourismus soll auf der Burg eine wichtige Rolle spielen. Und ebenfalls auf dem Offermann-Platz wird sich in Sachen Radtourismus bald eine Menge tun. In diesem Rahmen profitierte die Stadt schon einmal von einem Förderprogramm – und zwar von dem „Erlebnisraum Aachener Revier“, dem die nördlichen Kommunen der Städteregion angehören. Auf dem Offermann-Platz, für den es eine Förderung in Höhe von 17.000 Euro gab, soll künftig ein Ort zum Verweilen entstehen. Umgesetzt werden soll das Projekt bis Ende 2020.

Der teilbegrünte, öffentlich zugängliche Platz wird derzeit bereits häufig und gerne als Ruhe- oder Begegnungszone genutzt. Das soll künftig noch weiter ausgebaut werden. Die letzte Umgestaltung des Platzes fand in den 1980er-Jahren statt. Nun soll Wert darauf gelegt werden, das Thema der Erlebnisschleife „Energie“ aufzugreifen und die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu schlagen. Die Gebäude am Offermann-Platz dienten mehrere Jahrzehnte zur Produktion von Tuchen. Für die Herstellung von Tuchen war unter anderem die unmittelbar an Platz befindliche Wasser(Energie) vonnöten.

Auch der Offermann-Platz soll neu gestaltet werden. Foto: ZVA/Sonja Essers

Doch nicht nur die vergangene Energie soll wieder in Szene gesetzt werden. Ebenso soll den Radfahrern und Besuchern die Möglichkeit gegeben werden, Energie selbst zu produzieren. An Fitnessgeräten erhalten sie Gelegenheit einen Ausgleich zu der – durch die Radtouren gekräftigten und beanspruchten Beinmuskulatur – zu schaffen und im Gegenzug nicht beanspruchte Muskulatur anzusprechen. Das Besondere an den Fitnessgeräten ist jedoch nicht, die weitere sportliche Aktivität.

Vielmehr kann die an den Geräten erzeugte Energie unmittelbar zur Aufladung von Mobilfunkgeräten und Navigationsgeräten genutzt werden. Insbesondere die Online-Abfrage von Daten während einer Tour verbraucht einiges an Energie, die am Verweilort wieder aufgeladen werden kann. Um den Verweilort auch für Familie mit Kindern ansprechend zu gestalten, werden derzeit Möglichkeiten eruiert, Spielmöglichkeiten zu schaffen. Perspektivisch ist daran gedacht, den Bachlauf zu nutzen.

Mit der Feinkonzeptionierung des Burgkonzepts soll im Januar begonnen werden. Die Umsetzung ist dann für die Jahre 2020 und 2021 angedacht. Bürgermeister Tim Grüttemeier zeigte sich zufrieden. „Es ist eine große Erleichterung, dass das geklappt hat“, meinte er. Und auch Stolbergs Erster Beigeordneter Robert Voigtsberger meinte: „ Es ist ein Meilenstein für uns als Stadt. Etwas, worauf wir lange gewartet haben. 2018 ist noch nicht zuende und das Jahr 2019 geht schon gut und erfolgreich los.“

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